16. Dez. 2019
Koch Lars Prater bereitet in der Schiffsküche das Fleisch für das Mittagessen vor.

Koch Lars Prater bereitet in der Schiffsküche das Fleisch für das Mittagessen vor.

Es ist schon fünf Uhr und höchste Zeit aufzustehen. Müde räkele ich mich aus meiner Koje und schaue aus meinem Bullauge. Die Sonne ist gerade über dem noch graublauen Horizont aufgegangen. Ich habe mir den Wecker gestellt, damit ich meinen Termin nicht verpasse. Um vier Uhr morgens, wenn viele hier an Bord noch schlafen, sind unser Koch Lars Prater und sein Team schon längst in der Kombüse im vollen Einsatz und heute Morgen darf ich ihnen dabei Gesellschaft leisten.

Mit dem Essen an Bord eines Schiffes steht und fällt die Stimmung aller Anwesenden. Jeden Tag müssen Speisen für circa 70 Personen morgens, mittags und abends pünktlich fertig sein. Und nicht nur das. Weil im 24-Stundenbetrieb geforscht wird, stellt das Küchenteam auch außerhalb dieser Zeiten Essen für diejenigen zurück, die zu den Mahlzeiten gerade auf Station im Einsatz sind. Der Aufenthalt und die Arbeit auf bewegter See sind sehr kräftezehrend.

Mit einem freundlichen „Moin“ werde ich in der Küche begrüßt. Rammstein-Musik läuft im Hintergrund. Ich betrete einen komplett in Edelstahl ausgerüsteten Raum. Die Bordküche wirkt auf mich größer als erwartet. Unser Koch Lars Prater schneidet gerade Lammfleisch für das Irish Stew heute Mittag. Samstags ist Eintopftag. Dazu gibt es verschiedene Sorten Würstchen. Neben dem Schneidbrett stehen auch schon drei Schalen mit fertig vorbereitetem Applecrumbie, also Apfelkrümel – ein süßes Backwerk, das es heute als Nachtisch gibt. Dazu werden Apfelstücke mit einer Schicht aus Streuseln bedeckt und im Ofen gebacken. Frank Wienekamp, der zweite Koch, backt gerade Pfannkuchen für das Frühstück. Diese Luxusspeise ist bei vielen an Bord sehr begehrt. Dazu gibt es, wie jeden Morgen, Spiegeleier, Rührei und gekochte Eier. "Jeden Tag verarbeiten wir circa 100 Eier", verrät er mir. Die Tagesration Baguette und Brötchen mit Mohn, Kümmel oder Sesam liegen schon nett angerichtet in einem Korb parat. Bei den Sesambrötchen kann ich morgens nie wiederstehen. Sie sind einfach nur lecker. Weil er diese jeden Tag ganz frisch backt, fängt er oft schon um 3:00 Uhr nachts an. Jetzt begreife ich auch, warum ich ihn auf dieser Fahrt bisher so selten gesehen habe.

Der zweite Koch Frank Wienekamp backt frische Pfannkuchen für das Frühstück.

Bild: BGR

Blick in die Messe (das ist der Speiseraum) des Forschungsschiffs SONNE.

Bild: BGR
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Der zweite Koch Frank Wienekamp backt frische Pfannkuchen für das Frühstück.

Bild: BGR

Blick in die Messe (das ist der Speiseraum) des Forschungsschiffs SONNE.

Bild: BGR

Das Fleisch für das Irish Stew brutzelt inzwischen in einem riesigen Topf vor sich hin. Lars nimmt mich mit in den Gefrierraum. Er leiht mir eine dicke Jacke und öffnet eine überbreite Stahltür, die er speziell sichert, damit sie nicht zufällt. Wir gehen in einen eisigen verwinkelten Raum mit wandhohen Regalen. Er legt mir zwei große Pakete Wirsingkohl in die Arme. Die sind für das Irish Stew. Danach zeigt er mir noch den Kühlraum für die Frischwaren. Die meisten Regale sind leer. Das ist ja auch kein Wunder, wir sind inzwischen mehr als fünf Wochen auf See. Die Vorräte sind weitestgehend aufgebraucht. Jetzt wird viel improvisiert. Zurück in der Küche gibt Jonny Cash seine Evergreens lauthals zum Besten. Es ist sechs Uhr dreißig. Jeden Morgen um diese Zeit kommt der Kapitän auf Stipvisite vorbei. Auch in der Messe (das ist der Speisesaal) laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Teller, Getränke sowie Käse- und Wurstplatten werden bereitgestellt. Um sieben Uhr beginnt das Frühstück und ganz Hungrige stellen sich auch schon ein paar Minuten vorher an.

Von elf Uhr dreißig bis zwölf Uhr dreißig ist das Mittagsbuffet geöffnet. Ich genieße das überaus schmackhafte Irish Stew mit dem fantastischen warmen Applecrumble und einem Klecks Vanillesoße ganz besonders intensiv und habe nun eine Ahnung davon bekommen, was das Küchenteam in den letzten Wochen alles für uns geleistet hat. Die Stimmung an Bord war jedenfalls durchgehend sehr gut.

Viele Grüße von der SONNE,

Bettina Landsmann