07. Okt. 2016

FS SONNE im Hafen von Yokohama, im Hintergrund die Bay Bridge.

Ausfahrten mit Forschungsschiffen werden oft jahrelang vorbereitet. Doch trotz sorgfältiger Planungen kann es passieren, dass es in letzter Minute noch einmal spannend wird. Vor zwei Wochen war noch nicht klar, ob die Sonne ihre Fahrt gen Japan antreten würde. Über die Hindernisse berichtet Meeresgeophysikerin Jess Hillman im ersten Logbuch-Beitrag.

Mit ein paar Tagen Verspätung stechen wir nun endlich von Yokohama aus in See und werden in Kürze unser Untersuchungsgebiet am Japan-Graben erreichen. Leider gab es bis zur letzten Minute Gerangel um die Ausrüstung, da unsere Container mit dem Equipment momentan irgendwo nahe Singapur gestrandet sind – auf Schiffen der insolventen Hanjin-Reederei. Glücklicherweise leihen uns unsere wunderbaren Kollegen von JAMSTEC den Großteil der benötigten Ausrüstung. Der Rest wurde im Gepäck verschiedener Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland und der Schweiz mitgebracht!

Die Fahrt beginnt: FS SONNE verlässt den Hafen von Yokohama.
Bild: Jess Hillman

Alle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind nun sicher an Bord und wir hatten genügend Zeit, unsere Labore vorzubereiten und erste Diskussionen zu wissenschaftlichen Zielen zu führen. Unsere Fahrtzeit ist verkürzt und ein Teil der Ausrüstung fehlt, doch „Not macht erfinderisch“: So versuchen wir nun, Prioritäten zu setzen und zu improvisieren, um alle unsere Ziele zu erreichen, was zu einer Reihe neuer Verfahren führte, um Proben vom Meeresboden zu sammeln und zu verarbeiten. Heute starteten wir mit einer „Mini-Konferenz“, auf der mehrere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Kurzvorträge über ihre vorherigen Forschungen in diesem Gebiet hielten. Dies war eine wertvolle Einführung für die weniger Erfahrenen unter uns und führte zu einigen interessanten Diskussionen neuer Forschungskonzepte.

Die einzig verbleibende Hürde zwischen uns und unserem Untersuchungsgebiet ist das bevorstehende Eintreffen von Taifun Chaba, der laut Vorhersage den Japan-Graben in Kürze passieren soll. Wir werden ein Auge auf Vorhersage und Seegang haben und unseren Kurs so planen, dass wir dem Schlimmsten fern bleiben. Trotzdem könnten wir es mit den Auswirkungen der stürmischen See zu tun bekommen, weshalb sich unsere Schiffsärztin Anke bestens auf mögliche seekranke Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vorbereitet hat!

Viele Grüße von der Sonne,

Jess Hilman, Wissenschaftscrew SO251