23. Jul. 2018
Lophelia pertusa in 300 Metern Tiefe.

Lophelia pertusa in 300 Metern Tiefe.

Es gibt erstaunlich viel über die wunderschöne Kaltwasserkoralle Lophelia pertusa zu lernen. Obwohl sie so schlicht aussieht, ist sie ein äußerst wichtiger Bestandteil ihres Lebensraums in der Tiefe, so Doktorand Øystein Hansgård Gjelsvik. Wie er für seine Doktorarbeit mit Lophelia pertusa arbeitet und wann er zur Expedition gesroßen ist, berichtet er im Logbuch.

Zu meinem Glück wimmelt es an Bord nur so von Korallenexperten. Dank des JAGO-Tauchboots, das sich zurzeit auf der Poseidon befindet, können wir die Korallen aus einer Tiefe von über hundert Meter sammeln und zurück zum Schiff zu bringen, wo wir Experimente an ihnen durchführen können. Dadurch können wir viel über diese Organismen lernen. Obwohl die Koralle ein Tiefseeorganismus ist und daher stabile Bedingungen gewohnt ist, reagiert sie erstaunlich gelassen auf die beschwerliche Reise, die sie an die Oberfläche bringt. In ihrem natürlichen Lebensraum baut die Koralle große Riffe durch ihr dreidimensionales Wachstum. Die Korallen, die wir an die Oberfläche befördern, müssen allerdings für unsere Experimente in kleinere Stücke fragmentiert werden. Das Projekt an dem ich zusammen mit Narimane und Tina arbeite, beschäftigt sich mit der Messung von Stressmarkern und Atmungsraten, die durch wechselnde Temperaturbedingungen beeinflusst werden. Da ein Korallenriff für viele andere Organismen als Wohnort dient, wir aber hauptsächlich an den Korallen selbst interessiert sind, müssen die Fragmente vor den Experimenten von unerwünschten Gästen befreit werden. Dabei kann es sich um Schwämme, Muscheln oder vielborstige Würmer handeln. Um auch die Koralle glücklich und kooperativ zu stimmen, muss außerdem dafür gesorgt werden, dass sie sich in ihrem neuen Zuhause möglichst wohl fühlt. Daher müssen die Wassertemperatur und Strömungsbedingungen ihres natürlichen Lebensraums nachgeahmt und beobachtet werden.

Kisten packen

Kisten packen.

Bild: Øystein Hansgård Gjelsvik
Abbau der Experimente

Abbau der Experimente.

Bild: Øystein Hansgård Gjelsvik
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Kisten packen.

Bild: Øystein Hansgård Gjelsvik

Abbau der Experimente.

Bild: Øystein Hansgård Gjelsvik

Wenn alle Vorkehrungen getroffen sind, kann das eigentliche Experiment starten. Das ist für mich der aufregendste Teil der Expedition, erfordert aber auch viel Geduld und Kaffee. Das Experiment läuft nun schon seit 12 Tagen und wurde heute beendet. Daher können wir nun langsam wieder zu unserem gewohnten Schlafrhythmus zurückkehren. Allerdings ist unsere Arbeit an Bord der Poseidon noch lange nicht vorbei. Da wir bald wieder in den Hafen einlaufen, müssen alle benutzten Computer, Kabel und Chemikalien ordentlich eingepackt werden, damit eine reelle Chance besteht, diese in der Zukunft auch wiederzufinden. Bei dem vielen Equipment, das wir benutzt haben, ist das eine ganz schöne Herausforderung. Auch wenn das Packen natürlich nicht zu den spannendsten Aufgaben auf einer solchen Expedition gehört, so ist es doch ein wichtiger Teil der Erfahrung, die ich von hier mitnehmen werde. Die Logistik hinter einem solchen Projekt ist neben der wissenschaftlichen Arbeit nämlich nicht zu vernachlässigen. An all dem – Planung, Durchführung und Fertigstellung – eines solchen Projekts teilzuhaben, ist eine wertvolle Erfahrung.

Die Experimente finden nun langsam ein Ende und wir haben die gewünschten Daten zusammengetragen. Dabei haben zum Glück alle die gemeinsame Zeit unbeschadet überstanden. Jetzt haben wir noch genug Zeit, um Wale zu beobachten - die sich bisher noch nicht haben Blicken lassen - und die Schönheit des Meeres in uns aufzusaugen, bevor wir uns bald wieder unseren gesammelten Daten zuwenden müssen, um die finalen Resultate zu erhalten. Das ist aber Arbeit für einen anderen Tag.

Øystein Hansgård Gjelsvik
Doktorand am Havforskningsinstituttet & Universität von Bergen