15. Feb. 2019

Kai bedient nicht nur die Secchi-Scheibe, sondern auch den Lander LanceALot.

Die Expedition POS531 ist beendet. Ein letztes Mal berichten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Fahrtleiter Morten Iversen von Bord. Über eines der ältesten meereswissenschaftlichen Geräte, über die gemeisterten Hürden des jungen Teams und über das Herz dieser Ausfahrt: Forschungsteam und Schiffsmannschaft!

Es ist ruhig an Bord geworden. Wir schreiben den 31. Januar 2019. Die FS Poseidon fährt mit den Pas­sat­win­den im Rü­cken zu ih­rem Be­stim­mungs­ha­fen Min­de­lo auf den Cap Ver­di­schen In­seln.

Die­sen Blog­bei­trag nut­zen wir, um ei­ne der äl­tes­ten, je­doch noch im­mer weit­hin ge­nutz­ten, mee­res­wis­sen­schaft­li­chen Ge­rät­schaf­ten aus dem 19. Jahr­hun­dert vor­zu­stel­len: die Sec­chi-Schei­be. Kai ist als Fach­per­so­nal mit an Bord, er hat sein Stu­di­um Ma­ri­ne Mess­sys­te­me ih­rer Hand­ha­bung ge­wid­met. Nun ist es an ihm, die Sec­chi-Schei­be täg­lich zur Mit­tags­stun­de zum fach­kun­di­gen Ein­satz zu brin­gen.

Es han­delt sich um eine Schei­be mit kon­trast­rei­chem, schwarz-wei­ßem Mus­ter, ähn­lich dem BMW-Em­blem, die in ih­rem Mit­tel­punkt an ei­nem Tau be­fes­tigt ist. Um die Trü­bung des Ober­flä­chen­was­sers zu be­stim­men, lässt Kai die Sec­chi-Schei­be lang­sam aber si­cher von Deck ins Was­ser her­ab, bis sie nicht mehr zu er­ken­nen ist. Die­se Stan­dard­me­tho­de wird welt­weit ein­ge­setzt, um die Sicht­tie­fe, ge­nau­er die Sec­chi-Tie­fe, in Ge­wäs­sern zu be­stim­men. Ne­ben die­ser ver­ant­wor­tungs­vol­len Auf­ga­be be­dient Kai auch, auf Grund sei­ner Er­fah­rung, die CTD und den Van-Veen-Grei­fer und be­rei­tet zu­sam­men mit Soe­ren Lan­ceA­Lot für den Ein­satz vor.

Bei wis­sen­schaft­li­chen Aus­fahr­ten sind, ne­ben den for­schen­den Tä­tig­kei­ten, Vor- und Nach­ar­bei­ten eben­so von Be­deu­tung. Da na­he­zu alle Ex­pe­ri­men­te an Bord nun ab­ge­schlos­sen sind, müs­sen die hoch­tech­ni­schen Ge­rät­schaf­ten und Ar­beits­ma­te­ria­li­en wie­der flug­si­cher ver­staut wer­den. Je­des Ein­zel­teil des Un­ter­was­serr­o­bo­ters Lan­ceA­Lot wird de­mon­tiert, die Mi­kro­sko­pe vor­sich­tig aus­ein­an­der­ge­nom­men. Die ge­sam­mel­ten Pro­ben müs­sen in Kühl­bo­xen für den Trans­port ein­ge­packt wer­den, auch die Sec­chi-Schei­be kommt zu­rück in die vor­ge­se­he­ne Zar­ges-Box (eine Trans­port­kis­te aus Alu­mi­ni­um).

Die Aus­rüs­tung wird ver­packt in vie­len klei­nen und gro­ßen Kis­ten, die ge­mein­sam mit Ro­bo­ter und Mess­ge­rä­ten so sper­rig sind, dass ein gan­zer Con­tai­ner da­mit ge­füllt wird. Da die Ge­rä­te zu Hau­se so­fort wie­der ein­ge­setzt wer­den, muss­ten und müs­sen die For­sche­rin­nen und For­scher an Ei­gen­ge­päck spa­ren und zu­sätz­li­ches For­schungs­ma­te­ri­al im ei­ge­nen Ge­päck un­ter­brin­gen – zum Glück kann man an Bord Wä­sche wa­schen.

Wenn un­er­fah­re­ne Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­ler an Bord kom­men, stel­len sie die Mann­schaft im­mer wie­der vor Her­aus­for­de­run­gen. Um über die Wech­sel­sprech­an­la­ge die Ein­sät­ze zu ko­or­di­nie­ren, müs­sen kla­re An­sa­gen ge­macht wer­den. Die fest­ge­leg­te Ab­fol­ge für eine An­fra­ge be­steht aus "Adres­sat" für "Sen­der" – "Ach­tung" – An­fra­ge – Be­stä­ti­gung. Erst dann dür­fen Ge­rä­te ins Was­ser ge­las­sen wer­den. Be­dient der er­fah­re­ne Ma­tro­se Mat­ze die Win­de, wo es laut von Wind und Win­den­lärm ist, las­sen ihn ge­nu­schel­te, un­kla­re Durch­sa­gen die Win­de vor­sichts­hal­ber stop­pen. Es dau­ert et­was, bis das For­schungs­team sich klar und in an­ge­mes­se­ner Laut­stär­ke über die Wech­sel­sprech­an­la­ge aus­drückt. Hin­zu kommt, dass über­mo­ti­vier­te, aber un­er­fah­re­ne jun­ge For­schen­de mit Vor­lie­be im Weg ste­hen, an­statt wirk­lich hilf­reich zu sein. Des­we­gen lau­fen die ers­ten paar Tage et­was sto­ckend, bis sich Mann­schaft und das For­schungs­team auf­ein­an­der ein­ge­stellt ha­ben.

Mann­schaft und Forschende

Erster Offizier Dirk.

Erster Offizier Dirk.

Bild: MARUM/Univ. Bremen
Zweiter Offizier Remo.

Zweiter Offizier Remo.

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Chief-Mate Hans.

Chief-Mate Hans.

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Bootsmann Achim.

Bootsmann Achim.

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Carsten aus dem Maschinenraum.

Carsten aus dem Maschinenraum.

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Koch Patrik.

Koch Patrik.

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Schiffsmechaniker und Bootsmann Frank.

Schiffsmechaniker und Bootsmann Frank.

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Julian aus dem Maschinenraum.

Julian aus dem Maschinenraum.

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Schiffsmechaniker Bernd.

Schiffsmechaniker Bernd.

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Schiffsmechaniker Felix.

Schiffsmechaniker Felix.

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Schiffsmechaniker Kuno.

Schiffsmechaniker Kuno.

Bild: MARUM/Univ. Bremen
Schiffsmechaniker Matze.

Schiffsmechaniker Matze.

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Laborant Alek.

Laborant Alek.

Bild: MARUM/Univ. Bremen
Wissenschaftler Hagen.

Wissenschaftler Hagen.

Bild: MARUM/Univ. Bremen
Wissenschaftlerin Hannah.

Wissenschaftlerin Hannah.

Bild: MARUM/Univ. Bremen
Laborantin Jana.

Laborantin Jana.

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Wissenschaftler Jan-Hendrik.

Wissenschaftler Jan-Hendrik.

Bild: MARUM/Univ. Bremen
Wissenschaftler Kai.

Wissenschaftler Kai.

Bild: MARUM/Univ. Bremen
Wissenschaftler Lennart.

Wissenschaftler Lennart.

Bild: MARUM/Univ. Bremen
Fahrtleiter Morten.

Fahrtleiter Morten.

Bild: MARUM/Univ. Bremen
Wissenschaftler Sören.

Wissenschaftler Sören.

Bild: MARUM/Univ. Bremen
Wissenschaftler Steffen.

Wissenschaftler Steffen.

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Kai mit seiner Secchi-Scheibe.

Kai mit seiner Secchi-Scheibe.

Bild: MARUM/Univ. Bremen
Die Proben werden für den Transport in Kühlboxen gepackt.

Die Proben werden für den Transport in Kühlboxen gepackt.

Bild: MARUM/Univ. Bremen
Am Ende der Reise werden alle kleinen und größeren Kisten wieder verpackt.

Am Ende der Reise werden alle kleinen und größeren Kisten wieder verpackt.

Bild: MARUM/Univ. Bremen
Nach und nach verschwinden die Kisten und Paletten im Container.

Nach und nach verschwinden die Kisten und Paletten im Container.

Bild: MARUM/Univ. Bremen
Alles passt auf dem Rückweg gerade so wieder in den Container.

Alles passt auf dem Rückweg gerade so wieder in den Container.

Bild: MARUM/Univ. Bremen
Seekarte mit Forschungsstationen.

Seekarte mit Forschungsstationen.

Bild: MARUM/Univ. Bremen
Harte Arbeit, das Packen!

Harte Arbeit, das Packen!

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Erster Offizier Dirk.

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Zweiter Offizier Remo.

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Chief-Mate Hans.

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Bootsmann Achim.

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Carsten aus dem Maschinenraum.

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Koch Patrik.

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Schiffsmechaniker und Bootsmann Frank.

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Julian aus dem Maschinenraum.

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Schiffsmechaniker Bernd.

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Schiffsmechaniker Felix.

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Schiffsmechaniker Kuno.

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Schiffsmechaniker Matze.

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Laborant Alek.

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Wissenschaftler Hagen.

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Wissenschaftlerin Hannah.

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Laborantin Jana.

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Wissenschaftler Jan-Hendrik.

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Wissenschaftler Kai.

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Wissenschaftler Lennart.

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Fahrtleiter Morten.

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Wissenschaftler Sören.

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Wissenschaftler Steffen.

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Kai mit seiner Secchi-Scheibe.

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Die Proben werden für den Transport in Kühlboxen gepackt.

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Am Ende der Reise werden alle kleinen und größeren Kisten wieder verpackt.

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Nach und nach verschwinden die Kisten und Paletten im Container.

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Alles passt auf dem Rückweg gerade so wieder in den Container.

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Seekarte mit Forschungsstationen.

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Harte Arbeit, das Packen!

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Die Auf­ga­ben an Bord der FS Poseidon sind klar auf­ge­teilt. Die Be­sat­zung be­steht aus 15 Mit­glie­dern und um­fasst Brü­cke, Ma­schi­ne, Deck und Ver­sor­gung.

Dirk ist ers­ter Of­fi­zier auf der Brü­cke der PO­SEI­DON. Er steu­ert das Schiff ein Drit­tel der Zeit in vier Stun­den-Schich­ten im Wech­sel mit Ka­pi­tän Mat­tes und dem zwei­ten Of­fi­zier Remo. Dirk ist über Um­we­ge Nau­ti­ker ge­wor­den, doch im­mer mit dem Ziel vor Au­gen. Nach­dem er in der DDR Ma­tro­se ge­lernt hat­te, be­gann er nach dem Wehr­dienst für sie­ben Jah­re eine Un­ter­of­fi­ziers­lauf­bahn bei der Ma­ri­ne. Da­nach be­such­te er die See­fahrts­schu­le in War­ne­mün­de und fährt seit­dem auf deut­schen For­schungs­schif­fen.

Beim Be­such auf der Brü­cke er­klärt er, wie die Poseidon ge­steu­ert wird. Als be­tag­tes Schiff ver­fügt sie zwar über ein elek­tro­ni­sches Na­vi­ga­ti­ons­sys­tem. Die­ses wird aber noch er­gänzt durch oldschool Pa­pier­kar­ten, in die der Kurs von Hand ein­ge­zeich­net wird. Wäh­rend der Fahrt sitzt er am Steu­er­stand mit Pan­ora­ma­blick nach vorn und steu­ert das Schiff über die end­los er­schei­nen­den Ozea­ne un­se­res Pla­ne­ten Erde. Wäh­rend der For­schungs­sta­tio­nen wird der hin­te­re, klei­ne­re Steu­er­stand mit Blick auf die Win­de, von der die wis­sen­schaft­li­chen Ge­rä­te wie die CTD ins Was­ser ge­las­sen wer­den, be­setzt. Dann ist es wich­tig, das Schiff auf Po­si­ti­on zu hal­ten. Da­für steu­ert Dirk von Hand nach, um das Schiff in den Wind zu stel­len und Tie­fen­strö­mun­gen aus­zu­glei­chen. Auf kei­nen Fall darf das Ka­bel der Win­de an der Bord­wand scheu­ern oder, noch schlim­mer, die CTD beim Hie­ven von un­ten ge­gen das Schiff schla­gen – sonst gib­t’s Ärger mit dem Boots­mann. Die Kom­mu­ni­ka­ti­on mit Deck und Ma­schi­ne fin­det haupt­säch­lich über die Wech­sel­sprech­an­la­ge statt.

"Die Brügge ist der Kopp, aber die Maschiene ist dat Herz vom Dampfer." Chief-Mate Hans führt die Ma­schi­ne. Im Ma­schi­nen­raum ar­bei­ten sehr, sehr, sehr tol­le Leu­te wie Cars­ten aus Cux­ha­ven, Ju­li­an und der Elek­tri­ker Mi­cha, alle drei Tage 24 Stun­den Be­reit­schafts­dienst, mit Alarm­pa­nel auf der Kam­mer. Aber die Ma­schi­nis­ten ar­bei­ten prä­ven­tiv, so­dass fast nie Pro­ble­me mit dem Mo­tor oder der tech­ni­schen Ein­rich­tung auf­tre­ten. Die Ree­de­rei stellt da­für die nö­ti­gen Ma­te­ria­len und Er­satz­tei­le. Die Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen der Schiffs­be­sat­zung und der Ree­de­rei ist vor­bild­lich.

Boots­mann Achim stellt die Ver­bin­dung zwi­schen Brü­cke und Deck­mann­schaft dar. Er ist ver­ant­wort­lich für Ar­bei­ten drau­ßen an Deck und sorgt da­für, dass das 43 Jah­re alte Schiff im­mer top in Schuss ist. Frank fährt nor­ma­ler­wei­se auch als Boots­mann, was er als Er­fah­rung an Deck mit­bringt, und ist nur auf die­ser Aus­fahrt als Schiffs­me­cha­ni­ker da­bei. Zum Boots­mann ist es für Fe­lix, der im drit­ten Jahr sei­ner Aus­bil­dung zum Schiffs­me­cha­ni­ker ist, noch ein lan­ger Weg. Er kann nach Ab­schluss sei­ner Aus­bil­dung, die er auf For­schungs­schif­fen wie der Alkor auf Ost­see und Nord­see und der Meteor ab­sol­viert, als Decks­be­sat­zung oder in der Ma­schi­ne fah­ren.

Mat­ze, Bernd und Kuno tei­len sich eine der wich­tigs­ten Auf­ga­ben an Bord, die aus vier­stün­di­gen, über den Tag ver­teil­ten Wach­schich­ten be­steht. Dazu kom­men Deck­ar­bei­ten wäh­rend der For­schungs­ar­beit so­wie die In­stand­hal­tung: Ma­ler­ar­bei­ten und Deck­schrub­ben.

Jungs, ohne Euch wäre diese Ausfahrt undenkbar gewesen. Vielen Dank!

Es verabschiedet sich die gesamte Crew der Expedition POS531 – Ahoi!