29. Okt. 2016

Sicherheitsübung auf dem "orangen" Deck der Sonne.

Feuer an Bord gehört zu den Szenarien, auf die auch ein Forschungsschiff und seine Passagiere vorbereitet sein müssen. Damit im Ernstfall jeder weiß, was er zu tun hat, spielen Technikcrew und Wissenschaftsteam einmal pro Woche solche Notsituationen durch. Gleich danach gehen die Forscher jedoch wieder an die Arbeit. Unterdessen herrscht auch in der Kombüse Hochbetrieb.

Gestern gab es einen gefährlichen Brand im ROV-Container. Glücklicherweise war das jedoch lediglich das Thema der allwöchentlichen Rettungsübung, zu der alle antreten müssen, ganz gleich ob Sonne-Crew oder wissenschaftliches Team. Man sprintet folglich mit fester Kleidung und Rettungsweste zum Sammelpunkt, sobald man den ohrenbetäubend lauten Alarm auf dem Schiff hört.

Dort wird die Anwesenheit geprüft und jeder einem entsprechenden Rettungsboot zugeordnet. Während die Wissenschaftler dann bereits "entlassen sind", spielt die Sonne-Besatzung dieses Szenario durch und maskierte Crewmitglieder in voller Sicherheitsmontur wandern über das Deck und durch die Korridore.

Zu diesem Zeitpunkt setzten wir jedoch schon wieder unsere Wärmestrom-Messungen auf Schlammvulkan MV1 fort. Wie aus dem Sedimentkern bereits befürchtet fanden wir auf diesem Hügel jedoch Karbonatkrusten vor, so daß uns das Gerät einige Male umfiel. Während wir abwechselnd Wärmestrom messen, mit dem ROV tauchen, oder hydro-akustisch vermessen, nimmt der Schiffsalltag seinen Lauf. Gestern abend wurden mit dem ferngesteuerten Fahrzeug ROV PHOCA die ersten Observatorien geborgen und an Bord gebracht - bei feinstem Wetter. Heute hingegen pfeift der Wind und wir messen Wärmestrom.

Timo Fleischmann überwacht die Wärmestrommessungen im Labor.
Bild: A. Kopf/MARUM
Die Messe auf der Sonne ist rund um die Uhr geöffnet, aber zu den Mahlzeiten herrscht besonders großer Andrang.
Bild: A. Kopf/MARUM
Der R2D2 getaufte Brötchenautomat in der Schiffskombüse.
Bild: A. Kopf/MARUM
Der MeBoPlug, ein Bohrlochobservatorium mit 720 Megabyte Daten des Schlammvulkans.
Bild: A. Kopf/MARUM

Weil Seeluft und Arbeit hungrig machen, mühen sich Andre Garnitz und sein Team um unser leibliches Wohl. Bis über 75 Brötchen werden jeden Tag auf der Sonne gebacken, und weil das Team in der Kombüse viele andere Dinge zu tun hat, wird es hierbei von einem Automaten assistiert, der frappierende Ähnlichkeit mit R2D2 hat und auch liebevoll so genannt wird. Die Küche an Bord ist jedenfalls reichhaltig und lecker – man wird an gute Restaurants erinnert und vergisst manchmal tatsächlich, dass man auf einem Arbeitsschiff ist.

Mit dem grössten abzubergenden Observatorium, einem sogenannten Piezometer, gehen wir ins Wochenende, das es an Bord eigentlich gar nicht gibt, weil ja rund um die Uhr an sieben Tagen pro Woche gearbeitet wird. Das Wetter schlägt in Japan derzeit Kapriolen und Sonne und Regen mit wechselnden Winden geben sich die Hand. Daraus resultieren immer nur extrem kurze Gutwetterfenster, von denen wir gestern und heute je eines nutzten, das ROV einzusetzen. Während heute der SmartPlug abgeborgen wurde, schraubte PHOCA gestern den MeBoPlug aus dem Bohrstrang, den das MARUM MeBo dort im Sommer 2012 gesetzt hatte. Alle Instrumente funktionierten und lieferten reichhaltig Daten, die den Zusammenhang von Schammvulkanaktivität und Erdbebentätigkeit erklären könnten.

Grüße von der Sonne,

Achim Kopf, Fahrtleiter