21. Nov. 2019
Das ferngesteuerte Unterwasserfahrzeug ROPOS wird für den Tauchgang zum EDMOND-Feld mit aktiven und inaktiven "schwarzen Rauchern" zu Wasser gelassen.

Das ferngesteuerte Unterwasserfahrzeug ROPOS wird für den Tauchgang zum EDMOND-Feld mit aktiven und inaktiven "schwarzen Rauchern" zu Wasser gelassen.

Heute ist es soweit, zum ersten Mal kann ich live und in Farbe einen aktiven "schwarzen Raucher" beobachten. Und nicht nur das! Inzwischen befinden wir uns über dem Edmond-Feld in Cluster 4. Hier gibt es aktive und inaktive hydrothermale Quellen am Meeresboden. Bereits 2013 hat die BGR an dieser Stelle einen "Schornstein" aus Massivsulfid-Erz geborgen. Nun soll bei einem ROPOS-Tauchgang ein zweiter zu Forschungszwecken und insbesondere zum Anfassen für "Landratten" (also Sie und ich) hinzukommen.

Gleich vorweg: Solange die metallhaltigen heißen Quellen mit Temperaturen von zirka 400 Grad Celsius nicht versiegen, wachsen die Erzschlote wieder nach. Dabei wurden schon erstaunliche Geschwindigkeiten von 30 Zentimetern pro Tag registriert. Der Tauchgang beginnt früh am Morgen. Das ROPOS ist präpariert und wird zu Wasser gelassen. Das Gefährt ermöglicht ein buntes Potpourri an Messungen und Probenahmen für verschiedenste Fragestellungen. Da ich nicht all die spannenden Versuche dieser Fahrt in einem Blog unterbringen kann, werde ich mich hier vorerst auf das Heraufbringen des "schwarzen Rauchers" beschränken. Weitere folgen!

Die Kameras des ROPOS haben einen aktiven "schwarzen Raucher" eingefangen.

Bild: BGR

Sofort nach dem Tauchgang entnehmen die Forscherinnen und Forscher ihre vielzähligen Proben aus den Behältern des ROPOS.

Bild: BGR

BGR-Erzpetrologe Dr. Sebastian Fuchs nimmt den frisch geborgenen "schwarzen Raucher" sofort in Augenschein.

Bild: BGR
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Die Kameras des ROPOS haben einen aktiven "schwarzen Raucher" eingefangen.

Bild: BGR

Sofort nach dem Tauchgang entnehmen die Forscherinnen und Forscher ihre vielzähligen Proben aus den Behältern des ROPOS.

Bild: BGR

BGR-Erzpetrologe Dr. Sebastian Fuchs nimmt den frisch geborgenen "schwarzen Raucher" sofort in Augenschein.

Bild: BGR

Nach gut zwei Stunden erreicht das ROPOS den Meeresgrund in 3200 Meter Tiefe. Vor uns wimmelt es nur so von weißen Anemonen, Garnelen und Krebsen. Ihr außergewöhnlicher Lebensraum in ewiger Dunkelheit sind die aktiven Hydrothermalquellen. Und da taucht er auch schon vor uns auf: Mein erster live erlebter "schwarze Raucher"! Eine rostrot und ockerfarben verkrustete Erzsäule, an deren offenem Kopfende permanent eine undurchsichtige, schwarzbraune, blumenkohlförmige "Wolke" mit enormem Druck senkrecht nach oben schießt. Nun bin ich gespannt, wie es der Pilot schafft, den Schlot zu Fall zu bringen. Zunächst rüttelt er an der engsten Stelle mit einem der Greifarme. Nichts passiert. Er ändert die Taktik. Obwohl die Gefahr besteht, dass Instrumente am ROPOS beschädigt werden, fährt er mit seiner an der unteren Front hervorstehenden gezähnten Platte direkt gegen den hochaufragenden "Schornstein". Und hat Erfolg! Der obere Teil des "schwarzen Rauchers" kippt zur Seite weg. Die Zuschauer an den Monitoren im Besprechungsraum applaudieren spontan, darunter auch ich. Mit einem Greifarm deponiert er die Beute sicher in eine der Boxen des Gefährts. Danach klappt der Deckel zu und weiter geht’s.

Nach insgesamt sechs Stunden Tauchgang und zwei Stunden Aufstieg in der Wassersäule hieven die Männer der SONNE-Crew das ROPOS wieder zurück an Bord. Es ist längst dunkel geworden. Das Achterdeck erstrahlt derart hell im gelben Scheinwerferlicht, dass der Schein des Vollmondes, der über ihnen am sternklaren Nachthimmel schwebt, komplett zurücktritt. Zumal alle Augen auf das Achterdeck gerichtet sind. Kapitän Lutz Mallon höchstpersönlich und Keith Tamburri vom ROPOS-Team erteilen die nötigen Kommandos. Vom Hangar kommend hat sich bereits eine Schlange mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gebildet. Gespannt und gut gelaunt warten sie mit Helm, Eimern und Sieben bewaffnet auf ihren Einsatz. Sowie Keith Tamburri die Probenentnahme aus dem ROPOS freigegeben hat, marschiert die Karawane los. Die Rollen sind klar verteilt.

In Windeseile nehmen die Forschenden ihre frisch eingetroffenen Schätze aus den ROPOS-Boxen heraus und legen sie in die mitgebrachten Eimer und Schalen. Etwas erschöpft, aber äußerst zufrieden beobachten die Piloten des ROPOS-Teams die glücklichen Forscherinnen und Forscher dabei. Auch Fahrtleiter Dr. Ulrich Schwarz-Schampera lässt sich dieses Schauspiel nicht entgehen und beobachtet das muntere Treiben, gerne auch mal mit einem Scherz auf den Lippen.

Danach werden die Proben ins Nasslabor getragen und für eine erste Ansprache gereinigt. Stolz und zufrieden beugt sich BGR-Erzpetrologe Dr. Sebastian Fuchs über das frisch gewaschene goldglitzernde Massivsulfid-Erz. Am nächsten Morgen werde ich ihn aufsuchen und mir alles wissenswerte über den schwergewichtigen Neuzugang erzählen lassen. Doch darüber berichte ich in meinem nächsten Blog.

Viele Grüße von der SONNE

Bettina Landsmann