18. Dez. 2019
Blick vom Peildeck auf das Heck des Forschungsschiffes SONNE.

Blick vom Peildeck auf das Heck des Forschungsschiffes SONNE.

116 Meter lang und 20 Meter breit war unser schwimmender Mikrokosmos. 38 Meter hoch ragte er über die Wasserlinie des Indischen Ozeans auf. Das deutsche Forschungsschiff SONNE war während unserer INDEX2019-Exploration sieben Wochen lang unser Arbeits- und Lebensmittelpunkt. Es gehört zu den modernsten Forschungsschiffen der Welt. Kein anderes Schiff ermöglicht den Einsatz so vieler verschiedener Messgeräte für die Meeresforschung.

Am 14.11.2014 in Wilhelmshaven in den Dienst gestellt, bestreitet die SONNE mit unserer INDEX2019-Exploration ihre 48. Reise. 1468 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hat das Schiff seitdem beherbergt. Darunter 479 Forschende aus anderen Nationen. Zirka 230 000 Seemeilen hat sie schon auf dem Buckel, was fast der elffachen Umrundung des Äquators entspricht. Die SONNE zeichnet außerdem ein hervorragendes Seeverhalten aus, auch bei stärkerem Seegang. Ein Pumpjet mit 5 Metern Durchmesser hält das Schiff metergenau auf Position. Dies ermöglicht eine sehr präzise Positionierung der Messgeräte am Meeresboden und damit eine gezielte Probennahme. Auch exakte Linienführung von Messgeräten, die knapp über dem Meeresboden geschleppt werden müssen, wie das Echolot-Gerät HOMESIDE sind kein Problem. Mittels ein- und ausfahrbarer Propeller am Boden kann das Schiff in alle Richtungen manövriert werden, ganz wie es die Forschung verlangt.

Ein 12 Kilometer langes Glasfaserkabel auf einer riesigen Winde im Bauch des Schiffes sorgt für die nötige Datenübertragung bis zu der tiefsten Meeresrinne der Ozeane. Für Geräte, die Sediment erbohren oder Gesteine vom Meeresboden einsammeln, wie das Schwerelot oder die Dredge, hält die SONNE ein 12 Kilometer langes Stahlkabel vor.

Eine perfektere Plattform für unsere INDEX-Exploration und Meeresforschung konnten wir 39 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler uns gar nicht vorstellen. Alles liegt eng beieinander. Der Weg zur Arbeit kann nicht kürzer sein. Ein intensiver, fachlicher Austausch unter Experten und Expertinnen unterschiedlichster Disziplinen findet von einer Tür zur nächsten statt. Die Zeit, in der die Forschenden allein in ihrem Elfenbeinturm saßen, ist längst vorbei. Wissenschaft von heute ist international und digital miteinander vernetzt. Transparenz ist angesagt. Ein tägliches Meeting am Morgen mit allen 39 Forscherinnen und Forschern gehörte bei uns dazu. Abendliche Fachvorträge rundeten das wissenschaftliche Tagesprogramm oft ab.

Zwei Winden mit jeweils 12 Kilometer langen Kabeln, ein Glasfaserkabel für Datenübertragung bis zum Meeresboden und ein Stahlkabel, sind geschützt vor Wind und Wetter auf Deck 1 untergebracht.

Bild: BGR

: Bootsmann Torsten Bierstedt (v. re. n. li.), Matrose Benjamin Brüdigam und BGR-Mechaniker Ragnar Fröhlich hieven eine volle Dredge mit Gesteinsbruchstücken vom Meeresboden an Bord der SONNE.

Bild: BGR

Hermann Pregler (li.) und Wolfgang Borchert (re.) vom wissenschaftlich-technischen Dienst stellen die nötige Internettechnik und Elektronik für die Datenübertragung an Bord und in die Welt bereit.

Bild: BGR
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Zwei Winden mit jeweils 12 Kilometer langen Kabeln, ein Glasfaserkabel für Datenübertragung bis zum Meeresboden und ein Stahlkabel, sind geschützt vor Wind und Wetter auf Deck 1 untergebracht.

Bild: BGR

: Bootsmann Torsten Bierstedt (v. re. n. li.), Matrose Benjamin Brüdigam und BGR-Mechaniker Ragnar Fröhlich hieven eine volle Dredge mit Gesteinsbruchstücken vom Meeresboden an Bord der SONNE.

Bild: BGR

Hermann Pregler (li.) und Wolfgang Borchert (re.) vom wissenschaftlich-technischen Dienst stellen die nötige Internettechnik und Elektronik für die Datenübertragung an Bord und in die Welt bereit.

Bild: BGR

Alle Arbeiten auf einem Schiff können nur im Team bewältigt werden. Für die erfolgreiche Abwicklung der Expedition stand uns Forschenden eine 29-köpfige Schiffscrew zur Seite. Mal eben schnell den Notdienst oder den Handwerker anrufen wie an Land, geht nicht. Hier wird alles mit Bordmitteln gemacht. Kapitän Lutz Mallon sorgt dafür, dass alles an Bord reibungslos läuft. Er sagt klipp und klar, was geht und was nicht. Dabei muss er die Wünsche der Wissenschaft und die damit verbundenen Anforderungen an die Schiffstechnik und an seine Crew unter einen Hut bringen. Denn: Die letzte Entscheidung an Bord trifft immer der Kapitän. Dafür braucht es viel Erfahrung, sowohl als Nautiker als auch im Umgang mit Menschen. Seit über 17 Jahren übernimmt er diese große Verantwortung nun schon. Drei weitere Nautiker unterstützen ihn dabei. Sie halten die SONNE Tag und Nacht auf Kurs. Tief unten im Bauch des Schiffes sorgt eine neunköpfige Maschinen-Crew im 24-Stundenbetrieb dafür, dass stets alle Motoren laufen, sämtliche Geräte sowie Kräne und Winden mit Strom versorgt werden und warmes, sauberes Wasser aus meinem Duschkopf läuft.

Auf Deck sind der Bootsmann und seine 7 Matrosen rund um die Uhr sowie bei Wind und Wetter auf den Stationen im Einsatz. Während unserer INDEX2019-Expedition haben sie auf 131 Stationen wissenschaftliche Messgeräte zu Wasser gelassen und wieder an Bord gezogen. Daneben warten sie die Werkzeuge, sortieren Schekel oder befreien das Schiff von seinen Rostspuren. Die drei Mann vom wissenschaftlich-technischen Dienst stellen die nötige Internettechnik und Elektronik für die wissenschaftlichen Geräte und die Labore bereit, damit wir unsere Daten untereinander und mit dem Rest der Welt austauschen können. Der Wirtschaftsbetrieb versorgt uns Tag für Tag mit leckerem Frühstück, Mittag, Kaffee und Kuchen sowie Abendbrot und reinigt die Kammern, Flure und Sozialräume. Ein kleiner Shop ist auch an Bord, sollte mal die Seife ausgehen. Und für den Notfall steht ein Hospital bereit, das mit einer Ärztin oder einem Arzt besetzt ist.

Dies ist mein letzter Blog für die INDEX2019-Ausfahrt. Bei allen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern möchte ich mich ganz herzlich für ihr stets offenes Ohr und die vielen interessanten Gespräche über ihre Aufgaben hier an Bord bedanken. Sie bilden die Grundlage für meine Blogs. Leider konnte ich auch auf dieser Expeditionsfahrt nicht über alle spannenden Experimente an Bord berichten. Dazu sind die einzelnen Forschungsthemen und -ziele viel zu komplex. Wenn Sie beim Lesen meiner Blogs das Gefühl hatten, mir über die Schulter geschaut zu haben, dann freut mich das sehr. Denn es war mein Ziel, Ihnen meine Eindrücke von den aktuellen Explorations- und Forschungsarbeiten der INDEX2019-Ausfahrt so verständlich und spannend wie möglich näherzubringen.

Bei Kapitän Lutz Mallon und seiner Crew möchte ich mich ganz herzlich für die freundliche Aufnahme, die gute Unterstützung bei meinen Foto- und Filmaufnahmen sowie für die leckere Verpflegung hier an Bord bedanken. Über sechs Wochen lang hatte ich nicht das Gefühl, irgendetwas auf diesem Mikrokosmos zu vermissen. Und das zeigt doch sehr deutlich, wie professionell, routiniert und serviceorientiert die Crew hier an Bord der SONNE arbeitet – auf der perfekten Forschungsplattform.