17. Dez. 2019
Am Dienstagmorgen, den 17.12.2019, läuft das Forschungsschiff SONNE nach 7 Wochen auf hoher See wieder in den Hafen von Port Louis, Mauritius, ein.

Am Dienstagmorgen, den 17.12.2019, läuft das Forschungsschiff SONNE nach 7 Wochen auf hoher See wieder in den Hafen von Port Louis, Mauritius, ein.

Die Sonne steht noch tief. Es ist frühmorgens. Land ist in Sicht. Schwarze, spitze Vulkankegel zeichnen sich am Horizont ab, verbunden durch flache Ebenen. Der Geruch von Erde wabert mir schon aus mehreren Kilometern Entfernung entgegen. Nach sieben Wochen auf See kommt er mir besonders intensiv vor. Um 7 Uhr 15 betritt der Lotse unser Schiff über eine Strickleiter an der Reling. Langsam laufen wir in den Hafen ein. Das Schiff macht eine Kehrtwende und gegen 8 Uhr legt die SONNE am Kai in Port Louis, Mauritius an.

Damit steht unsere Ausfahrt SO271/1 (INDEX2019) kurz vor ihrem Ende. Auf 131 Stationen haben wir in sieben der zwölf deutschen Lizenzcluster im Indischen Ozean potenzielle Massivsulfid-Erzvorkommen exploriert und die Biodiversität der Tiefsee unter die Lupe genommen. Es war das erste Mal, dass das ferngesteuerte Unterwasserfahrzeug ROPOS auf diesem Schiff zum Einsatz kam. Für mich war es ein unglaublich spannendes Erlebnis, die Fahrten am Meeresboden live miterleben zu können. Insgesamt 18 mehrstündige Tauchgänge hat es absolviert. Umfangreiche Proben und Daten hat es dabei gesammelt, darunter hochauflösende Videos und Fotos, Proben von Gesteinen, Sediment, Tiere und Fluide. Dazu kommen die Proben und Daten weiterer elf Großgeräte für Explorations- und Umweltarbeiten.

"Die INDEX2019 Ausfahrt war sehr erfolgreich", fasst BGR-Fahrtleiter Dr. Ulrich Schwarz-Schampera die letzten 7 Wochen sichtlich zufrieden zusammen. "Die Wetterbedingungen waren generell gut, die Arbeiten waren lediglich für einen halben Tag eingeschränkt. Wir haben zwei neue Hydrothermalfelder (SURYA und SOORAJ; beide Sanskrit/Hindi für Sonne) in den Lizenzclustern 6 und 7 entdeckt. Diese Funde bestätigen einmal mehr das hohe Potenzial für Sulfiderz-Vorkommen in allen Clustern des deutschen Lizenzgebietes. Insgesamt haben wir bisher 20 aktive und 30 inaktive Hydrothermalfelder aushalten können."

Erzschlot im 2018 von der BGR entdeckten Hydrothermalfeld PENUMBRA.

Bild: BGR

: Biologin Dr. Terue Kihara vom Integrated Environmental Solutions UG (INES) / Deutschen Zentrum für Marine Biodiversitätsforschung (DZMB) in Wilhelmshaven bereitet ihre Proben für die DNA-Analyse vor.

Bild: BGR
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Erzschlot im 2018 von der BGR entdeckten Hydrothermalfeld PENUMBRA.

Bild: BGR

: Biologin Dr. Terue Kihara vom Integrated Environmental Solutions UG (INES) / Deutschen Zentrum für Marine Biodiversitätsforschung (DZMB) in Wilhelmshaven bereitet ihre Proben für die DNA-Analyse vor.

Bild: BGR

Mit 2,6 Kilometern Länge und 500 Metern Breite ist das 2018 entdeckte Feld PENUMBRA in Cluster 12 das größte bisher gefundene Massivsulfid-Feld überhaupt. Der diesjährige ROPOS-Tauchgang im ebenfalls 2018 entdeckten HUNA-Feld ergab, dass dieses Hydrothermalfeld 2,4 Kilometer lang ist und sich entlang einer Störungsstruktur erstreckt. Damit ist auch dieses Feld größer, als erwartet. Metalle fehlen hier an der Oberfläche. Diese stecken womöglich noch im Untergrund als reiches Erzvorkommen. Denn der Schlot eines "Schwarzen Rauchers" ist keine Erz-Lagerstätte im eigentlichen Sinne, sondern das, was darunter steckt.

Ob sich unter diesen Hydrothermalfeldern potenziell abbauwürdige Erzvorkommen befinden, kann jedoch erst geklärt werden, wenn dort hineingebohrt wird. Für die nächste Explorationsfahrt INDEX2020 (SO278) mit der SONNE plant der Fahrtleiter deshalb auch den Einsatz eines Bohrgerätes, nach Möglichkeit am ROPOS. Damit sich ein möglicher Tiefseebergbau eines Tages lohnen würde, müssten allerdings 2 Millionen Tonnen Erz pro Jahr über 10 Jahre gefördert werden können. Von derartigen Aussagen ist der derzeitige Stand der Exploration noch weit entfernt. Hierzu müssen noch viele weitere Untersuchungen im Lizenzgebiet folgen.

Hinzu kommen die umfangreichen Umweltuntersuchungen. Ziel der Biodiversitätsforschung im Lizenzgebiet ist es, einen "INDEX Baum des Lebens" zu erstellen, der derzeit auf der DNA von knapp 50 000 Individuen beruht. Dieser soll dabei helfen, abzuschätzen, welchen Einfluss ein künftiger Tiefseebergbau auf den Lebensraum und die Biodiversität der Tiefsee hätte. Dies wird noch viele Jahre Forschung erfordern. Auf dieser Ausfahrt haben die drei Biologinnen und der Biologe an Bord allein 4125 Proben mit insgesamt 5477 Tieren gesammelt und die Geomikrobiologin 89 Proben für mikrobiologische Analysen genommen.

Doch die Zeit drängt. Bis zum Jahr 2023 muss die BGR entscheiden, welche 50 Prozent ihres Lizenzgebietes sie wieder an die Internationale Meeresbodenbehörde zurückgibt. Bis 2025 muss sie weitere 25 Prozent zurückgegeben. Bis zur endgültige Aussage über die verbliebenen 25 Prozent im Jahr 2030 stehen noch weitere Explorationsfahrten an. Jede dieser Ausfahrten wird ihren Teil dazu beitragen, eines Tages verlässliche Basisdaten für eine Entscheidung zur Hand zu haben, ob künftiger Tiefseebergbau von Massivsulfid-Erzen im Indischen Ozean ökologisch und ökonomisch tragbar ist oder nicht.

Viele Grüße von der SONNE

Bettina Landsmann