06. Dez. 2013

Winzige Meeresbewohner gesucht: Geowissenschaftler sieben Wasserproben.

Anspannung und Vorfreude an Bord der Sonne: Nach der ersten Etappe auf See hat das Forschungsschiff den ersten Zielpunkt erreicht. In Kürze kann der erste Tauchgang hinab zum vulkanischen Rücken starten. planeterde-Autor Holger Kroker über schwarzen Rauch und viel Getier.

Um 6:15 Uhr hat die "Sonne" gestoppt. Unser erstes Ziel, das Kairei-Hydrothermalfeld, liegt etwa 2500 Meter unter uns. Auf dem zweiten Fahrtabschnitt der Index-2013-Expedition wollen wir insgesamt vier Hydrothermalfelder besuchen, zwei aktive und zwei inaktive, um sie näher zu erkunden. Das Kairei-Feld ist das südöstlichste der vier.

Dass wir halten, hat erst ein Blick aus dem Fenster gezeigt, denn die Maschine läuft unbeeindruckt weiter und läßt das Schiff vibrieren. Jetzt muss die "Sonne" ihre Position nämlich exakt halten, und das geht auf dem offenen Meer nur mit dem Einsatz von Schiffsschraube und dem so genannten Bugstrahlruder. Das ist ein quer zur Schiffsachse liegender Hilfsantrieb, mit dem das Schiff beweglicher manövrieren - oder eben seine Position halten - kann. Das wird jetzt hier auf etwa 25 Grad, 19 min Süd und 70 Grad, 2 min Ost gebraucht, um das Forschungsschiff wie festgenagelt an seiner Position zu halten. Immer wieder springt das Bugstrahlruder an und macht sich mit vernehmlichen Extravibrationen bemerkbar.

Das Kairei-Feld ist ein aktives Hydrothermalfeld. Fahrtleiter Uli Schwarz-Schampera hat es im Briefing kurz charakterisiert: ein eher kleines Feld am Ende eines flachen vulkanischen Rückens, mit einem Durchmesser von vielleicht 80 Metern. Beim letzten Besuch eines Forschungsschiffes wurden drei aktive Schlote mit etwa zwei Metern Höhe gezählt. Wir werden also voraussichtlich den bekannten schwarzen "Rauch" und viel Getier zu sehen bekommen. Benannt wurde das Feld nach einem japanischen Forschungsschiff, mit dem die Entdeckung gelang. Seither waren die Japaner verschiedentlich hier - und sollen zuletzt an einem der Black Smoker alle Tiere einfach eingesaugt haben.

Forschungsschiff Sonne von oben.

Forschungsschiff Sonne von oben.

Bild: BGR
Der Kranz-Wasserschöpfer wird zu Wasser gelassen.

Der Kranz-Wasserschöpfer wird zu Wasser gelassen.

Bild: Kroker
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Forschungsschiff Sonne von oben.

Bild: BGR

Der Kranz-Wasserschöpfer wird zu Wasser gelassen.

Bild: Kroker

Zunächst aber steht die Wasserbeprobung auf dem Programm. Dafür steht ein so genannter Kranzwasserschöpfer an Deck, ein Ring aus 24 10-Liter-Flaschen, der gerade zur Steuerbordseite des Schiffs hinausgeschwenkt wird. Später werden sie an bestimmten Stellen der Wassersäule einzeln geöffnet und verschlossen, nachdem das Wasser eingeströmt ist. Außerdem wird während des gesamten 2500 Meter langen Abstiegs kontinuierlich gemessen: "Das sind die wichtigsten Parameter", sagt Carsten Rühlemann von der BGR, "Temperatur, Salzgehalt und Sauerstoffgehalt. Außerdem haben wir einen Turbidity-Sensor, der die Partikelkonzentration misst." Rund eine Stunde braucht der Flaschenring, um bis zum Boden hinabzugelangen. Die Fahrt nutzen Carsten Rühlemann und die an den Proben interessierten Kollegen, um die einzelnen Haltepunkte auf dem Rückweg vom Meeresboden festzulegen, an denen Wasserproben genommen werden.

Nach zwei guten Stunden ist das Gerät wieder an Bord und die Flaschen können geleert werden. Die Senckenberg-Biologin Terue Kihara filtert aus ihren Proben alle Schwebstoffe und Partikel heraus und verpackt sie in kleine Gläschen. Fluidexperte Dieter Garbe-Schönberg von der Uni Kiel füllt sich seine Wasserproben vom Meeresgrund in großen Kanister ab. Beide können an Bord nur vorläufige Untersuchungen machen, die Hauptarbeit wartet in den heimischen Laboren.