31. Okt. 2016

Das letzte MeBo-Bohrlochobservatorium ist zurück an Bord.

Der kürzlich von Bord gegangene japanische Kolbenlottechniker Ei Hatakeyama fehlt den Wissenschaftlern, als sie Gasaustritte an neu entdeckten Schlammvulkanen im Kumanobecken näher untersuchen wollen. Doch Not macht erfinderisch: Getreu diesem Motto haben der Fahrtleiter Achim Kopf und sein Wissenschaftsteam gegrübelt und eine Lösung für dieses Problem gefunden.

Unsere Vermessungsarbeiten im Kumanobecken hatten in den vergangenen beiden Nächten weitere Gasaustritte identifiziert. Diese sog. "flares" weisen auf tiefe Fluiddynamik im Akkretionskeil, an dem sich im Rahmen plattentektinischer Vorgänge Sedimente anlagern. Da jedoch der japanische Kolbenlottechniker nicht mehr da ist - er wurde vor einigen Tagen abgeholt, da er auf einer anderen Mission gebraucht wurde (planeterde berichtete) - können wir dessen Gerät aber nicht benutzen.

Folglich haben wir improvisiert und der Wärmestromlanze ein Kernrohr parallelgeschaltet. Zunächst dringt die Wärmestromlanze in den Meeresboden, etwas später füllt sich dann das Kernrohr. Somit haben wir nun doch die Möglichkeit, an den Fluidaustritten zu schauen, ob die Temperaturwerte erhöht sind und welche Fluide - etwa Gas oder tief entstandene Wässer - an die Oberfläche kommen.

Flares in der Wassersäule weisen auf Fluidausstrom aus der Tiefe.
Bild: C. Ferreira/MARUM
Das an Bord improvisierte |dq|Wärmestrom-Kerngerät|dq|.
Bild: A. Kopf/MARUM

An bislang drei Orten haben wir mit dem "neuen" Instrument erfolgreich gekernt. Parallel dazu bereitete sich das Team des ferngestuerten Fahrzeugs ROV PHOCA auf den letzten Tauchgang der Reise vor. Der letzte Tag des Monats bescherte uns gutes Wetter und die finale Möglichkeit, das CORK-Observatorium vom Bohrstrang abzubergen. Aufgrund der vormaligen Schwierigkeiten beim Lösen des Hotstab-Zapfens traf PHOCA auch Vorbereitungen, die gesamte MeBo-Bohrstange zu lösen. In nervenaufreibender Kleinarbeit wurde geschraubt und gehakt, und letztlich erfolgte die Bergung nach vier Stunden am Meeresboden. Dieser Erfolg krönt die erstklassige Leistung des Teams vom GEOMAR und nimmt vielen an Bord die Anspannung über die letzten Tage.

Nun geht es zum Endspurt der Stationsarbeiten, und dann bald zurück in Richtung Heimat.

Achim Kopf, Fahrtleiter