10. Jul. 2018
JAGO-Training bei Sonnenschein in Sula.

JAGO-Training bei Sonnenschein in Sula.

Nachdem wir die ersten Tage gegen Windstärken von 7 bis 8 Beaufort angefahren waren und ordentlich durchgeschüttelt wurden, haben wir unsere ersten beiden Arbeitsgebiete, das Sula-Riff und das Nord-Leksa-Riff, bei relativ ruhigem Wetter erreicht. Die ersten noch nicht ganz seefesten Teammitglieder kommen langsam wieder aus ihrer Koje und auch die Sonne begrüßt uns mit milden 15 Grad Lufttemperatur. Perfektes Wetter, um direkt mit unserem Programm loszulegen!

Dieser Morgen versprach ein wundervoller Sommertag zu werden. Der Himmel war klar, der Wind glich einem lauen Lüftchen und die Wasseroberfläche kräuselte sich nur leicht. Für mich war es ein ganz besonderer Tag: es war mein erster Tauchgang mit dem Tauchboot JAGO und ich würde das Nord-Leksa-Riff explorieren, eines der vielen norwegischen Kaltwasserkorallen-Habitate. In den Tagen zuvor hatten wir ein JAGO-Handhabungstraining absolviert - das vor allem für die Decksbesatzung wichtig ist. Diese wird das bedeutendste Forschungsequipment unserer Reise, das Tauchboot JAGO, mit vereinten Kräften und mithilfe des Schiffskrans ausbringen und wieder einholen.

Gegen 8:30 Uhr sind wir in JAGO eingestiegen – ein kurzes Platschen beim Aussetzen des Tauchboots, ein paar Minuten an der Oberfläche und wir waren bereit abzutauchen. Die Oberflächenschicht war grün, reich an kleinen Algen (Plankton), die die Basis des marinen Nahrungsnetzes bilden. Rippenquallen schwebten pulsierend an uns vorbei, zoologisches Plankton aufnehmend, während sie in der Strömung dahin drifteten. In ungefähr 50 Metern Tiefe wurde das Wasser plötzlich merklich kälter, während wir immer weiter herab sanken. Kurze Zeit später schwammen einige Steinköhler um uns herum, die uns erahnen ließen, dass wir das Riff bald erreichen würden.

Als JAGO am Boden ankam, traten schließlich leuchtend weiße Korallenkolonien aus der Dunkelheit hervor. Wir haben uns dann erst einmal am Boden abgesetzt und über das Hydrophon Kontakt zu der JAGO-Navigatorin an Bord der Poseidon aufgenommen, um herauszufinden, wo wir uns genau befinden und in welche Richtung wir uns bewegen müssen, um die höchste Rifferhebung auszumachen. Da JAGO selbst keine Navigationsmöglichkeit hat, ist die Unterstützung von Bord essentiell.

Kaltwasserkorallen am Nord-Leksa-Riff.

Kaltwasserkorallen am Nord-Leksa-Riff.

Bild: JAGO-Team
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Kaltwasserkorallen am Nord-Leksa-Riff.

Bild: JAGO-Team

Wir haben uns dann aufgemacht, einen steilen Hang hinaufzufahren, auf dem einige kleinere Fragmente hier und da zu sehen waren, umgeben von "Korallenschotter - abgestorbenem, abgebrochenem Korallenmaterial - in dem sich kleine rote Springkrebse tummelten, immerwährend auf der Suche nach Futter. Die Korallenkolonien wurden immer größer und beeindruckender, je näher wir dem Riff-Top kamen, aber als wir oben ankamen und über das Riff schauen konnten, war der Ausblick wirklich sehr eindrucksvoll. So weit wir durch die Lichtkegel der Scheinwerfer des JAGO gucken konnten, war das Fenster von riesigen weißen Korallenkolonien erfüllt, die durch ihre offenen Polypen mit ihren Tentakeln ganz flauschig aussahen. Große gelbe Schwämme schauten aus dem Korallengerüst hervor und rote sowie rosa "Kaugummikorallen" brachten einen weiteren Farbtupfer in das Bild. Wir sind weiter über das Riff-Top hinweg geglitten und machten Fotos und Videos, die später ausgewertet werden, um die Korallen und die darin lebenden Tiere von kleinen Garnelen über Krebse bis hin zu Fischen, die die Riffgemeinschaft bilden, zu beschreiben. Viel zu früh war der Tauchgang vorbei und wir mussten diesen magischen Lebensraum verlassen und zurück zur Oberfläche.

Ich habe schon viele Jahre mit Kaltwasserkorallen gearbeitet und konnte schon einige Tauchgänge in verschiedenen Kaltwasserkorallen-Ökosystemen unternehmen. Mein heutiger Tauchgang in Nordleksa war atemberaubend und diesen Anblick so nah durch das Kuppelfenster des JAGO zu sehen, ist eine Erfahrung, die ich niemals vergessen werde. Ich bin außerdem begeistert, eine neue "Jagonautin" geworden zu sein – einer von wenigen glücklichen Menschen, die in dem kleinen gelben Tauchbot tauchen durften.

Sandra Brooke