18. Jul. 2018
Die Korallen liegen in den Kammern, Pumpen für die Wasserzirkulatio werden angeschlossen.

Die Korallen liegen in den Kammern, Pumpen für die Wasserzirkulatio werden angeschlossen.

Knapp zwei Wochen ist die Poseidon nun schon in der Norwegischen See unterwegs. Die Experimente laufen gut. Doch wofür braucht das Forschungsteam diese ganzen Kabel und Drähte, die auf dem Bild zu sehen sind? Die Marine Ökophysiologin Narimane Dorey klärt auf.

Meine Hauptaufgabe auf dem Schiff besteht darin, Inkubationen zur Messung des Sauerstoffverbrauchs durchzuführen. Dabei half mir für ein paar Tage Tina Kutti, die nun aber von dem PhD-Studenten Øystein Gjelsvik aus unserer Arbeitsgruppe am IMR (Insitute of Marine Research) in Bergen ersetzt wurde. Eigentlich machen wir normale Laborarbeit, allerdings führen wir die Experimente anstatt in einem Labor auf einem sich bewegenden Schiff aus. Und anstatt in unseren eigenen Betten zu schlafen, schlafen wir nur wenig und in Schichten, um die Messungen unter Kontrolle zu halten.

Das mag sich hart anhören, hat aber entscheidende Vorteile: Wir bekommen frische lebende Korallen und Meerwasser direkt aus dem Ozean unter uns und müssen die Korallen nicht erst lange transportieren. Dadurch sind die Bedingungen im Hälterungstank an Bord auch viel näher an der Realität im Riff als im Labor zu Hause und die Korallen müssen sich nicht so lange eingewöhnen.

Die Frage, die uns besonders beschäftigt, ist, wie Korallen auf Stress reagieren. Um sie unter Stress zu setzten, werden die Korallen in in ihrem Hälterungstank in mehreren Schritten immer höhreren Temperaturen ausgesetzt. Wir starten bei in situ Temperaturen von 5 Grad und steigern die Temperatur in 2-Grad-Schritten auf 15 Grad, und das alle 12 Stunden. Bis jetzt sind wir ziemlich fasziniert vom Durchhaltevermögen der Korallen, die bei 15 Grad noch ziemlich gesund aussehen, obwohl sie im Riff bei lediglich 5 bis 8 Grad leben.

Das sind natürlich nur vorläufige Eindrücke. Natürlich messen wir auch ein paar Zahlen. Dazu setzen wir Korallenfragmente in geschlossene Kammern und messen die Atmung der Koralle. Heute und morgen arbeiten wir noch mit Korallen aus dem Steinavaer Riff. Øystein öffnet und schließt die Kammern und ich mache Notizen zu sämtlichen Beobachtungen.

Die Sonne ist schon aufgewacht - so wie ich, um 4:15 Uhr früh.

Die Sonne ist schon aufgewacht - so wie ich, um 4:15 Uhr früh.

Bild: Narimane Dorey
Unsere On-Bord-Einrichtung aus Fischtanks, Kabeln, Kabelbindern und Plastikbeuteln.

Sieht unordentlicher aus, als sie ist: Unsere On-Bord-Einrichtung aus Aquarien, Kabeln, Kabelbindern und Plastikbeuteln.

Bild: Narimane Dorey
Sonnenuntergang um 3:30 Uhr bei den Lofoten.

Sonnenuntergang um 3:30 Uhr bei den Lofoten.

Bild: Narimane Dorey
1 / 3

Die Sonne ist schon aufgewacht - so wie ich, um 4:15 Uhr früh.

Bild: Narimane Dorey

Sieht unordentlicher aus, als sie ist: Unsere On-Bord-Einrichtung aus Aquarien, Kabeln, Kabelbindern und Plastikbeuteln.

Bild: Narimane Dorey

Sonnenuntergang um 3:30 Uhr bei den Lofoten.

Bild: Narimane Dorey

Was wir sehen sollten, ist das die Atmungsrate ansteigt, wenn sie dem Temperaturstress ausgesetzt sind. Das ist wie bei Menschen, deren Atmung durch verschiedene Parameter beeinflusst wird. Zum Beispiel atmen wir schneller, wenn wir rennen und unsere Muskeln zusätzlichen Sauerstoff benötigen. Korallen und andere Wirbellose funktionieren natürlich nicht genau wie Menschen, aber ihre Atmungsrate steigt mit steigender Temperatur. Das ist keine neue Erkenntnis, aber uns interessiert besonders, ob Korallen aus unterschiedlichen Riffen auch unterschiedlich auf Stress reagieren.

Wir nehmen an, dass die Korallenriffe, die sich näher an der Küste befinden, nicht so stark auf den Stress reagieren wie Korallen, die weiter von der Küste entfernt leben. Das ist die Arbeitshypothese für diese Expedition und dieses Experiment.

Die oben beschriebenen Experimente dienen dazu, diese Hypothese zu testen. Aber wir benutzen auch weitere Stressmarker neben der Atmungsrate, die wir im Labor messen, wenn wir zurück in Bergen sind. Wir hoffen darauf, eine stärkere Atmung in den gestressten Korallen zu messen und Unterschiede zwischen den verschiedenen Riffen zu finden. Das wäre die Bestätigung für unsere Hypothese.

Aber auch wenn unsere Hypothese nicht bestätigt wird, wäre das sehr interessant. Die gesammelten Informationen sind besonders in Anbetracht des Klimawandels interessant. Wenn die Wassertemperaturen bis im Jahr 2100 um 2 bis 4 Grad gestiegen sind, ist es wichtig zu wissen, welche Riffe besonders empfindlich sind und deshalb besonderen Schutz benötigen.

Wirklich schön an den verrückten Schichten an Bord ist, dass die Sonne immer scheint und wir dadurch die Lofoten um 3 Uhr morgens in vollem Tageslicht genießen können. Das ist eine tolle Erfahrung.

Narimane Dorey, Marine Ökophysiologin