12. Jul. 2018
Mitglieder der Forschungskooperation mit dem Wissenschaftszentrum Monaco treffen auf der Poseidon ein.

Mitglieder der Forschungskooperation mit dem Wissenschaftszentrum Monaco treffen auf der Poseidon ein.

Das Scientific Center of Monaco (CSM) beteiligt sich an einer ozeanographischen Expedition auf dem deutschen Forschungsschiff Poseidon. Das Hauptziel der von Janina Büscher vom GEOMAR geleiteten Fahrt ist es, Daten über die Tiefsee-Koralle Lophelia pertusa aus vier verschiedenen Riffen entlang der Norwegischen Küste zu sammeln.

Meine Kolleginnen Christine Ferrier-Page und Stéphanie Reynaud vom CSM arbeiten schon seit einigen Jahren an Tiefseekorallen aus dem Mittelmeer mit besonderem Augenmerk auf ökophysiologische Aspekte und sie sind glücklich, ihre Forschung nun auf norwegische Riffe ausdehnen zu können. Ich arbeite als Labortechnikerin in der Arbeitsgruppe zur Ökophysiologie von Korallen am CSM.

Unsere Arbeitsgruppe hat während dieser Expedition mehrere Ziele. Zum einen sollen Korallen aus ihrer natürlichen Umgebung gesammelt werden, um Parameter wie Lipide, Proteine und Kohlenhydrate zu messen und zwischen verschiedenen Populationen zu vergleichen. Zum anderen sollen durch Bord-Inkubationsexperimente der Kohlenstoffhaushalt und die Abbauprozesse von "Mukus" - ein von Korallen angesonderter Schleim, der wichtig für den Stoffaustausch ist - beobachtet und bewertet werden. Zusätzlich führe ich Fütterungsversuche mit "markiertem" Futter (Artemia sp.) an den Korallen durch. Die Markierung erfolgt durch natürlich vorkommende, radiogene Isotope von Kohlenstoff und Stickstoff (13C und 15N). Dadurch kann der Weg, den die Nährstoffe durch das Gewebe der Korallen nehmen, bestimmt werden. Natürlich unterstütze ich auch die anderen in ihren Aufgaben, wie zum Beispiel durch Wasserfiltration für Zooplanktonanalysen.

Gesammelt werden die Korallen mit dem Forschungstauchboot JAGO, das vom GEOMAR gebaut wurde und bis zu Meter tief tauchen kann. Für jeden Tauchgang schreibt Janina eine "Einkaufliste" mit den Wünschen der Forschenden, die von Jürgen, dem JAGO-Piloten, minutiös abgearbeitet wird. Er sammelt die Korallen mithilfe eines metallenen Arms, dem sog. Manipulator, vom Meeresboden auf und bringt sie in seinem "Einkaufskorb" an die Oberfläche - wo sie schon sehnsüchtig erwartet werden. Der gesamte Tauchgang wird außerdem durch eine Videokamera im Frontfenster von JAGO aufgezeichnet. Wasserproben aus der Umgebung der gesammelten Korallen werden über die CTD eingeholt.

Der Expedition habe ich ich - gemeinsam mit Nico und Tina, zwei weiteren Mitgliedern des Forschungsteams, erst ein paar Tage nach dem Auslaufen des Schiffes aus Bergen angeschlossen. Dazu wurden wird von einem kleinen Schlauchboot von der Insel Nord-Leksa im Trondheimfjord abgeholt. Da die Insel sehr abgelegen liegt und täglich nur durch zwei Fähren vom Festland zu erreichen ist, mussten wir schon einen Tag vor der geplanten Abholung anreisen. Da die Insel (Einwohnerzahl: 4) wunderschön ist und es neben Ottern und Vögeln noch einiges anderes zu entdecken gab, war das aber nicht weiter schlimm. Übernachten konnten wir auf der einsamen Insel im Haus eines ansässigen Farmers.

Wasserfiltern an Bord der Poseidon.

Wasserfiltern an Bord der Poseidon.

Bild: Magali Boussion
Experiment-Aufbau für die Inkubationsstudien.

Experiment-Aufbau für die Inkubationsstudien.

Bild: Magali Boussion
Auch im Labor werden die gewonnen Proben weiter gefiltert.

Auch im Labor werden die gewonnen Proben weiter gefiltert.

Bild: Magali Boussion
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Wasserfiltern an Bord der Poseidon.

Bild: Magali Boussion

Experiment-Aufbau für die Inkubationsstudien.

Bild: Magali Boussion

Auch im Labor werden die gewonnen Proben weiter gefiltert.

Bild: Magali Boussion

An Bord des Schiffes wurden wir erstmal von Janina, der gesamten Crew und leckerem Kuchen begrüßt. Dann ging es auch direkt los und ich habe mit meinen Arbeiten an Bord begonnen und Wasserproben mit Sandra Maier vom NIOZ filtriert. Das Wasser wurde mithilfe der CTD aus einer Tiefe von ca. 160 Metern, rund 10 Meter über dem Riff gesammelt. Die Wasserproben wurden von uns durch verschieden feine Filter gefiltert, um die Häufigkeit von verschiedenen Phyto- und Zooplankton Gruppen zu ermitteln. Außerdem wird das Plankton auch auf seine natürliche Kohlen- und Stickstoffisotopie untersucht. Der Vergleich mit der Isotopensignatur des Korallengewebes erlaubt uns Rückschlüsse auf die Art von Nahrung zu ziehen, von denen sich Korallen ernähren.

Nach dem Filtern nahm ich noch Proben vom abgesonderten Schleim der Korallen, um die Mengen an partikulärem und gelöstem organischem Kohlenstoff darin zu bestimmen. Danach wird der Schleim noch 48 Stunden inkubiert, um die Rate des Abbaus durch Bakterien zu bestimmen. Gestern habe ich die Inkubation von fünf Proben zur Bestimmung des Kohlenstoffhaushalts abgeschlossen. Nun bin ich bereit, fünf weitere Korallen mit der markierten Nahrung zu füttern. Zurzeit scheinen die Korallen noch nicht sehr hungrig zu sein, da sie ihre Polypen noch nicht weit genug geöffnet haben. Aber ich bin guter Dinge das sich dies in den nächsten Tagen ändern wird.

Magali Boussion