25. Okt. 2016

Im Hangar werden Kolbenlotkerne beprobt, nach Feierabend gekickert.

Die Tage vergehen wie im Flug, und das internationale Wissenschaftsteam - 34 Personen aus zehn Ländern - arbeitet hart, aber harmonisch mit den verschiedenen Geräten an Bord. Ein vor zwei Jahren ausgesetztes Unterwasserobservatorium konnte erfolgreich aufgespürt werden. Achim Kopf über Tauchtage und Kickerabende.

Mittlerweile haben wir sowohl im Kumanobecken als auch auf verschiedenen Schlammvulkanen Kolbenlotkerne genommen. Insbesondere ein Schlammvulkankern zeigte interessante Porenwässer, die vermutlich tief im Akkretionskeil mobilisiert worden sind. Der Umbau von Tonmineralen mit zunehmendem Druck und Temperatur treibt Frischwasser aus dem Mineralgitter und führt zu geringer Salinität, aber Anreicherung anderer gelöster Elemente. Die genaue chemische Zusammensetzung wird nach der Expedition analysiert und weist uns auf die Tiefe und Temperaturbedingungen der Fluide. Gleichzeitig geben uns auch mitgeschleppte Gesteinsklasten im Schlamm Aufschluss über die geodynamische Entwicklung der Nankai-Subduktionszone.

ROV PHOCA findet das MeBoCORK-Observatorium, das mittlerweile von Organismen bewachsen ist.
Bild: ROV GEOMAR
Das Pilotboot Shinano holt den Kolbenlottechniker Ei Hatakeyama ab, der bei einer anderen Mission benötigt wird.
Bild: Kopf/MARUM
In der großen Fahrtleiter-Kabine werden Strategien diskutiert und Stationspläne gemacht.
Bild: Kopf/MARUM

Am Samstag folgt wieder ein Tauchtag, das Wetter ist passabel, und alle sind gespannt auf Schlammvulkan MV4. Dort hatten wir vor vier Jahren zwei Observatorien deponiert, die es nun zu bergen gilt. Nach kurzer Suche fand PHOCA eines der Observatorien, das über eine Leitung ins tiefe MeBo-Bohrloch Druck- und Temperaturdaten aufzeichnet. Diese Daten geben uns Aufschluss über die Deformation der Gesteine in der Tiefe, insbesondere vor und während Erdbeben. Das Observatorium ist ein kurzer Druckkörper aus Edelstahl, der mit einem Zapfen (hotstab) an die Leitungen im Bohrloch ankoppelt. Dieser Zapfen saß leider so fest, dass er sich vom Tauchroboter nicht lösen ließ. Stattdessen improvisierten die Piloten und schraubten die gesamte MeBo-Bohrstange ab. Diese ist zu lang und zu schwer, um vom ROV direkt zum Schiff transportiert zu werden, so daß ein weiterer Tauchgang nötig wird, um das Instrument sicher zu bergen.

Nach einer Tour de force am Sonntag, bei der wir nochmals vier Kolbenlote nahmen, geht es nun wieder kurz gen Yokohama. Dort wird ein Pilotboot den japanischen Kerntechniker aufnimmt, der leider nicht bis zum Ende unserer Expedition an Bord bleiben kann. Die Kernarbeiten am Wochenende waren insofern erschwert, weil die Kernlokationen im Kuroshio-Strom stattfanden, der an der Oberfläche um vier Knoten Strömungsgeschwindigkeit erreicht. Somit wird das Kerngerät am Draht stark ausgelenkt und trifft dann einige hundert Meter hinter dem Schiff auf den Meeresboden. Punktgenaue Kernentnahme erfordert somit perfektes Manövrieren auf der Brücke, insbesondere, weil man vor Japan wegen der zahlreichen Seekabel des Tsunamifrühwarnsystems viele Kabeltrassen vermeiden muß. Hinzu kam dann noch ein aufkommendes Tiefdruckgebiet mit Wind von sieben bis acht Windstärken.

Die Kernarbeiten verliefen nichtsdestotrotz erfolgreich, und das wissenschaftliche Team freut sich auf die Auswertung des Materials - und auf eine Partie Tischfußball nach Feierabend.

Achim Kopf, Fahrtleiter