10. Okt. 2016

Der erste Kern der Ausfahrt SO251 kommt an Bord.

Das Forschungsschiff Sonne ist gut in die erste Expeditionswoche gestartet. Bereits nach wenigen Tagen konnte die Crew den ersten Bohrkern an Deck hieven. Wie es gelang, das Sediment aus über 8000 Metern Tiefe zu bergen und welche Rolle Taifun Chaba spielte, berichtet Jess Hillman im zweiten Bericht von Bord.

Gestern Abend nach über fünf Stunden geduldigen Wartens war die Aufregung auf dem Arbeitsdeck groß, als unser erster Kern aus dem Japan-Graben an Bord kam: 9,76 Meter Sediment aus einer Tiefe von 8019 Meter. Kerne aus einer solch großen Tiefe zu gewinnen, ist eine beachtliche Leistung und wir sind froh, so ein großartiges Team von Wissenschaftlern und Besatzung an Bord zu haben, das den reibungslosen Ablauf aller Prozesse sicherstellt.

Die Proben vom Meeresboden werden mit einem Kolbenlot gewonnen. Dieses Gerät besteht aus einem sehr schweren (1,1 Tonnen!) Gewicht, am oberen Ende verbunden mit einem zehn Meter langen Metallrohr. Im Metallrohr steckt ein durchsichtiges Plastikrohr, der sogenannte Liner. Nach erfolgreicher Probennahme ist dieser Liner dann mit der Probe vom Meeresboden – dem Kern – gefüllt. Ist der Kern erst einmal sicher an Deck, wird ein striktes Verfahren befolgt, um sicherzustellen, dass er korrekt beschriftet wird und alle Proben katalogisiert werden. Zunächst wird der Liner mit dem Kern aus dem Metallrohr herausgezogen und in ein Meter lange Abschnitte zerteilt, die mit Kunststoffkappen verschlossen werden.

Als wir all diese Arbeiten erledigt hatten, war es bereits später Abend. Daher beschlossen wir, die Kerne erst am nächsten Tag zu öffnen und dann mit den weiteren Untersuchungen fortzufahren. In der Nacht wurde der Graben weiter vermessen, bis schwere See und Starkwinde durch Taifun Chaba uns zwangen, unseren Kurs zu verlassen und weiter südlich zu fahren, um den Sturm abzuwarten.

Das Kolbenlot zur Beprobung des Meeresbodens wird ins Wasser gelassen.
Bild: Toby Schwestermann
Fahrtleiter Dr. Michael Strasser untersucht die erste Probe aus dem Kernfänger.
Bild: Sebastian Trütner

Heute Morgen dann waren die Wellen über vier Meter hoch. Dennoch waren wir gespannt darauf, den Kern zu öffnen und mit der Arbeit zu beginnen. Jeder Abschnitt des Kerns wird der Länge nach in zwei Hälften geteilt: Eine ist die Arbeitshälfte, die wir für geotechnische Messungen und Probenahmen verwenden, die andere ist die Archivhälfte zur Beschreibung der Sedimentologie. Wir werden ausführlicher über die geochemischen, geotechnischen und sedimentologischen Untersuchungen hier an Bord in den nächsten Logbucheinträgen berichten. Jetzt sind wir erst einmal damit beschäftigt, eine Menge schönen Schlamm zu untersuchen!

Viele Grüße von der Sonne,

Jess Hillman, Wissenschaftscrew SO251