28. Jan. 2019

Unterwasserbild von LanceALot während der Roboter den Meeresboden vermisst.

Wir schreiben den 23. Januar 2019. Es ist morgens. Noch immer arbeiten Teile des Teams im Labor, und die Ermüdung ist ihnen ins Gesicht geschrieben. Dem Rest der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fällt es währenddessen schwer, sich in ihren Kojen zu halten, denn heute ist etwas anders. Die See ist aufgewühlt und das Schiff den Gewalten ausgesetzt. Sofort finden sich einige Forschende auf der Brücke ein, um die aktuelle Situation zu erfragen: Beim Anblick des Fahrtleiters fällt allen Teilnehmern sofort das Leuchten in den Augen und das leichte Schmunzeln des Dänen auf. Beides in Kombination lässt großartige Neuigkeiten erahnen. In enger Zusammenarbeit mit der Leitstelle hat er es geschafft: Wir haben die Genehmigung, an das marokkanische Schelf zu fahren.

Die Erleichterung ist groß, alle liegen sich vor Freude in den Armen. Der Kapitän zögert keine Minute und setzt Kurs mit voller Fahrt auf Kap Blanc. Zugegeben, bei der FS Poseidon sind das nur knapp zehn Knoten, und bei den starken Passatwinden und hohen Wellen erreichen wir diese Geschwindigkeit nicht. Es reicht dennoch, um in wenigen Stunden in das geplante Beprobungsgebiet zu kommen. Während die letzten Vorbereitungen laufen, wird das Meer langsam ruhiger, die Luft wärmer und merklich schwüler. Nachmittags um vier befinden wir uns auf dem Kontinentalschelf, vier nautische Meilen entfernt von Mauretanien, unterhalb von uns liegen "nur noch" 30 Meter Wassersäule. Das Ziel für den verbleibenden Tag ist der sichere Einsatz des Unterwasser-Roboters "LanceALot".

Hannah, Soeren und Kai schließen die letzten Programmierungen ab und besprechen mit der Decksmannschaft den Einsatz. 20 Meter Meteorleine mit 25 Kilogramm Fischerkugeln, dann Schäkel-Ring-Schäkel und 50 Meter Schwimmleine, abgeschlossen mit Blub, Signalleuchte und Reflektor. Der Einsatz von Unterwassergeräten ist immer mit einem sehr großen Arbeitsaufwand verbunden und setzt eine akribische Planung voraus. Nur so kann gewährleistet werden, dass die Geräte auch wieder zurückkommen. Soeren zieht das letzte Kabel aus LanceALot, und jetzt liegt alles in den Händen der Decksmannschaft.

Der Roboter LanceALot wird ins Wasser gelassen.

Der Roboter LanceALot wird ins Wasser gelassen.

Bild: MARUM/Universität Bremen
Blick auf die marokkanische Küste.

Blick auf die marokkanische Küste.

Bild: MARUM/Universität Bremen
Kleine Proben vom Meeresboden bekommt das Team mit dem Van-Veen-Greifer

Kleine Proben vom Meeresboden bekommt das Team mit dem Van-Veen-Greifer.

Bild: MARUM/Universität Bremen
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Der Roboter LanceALot wird ins Wasser gelassen.

Bild: MARUM/Universität Bremen

Blick auf die marokkanische Küste.

Bild: MARUM/Universität Bremen

Kleine Proben vom Meeresboden bekommt das Team mit dem Van-Veen-Greifer.

Bild: MARUM/Universität Bremen

Durch ihre jahrzehntelange Erfahrung wird der 600 Kilogramm schwere Roboter mit wenigen Handgriffen und klaren Kommandos vom Bootsmann mit dem Kran in die blau-grüne Tiefe hinablassen. Mit jedem Meter Leine verschwindet mehr von der Silhouette, und dann heißt es abwarten.LanceALot misst jetzt 24 Stunden lang die Prozesse im und am sandigen Meeresboden. Das Messprogramm umfasst Nährstoffmessungen, Strömungen und als Indikator für die mikrobielle Aktivität Sauerstoffeindringtiefen in den Sand. Zusätzlich werden der Meeresboden gescannt und Fotos aufgenommen.

Am nächsten Morgen geht es früh weiter. Die Messungen vom Meeresboden alleine reichen nicht aus, deswegen sollen zusätzlich Parameter wie mikrobielle Aktivität und Nährstoffe bestimmt werden. Dafür werden mit dem sogenannten Van-Veen-Greifer zunächst viele kleinere Proben vom Meeresgrund an Deck geschafft. Anschließend lässt die Mannschaft den Multicorer herab, ein Gerät, mit dem mehrere Sedimentproben, sogenannte Kerne, aus dem Meeresboden genommen werden können. Sein Einsatz erfordert filigrane mechanische Einstellungen und es unterliegt immer einer gewissen Willkür, wie gut das Gerät funktioniert - gerade in Sand. Deshalb ist die Spannung groß, als das Gerät wieder an Deck kommt. Die prall gefüllten Röhren geben aber Anlass zum Freudenjubel. In den nächsten Stunden heißt es nun für uns, Proben zu bearbeiten und zu analysieren. In Reaktoren und Inkubationen wird die Aktivität der Algen und Bakterien im Sand bestimmt. Und während all das an Deck und im Labor passiert, misst LanceALot einsam am Meeresboden und die Stunden vergehen.