11. Jul. 2018
JAGO an Deck der Poseidon während des Transits.

JAGO an Deck der Poseidon während des Transits.

Da auf der Poseidon immer viel zu tun ist und ruhige Minuten, in denen wir unsere Erfahrungen mit euch teilen können, rar sind, ist seit dem letzten Blog-Eintrag einiges passiert. Die Zeit des Transits von unserer zweiten Station (Nordleksa) zur dritten Station (Steinavaer) möchte ich euch darum gerne nutzen, um euch einen kleinen Einblick in den Alltag auf der Poseidon geben.

Ich bin Lina und als studentische Hilfskraft zum ersten Mal mit an Bord. Ich bin vor allem dazu da, unserer Fahrtleiterin Janina unter die Arme zu greifen und ihr damit ein bisschen den Stress dieser wichtigen Position zu nehmen. Außerdem helfe ich den anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern an Bord, die alle verschiedene spannende Experimente durchführen, wo ich kann. So bekomme ich einen Einblick in jeden Fachbereich dieser Reise. Heute möchte ich euch einen groben Überblick geben, wie die Arbeit und unsere Experimente, aber auch der Alltag an Bord eines Forschungsschiffes ablaufen.

Unsere Experimente

Auf unserem Plan für diese Ausfahrt stehen insgesamt vier verschiedene Stationen (Riffe) entlang der Westküste Norwegens. Davon zwei im Süden (Sula und Nordleksa) und zwei im Norden (Hola und Steinavaer). Das Sula- und das Hola-Riff befinden sich im offenen Meer, Nordleksa und Steinavaer in den Fjorden. Um diese Umgebung und die Riffe selbst zu erforschen, nehmen wir hier diverse Proben. Mithilfe einer CTD-Sonde nehmen wir Wasserproben in verschiedenen Tiefen um sie später (das geschieht nicht mehr an Bord, da wir natürlich nur begrenzt Platz für die nötigen Geräte haben) auf ihre Bestandteile zu untersuchen. Außerdem sammeln wir Korallen-, Schwamm- und Muschelproben vom Meeresgrund mit dem Tauchboot JAGO ein und lagern sie in großen Tanks in unserem Nasslabor. Die Tanks haben wir vorher mit Tiefenwasser gefüllt und auf 7,5°C gekühlt, damit die Organismen sich wie in ihrer gewohnten Umgebung wohl fühlen.

Im Nasslabor finden, wie der Name schon sagt, alle Experimente statt, bei denen viel Wasser im Spiel ist. Dieser Raum ist voll von Tanks, Eimern, Pumpen, Schläuchen und Kühlgeräten, die unsere Korallen am Leben halten. Außerdem gibt es ein Trockenlabor, von wo die CTD gesteuert wird und wo während des Tauchgangs mit JAGO kommuniziert und seine Position verfolgt werden kann.

In unserem Chemie-Labor werden alle unsere genommenen Proben verwaltet. Das bedeutet zum einen das Dokumentieren und Labeln der Proben (damit es nach der Reise kein Chaos gibt) und zum anderen das Preservieren und Lagern (damit sich die Zusammensetzung und Beschaffenheit nicht mehr verändert). So hat jeder Forschende seinen eigenen Arbeitsbereich auf dem Schiff und es können mehrere Experimente parallel stattfinden, was aufgrund der begrenzten Zeit auf einer Ausfahrt sehr wichtig ist. Welche Experimente auf unserer Fahrt genau stattfinden, wird in den folgenden bzw. vorherigen Blog-Einträgen von den einzelnen Verantwortlichen selbst berichtet.

Unser Ausblick auf die norwegische See von der Poseidon aus.

Unser Ausblick auf die norwegische See von der Poseidon aus.

Bild: Lina Holthusen
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Unser Ausblick auf die norwegische See von der Poseidon aus.

Bild: Lina Holthusen

Der Alltag auf einem Forschungsschiff

Da diese Expedition meine erste Forschungsreise ist und ich vorher auch noch nie länger auf einem Schiff war, musste ich mich erst einmal an den Alltag an Bord gewöhnen. Zum Beispiel gibt es feste Essenszeiten, die man nicht verpassen sollte. Frühstück gibt es um 7:30 Uhr, Mittagessen um 11:30 Uhr und Abendessen um 17:30 Uhr. Das Essen ist trotz der begrenzten Möglichkeiten an Bord immer abwechslungsreich und super lecker. Verhungern wird hier definitiv niemand. Untergebracht sind wir Wissenschaftler quasi im "Keller" des Schiffes in geräumigen Zweierkabinen. Hier halten wir uns allerdings fast nur zum Schlafen auf, da immer sehr viel zu tun ist. Und wenn es mal nichts mehr zu tun gibt, gibt es entweder was zum Gucken (z.B das Ein- oder Auslaufen im Hafen oder das Aussetzen von JAGO) oder wir sitzen abends mal gemütlich zusammen. Das alle abends "frei" haben, ist allerdings sehr selten, da manche Experimente auch nachts betreut werden müssen und wir unsere Kolleginnen und Kollegen bei ihren Experimenten unterstützen, wenn wir selber gerade mal nichts zu tun haben. Auch von der Crew trifft man zu jeder Tages- und Nachtzeit jemanden an Bord. Die Schiffsbesatzung steht uns immer tatkräftig zur Seite und nimmt auch mal Überstunden in Kauf, wenn wir mal wieder Extrawünsche haben.

Da wir in Norwegen gerade Mitternachtssonne haben, wird es nie komplett dunkel. Da kann man die Zeit schnell mal vergessen. Und die Wochentage auch. Da wir pro Station immer nur ein paar Tage Zeit haben, um alle Proben zu nehmen und die Experimente vor Ort durchzuführen, wird es in dieser Zeit meist etwas stressig. Den einen oder anderen müssen wir dann schon mal zum Essen holen, damit er oder sie die Essenszeit nicht verpasst. Während des Transits zwischen den Stationen geht es dann etwas ruhiger zu. Manche Experimente müssen zwar auch dann betreut werden, aber es stehen keine Probennahmen mehr an. Dafür fordert dann aber öfters mal die Seekrankheit ihre Opfer ein, mich eingeschlossen. Aber zum Glück gewöhnt der Körper sich schnell an die ungewohnten Bewegungen auf dem Meer.

Für mich als Neuling gibt es auf dieser Reise auf jeden Fall sehr viele neue spannende Erfahrungen und Eindrücke!

Lina Holthusen