04. Nov. 2019
Das Forschungsschiff SONNE im Hafen von Port Louis, Mauritius.

Das Forschungsschiff SONNE im Hafen von Port Louis, Mauritius.

Die Ruhe vor dem großen blauen Nichts

Es ist wohl ein psychologisches Phänomen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler treffen sich Punkt 18:00 Uhr auf der vom grünlichgrauen Hafenbeckenwasser umspülten Terrasse des Hotels. Die Sonne steht tief und bestrahlt das im Hafen gegenüberliegende deutsche Forschungsschiff SONNE. Es leuchtet in den Farben schwarz, rot, gold und weiß. Der lange Flug nach Mauritius steckt allen noch in den Knochen.

Die sommerlichen Temperaturen hier Ende Oktober sind willkommen. Port Louis ist ein Zwischenstopp. In zwei Tagen startet die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) unter der Leitung von Dr. Ulrich Schwarz-Schampera mit einem internationalen Forschungsteam wieder eine Explorationsfahrt in den Indischen Ozean – die INDEX2019.

Ja, ich freue mich, wieder dabei zu sein! Vor zwei Jahren berichtete ich erstmals von Bord der SONNE über die Ausfahrt INDEX2017. Sieben Wochen schienen mir jedoch zu kurz, über alles Spannende an Bord berichten zu können. Jetzt darf ich auch INDEX2019 begleiten! Im Hotel treffe ich bekannte Gesichter wieder – und damit komme ich auch zum psychologischen Phänomen: Einige habe ich zwei Jahre weder gesehen, noch gesprochen. Jetzt umarmen wir uns freudig und herzlich. Neuzugänge werden bereitwillig im Team aufgenommen. Das Forschen und Leben an Bord schweißt eine Gruppe für den Zeitraum der Fahrt zusammen. Immerhin 39 Forscherinnen und Forscher sowie die 29-köpfige Schiffsbesatzung um Kapitän Lutz Mallon. Der jüngste Teilnehmer ist 21 Jahre alt, der älteste Teilnehmer 73 Jahre alt. Dazwischen sind alle Alter vertreten. Völlig unterschiedliche Persönlichkeiten aus Deutschland, Kanada, Amerika, Nepal, Frankreich und Brasilien teilen sich sieben Wochen einen Mikrokosmos und eine Aufgabe, für die sie brennen: Die Erkundung von Metallerzvorkommen an erloschenen "Schwarzen Rauchern" in der Tiefsee des Zentralindischen Rückens mit dem dazu gehörigen Ökosystem.

Vor dem Auslaufen wird Container um Container mit technischer Ausrüstung an Bord der SONNE gehievt.

Bild: BGR

Geologin Bettina Landsmann berichtet aktuell von der BGR-Ausfahrt INDEX2019 vom Forschungsschiff SONNE.

Bild: BGR
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Vor dem Auslaufen wird Container um Container mit technischer Ausrüstung an Bord der SONNE gehievt.

Bild: BGR

Geologin Bettina Landsmann berichtet aktuell von der BGR-Ausfahrt INDEX2019 vom Forschungsschiff SONNE.

Bild: BGR

Gefühlt ist das Umweltbewusstsein nirgendwo größer als in der deutschen Bevölkerung. "Deshalb fließen auch 50 Prozent der Kosten dieser Ausfahrt in die Erforschung der Umweltfaktoren", betont Fahrtleiter Dr. Ulrich Schwarz-Schampera beim ersten Meeting. "Tatsächlich gibt derzeit kein deutsches Institut mehr Geld für Tiefsee-Umweltforschung aus als die BGR. Allein im vergangenen Jahr waren es 4,5 Millionen Euro". Erzbergbau in der Tiefsee ist verlockend, zumal wenn Rohstoffe an Land eines Tages knapp werden sollten. Der internationale "Run" auf die Tiefsee hat längst begonnen. Auch Staaten wie China, Indien und Südkorea erkunden Metallerze im Indik. Die BGR kann mit den Forschungsergebnissen ihrer Lizenzgebiete dazu beitragen, dass Deutschland internationale Standards zum Schutz des Meeres zu setzen vermag. Die Ozeane zu bewahren und zu schützen, ist jedenfalls Konsens hier an Bord. Was wir dafür tun und welche Schätze in der Tiefsee tatsächlich schlummern, davon berichte ich in den nächsten sieben Wochen in meinem Blog.

Viele Grüße aus Port Louis, Mauritius

Bettina Landsmann