28. Nov. 2019
Biologin Katharina Kniesz vom Integrated Environmental Solutions UG (INES) / Deutschen Zentrum für Marine Biodiversitätsforschung (DZMB) in Wilhelmshaven bestückt ihre Falle vor dem ROPOS-Tauchgang mit absoluten Leckerbissen für Flohkrebse: Fisch und Katzenfutter.

Biologin Katharina Kniesz vom Integrated Environmental Solutions UG (INES) / Deutschen Zentrum für Marine Biodiversitätsforschung (DZMB) in Wilhelmshaven bestückt ihre Falle vor dem ROPOS-Tauchgang mit absoluten Leckerbissen für Flohkrebse: Fisch und Katzenfutter.

Fallensteller sind sie mit Leidenschaft. Wie sonst können die Forscherinnen und Forscher in dieser weiten blauen Wüste an ihre Beute kommen, um letztlich beurteilen zu können, wie künftig möglicher Tiefseebergbau auf das Ökosystem wirkt. Der Ideenreichtum, mit dem sie ihre Fallen entwickeln, ist groß. Schließlich soll völlig unterschiedliche Beute gefangen werden. Letztlich läuft es aber immer drauf hinaus, etwas Attraktives anzubieten.

Ein Beispiel: Das Expeditionsprogramm an Bord läuft rund um die Uhr. Wochenenden gibt es nicht. Dadurch sind die Tage für die Forschenden eher gleichtönig. Eine willkommene Orientierung, welcher Wochentag gerade ist, bietet das Angebot der Mahlzeiten. Donnerstags und sonntags beispielsweise gibt es in der Messe (das ist der Speisesaal) Eiscreme. Ein absolutes Highlight für viele an Bord. Am Donnerstag gibt es verschiedene Sorten abgepacktes Eis als Nachtisch. An diesen Tagen sind alle besonders pünktlich zum Mittagessen in der Messe. Denn: Frühes Erscheinen sichert die leckerste Eiscremesorte, bevor diese vergriffen ist. Das begehrteste ist ein mit Schokolade überzogenes Vanilleeis am Stil.

Die Amphipodenfalle hat zugeschnappt.

Die am Meeresgrund für zwei Tage abgestellte Amphipodenfalle hat zugeschnappt: Im Inneren wimmelt es nur so von aufgeschreckten kleinen weißen und roten Flohkrebsen. Ein Greifarm verstaut die Falle wieder im ROPOS.

Bild: BGR
Begutachtung des Fangs

Zuerst nimmt Katharina Kniesz den Fisch-Katzenfutter-Köder aus der Amphipodenfalle. Anschließend schüttet sie die gefangenen Flohkrebse auf ein Sieb und spült sie sorgfältig ab.

Bild: BGR
Erfolgreicher Fang

Über 500 Exemplare verschiedenster Arten Flohkrebse sind in die Falle getappt. Einige davon sind bis zu zehn Zentimeter groß.

Bild: BGR
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Die am Meeresgrund für zwei Tage abgestellte Amphipodenfalle hat zugeschnappt: Im Inneren wimmelt es nur so von aufgeschreckten kleinen weißen und roten Flohkrebsen. Ein Greifarm verstaut die Falle wieder im ROPOS.

Bild: BGR

Zuerst nimmt Katharina Kniesz den Fisch-Katzenfutter-Köder aus der Amphipodenfalle. Anschließend schüttet sie die gefangenen Flohkrebse auf ein Sieb und spült sie sorgfältig ab.

Bild: BGR

Über 500 Exemplare verschiedenster Arten Flohkrebse sind in die Falle getappt. Einige davon sind bis zu zehn Zentimeter groß.

Bild: BGR

Ähnlich funktionieren die Fallen in der Tiefsee. Die Beute kann ihnen einfach nicht widerstehen. Biologin Katharina Kniesz von dem Integrated Environmental Solutions UG (INES) / Deutschen Zentrum für Marine Biodiversitätsforschung (DZMB) in Wilhelmshaven hat es heute auf die Aasfresser der Tiefsee abgesehen – Amphipoden, auch Flohkrebse genannt. Verglichen mit ihren entfernten Verwandten an Land, den Kellerasseln, können diese Krustentiere bis zu 20 Zentimeter lang werden. Ihr Lockmittel ist frischer Kabeljau garniert mit intensiv duftendem Katzenfutter (Katzenfans wissen, wovon ich spreche). Da sie üblicherweise die auf dem Meeresboden liegenden Überreste der wenigen dort lebenden Tiere fressen, kann man sich vorstellen, dass diese noch nie da gewesene, weithin duftende Speise eine magische Anziehungskraft auf sie ausübt. Natürlich brauchen einige Arten länger als andere, um den „Braten zu riechen“, oder sind etwas langsamer als andere. Deshalb ist etwas Geduld gefragt. Mit dem heutigen Tauchgang von ROPOS wird die Falle am Tiefseeboden zwei Tage lang abgestellt. Dort unten hat sie nun genügend Zeit, ihre magische Wirkung zu entfalten.

Zwei Tage später nähert sich das ROPOS endlich wieder der Falle. Die Biologin sitzt ungeduldig und gespannt vor dem großen Monitor im Besprechungsraum. Die Falle rückt näher ins Sichtfeld. Und tatsächlich schwimmt etwas darin. Jetzt ist die Kamera ganz nah dran. Ja, es wimmelt nur so von aufgescheuchten weißen und roten Amphipoden in ihrer Falle. Der Greifarm schnappt den Henkel der Falle und verstaut sie sorgfältig im ROPOS. Nun heißt es nur noch zwei Stunden warten, bis das Gefährt wieder an Bord gehievt werden kann.

Endlich an Bord, läuft Katharina Kniesz mit ihrer Falle sofort ins Nasslabor. Den wertvollen Inhalt schüttet sie auf ein Sieb. Nicht einmal die kleinste Amphipode soll verloren gehen. Auf den ersten Blick sieht die Biologin schon, dass sie eine neue Amphipodenart gefangen hat. Über 80 Prozent der von ihr bisher gefangenen Amphipoden wurden noch nie zuvor beschrieben und besitzen deshalb noch nicht einmal einen Namen. Das zeigt, wie wenig die Krebstiere bislang erforscht sind. Darum freut sie sich umso mehr, dass über 500 Tiere in die Falle getappt sind. Jetzt verwahrt sie ihre wertvolle Beute in Alkohol. Erst zurück in Wilhelmshaven wird sie jedes Tier genau beschreiben und genetisch bestimmen. Viel Material für ihre Doktorarbeit. "Amphipoden spielen eine wichtige Rolle im Ökosystem Tiefsee", erklärt sie mir. "Sie fressen Aas und führen dadurch die Nährstoffe aus den Kadavern wieder in den Nährstoff-Kreislauf zurück."

Fürs nächste Jahr plant sie, eine Videokamera mit Bewegungsmelder an der Falle anzubringen. Wer weiß, wer noch alles Appetit auf den "Braten" hatte, aber wegen seiner Größe nicht in die Falle tappen konnte. Übrigens: Das beste Mittel, um Mäuse zu fangen, soll Nuss-Nougatcreme sein, die ja bekanntermaßen auch unwiderstehlich auf Menschen wirkt. Einige von denen befinden sich auch hier an Bord der SONNE.

Viele Grüße von der SONNE

Bettina Landsmann