03. Dez. 2019
Große Bereiche des neu entdeckten Massivsulfid-Feldes SURYA bestehen aus den Überresten bereits erloschener Hydrothermalquellen. Der abgebrochene Schlot in der Bildmitte besteht in seinem Inneren aus grauem Pyrit, ein Eisensulfid, und Chalkopyrit, einem kupferhaltigen Mineral. Letzteres zeigt an, dass die Temperatur der Fluide über 300 Grad Celsius betragen haben muss.

Große Bereiche des Massivsulfid-Feldes bestehen aus den Überresten bereits erloschener Hydrothermalquellen. Der abgebrochene Schlot besteht aus grauem Pyrit, ein Eisensulfid, und Chalkopyrit, einem kupferhaltigen Mineral. Letzteres zeigt an, dass die Temperatur der Fluide über 300 Grad Celsius betragen haben muss.

Es gleicht einem Déjà-vu-Erlebnis. Wir befinden uns mittlerweile in Cluster 6. Wie vor zwei Jahren in Cluster 11 registrieren die hydroakustischen Messsignale des 100 Meter über dem Meeresboden geschleppten Echolot-Geräts HOMESIDE jetzt auch hier, dass sich im Untergrund eine hydrothermale Quelle befinden muss. Eine nach oben aufsteigende "Rauch"-Fahne in der Wassersäule ist klar erkennbar. Aber die Geräte identifizieren dort keine Trübung durch eisenhaltigen Partikel im Wasser, wie es typisch für "schwarze Raucher" ist.

Auf unserer INDEX2017-Expedition an Bord der SONNE berichtete ich in meinem 10. Logbuch über dieses Mysterium. Damals konnten wir die für uns widersprüchlichen Messergebnisse noch nicht deuten. Erst nach Einsatz weiterer Geräte entdeckten wir in Cluster 11 ein Massivsulfid-Vorkommen anderer Art, das "NEW SONNE"-Feld. Deshalb ist Fahrtleiter Dr. Ulrich Schwarz-Schampera heute beim Morgen-Meeting sicher: Wir haben ein neues aktives Massivsulfid-Vorkommen in Cluster 6 entdeckt! Die Wassertiefe ist hier, wie beim NEW SONNE-Feld, mit knapp 2900 Metern vergleichsweise gering und wir befinden uns auch hier sieben Kilometer von einer energieliefernden Wärmequelle, dem südostindischen Spreizungsgraben, entfernt.

Euphorie macht sich unter den Forscherinnen und Forschern breit. Wie gut, dass wir das ferngesteuerte Unterwasserboot ROPOS mit an Bord haben und dem Phänomen gleich auf den Grund gehen können. Die bisherige Stationsplanung wird kurzerhand geändert. Der Fahrtleiter ist sich sogar so sicher, dass er dem neuen Erzvorkommen schon vorab einen Namen gibt. Etwas mit "Sonne" muss es sein, schließlich befinden wir uns auf dem Forschungsschiff SONNE. Da wir im Indischen Ozean explorieren und ein Wissenschaftler nepalesischer Herkunft mit an Bord ist, muss dieser ihm gleich übersetzen, was "Sonne" auf Hindi heißt. Danach heißt das neue Erz-Vorkommen SURYA (mit Betonung auf "u"), was auch noch wunderschön klingt.

Das tiefgeschleppte Echolot-Gerät HOMESIDE hat in Cluster 6 das SURYA-Massivsulfid-Feld (roter Kreis) detektiert. Es befindet sich in 2900 Meter Wassertiefe in der Nähe eines Vulkans an einem Steilhang. Sein Durchmesser beträgt zirka 40 Meter.

Bild: BGR

Auch die Wassersäule wird mit den Echolot-Gerät HOMESIDE durchschallt. Eine aufsteigende „Rauch“-Fahne (hellgrün in der Bildmitte) über dem SURYA-Feld ist deutlich erkennbar. An ihr werden die Schallwellen reflektiert und HOMESIDE meldet dieses Signal an das Bathymetrielabor an Bord.

Bild: BGR

Der ROPOS-Temperaturfühler misst 31 Grad Celsius heiße, diffus austretende, durchsichtige Fluide, die das neu entdeckte Erzvorkommen SURYA charakterisieren. Aufgrund der niedrigen Temperatur und des Fehlens von weißen Garnelen an den Austrittsstellen befindet sich dieses aktive Massivsulfid-Feld aller Wahrscheinlichkeit nach am Ende seines Lebenszyklus.

Bild: BGR
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Das tiefgeschleppte Echolot-Gerät HOMESIDE hat in Cluster 6 das SURYA-Massivsulfid-Feld (roter Kreis) detektiert. Es befindet sich in 2900 Meter Wassertiefe in der Nähe eines Vulkans an einem Steilhang. Sein Durchmesser beträgt zirka 40 Meter.

Bild: BGR

Auch die Wassersäule wird mit den Echolot-Gerät HOMESIDE durchschallt. Eine aufsteigende „Rauch“-Fahne (hellgrün in der Bildmitte) über dem SURYA-Feld ist deutlich erkennbar. An ihr werden die Schallwellen reflektiert und HOMESIDE meldet dieses Signal an das Bathymetrielabor an Bord.

Bild: BGR

Der ROPOS-Temperaturfühler misst 31 Grad Celsius heiße, diffus austretende, durchsichtige Fluide, die das neu entdeckte Erzvorkommen SURYA charakterisieren. Aufgrund der niedrigen Temperatur und des Fehlens von weißen Garnelen an den Austrittsstellen befindet sich dieses aktive Massivsulfid-Feld aller Wahrscheinlichkeit nach am Ende seines Lebenszyklus.

Bild: BGR

Das ROPOS-Team ist schon startklar. Der Tauchgang beginnt. Gleich bei der Ankunft am Meeresboden ist klar: Wir haben tatsächlich eine neues Massivsulfid-Vorkommen entdeckt. Sicherstes Anzeichen sind weiße Anemonen, Schnecken und Krebse. Von denen gibt es hier reichlich, wenn auch eher kleine Exemplare. Vor uns offenbart sich ein Schuttfeld aus rot, gelb und grün angelaufenen Massivsulfiden, die sich mit kissen- oder zahnpasta-förmigen dunkelgrauen Basalten abwechseln. Dünne lange weiße Peitschenkorallen haften vereinzelt daran und wiegen sich sanft hin und her als das ROPOS vorbeifährt. Da wir uns hier an einem untermeerischen Steilhang befinden, sind große Teile des Vorkommens in die Tiefe gestürzt.

Auch der Basalt ist an vielen Stellen mit roten, gelben und grünen Verwitterungsmineralen überzogen. Das weist auch hier darauf hin, dass heiße Fluide über 300 Grad Celsius am Werk waren. Reste ehemals aktiver Erzschornsteine ragen vereinzelt hervor. An einigen Stellen flimmert das Wasser leicht. Hier treten ganz sachte durchsichtige Fluide diffus aus dem Schotterfeld aus. Eine Messung mit dem Temperaturfühler des ROPOS ergibt, dass diese gerade einmal 31 Grad Celsius haben. "Schwarze Raucher", deren Fluide zirka 300 Grad heiß sind, sehen wir nirgends. Auch die weißen Garnelen, von denen es sonst am Rand aktiver Erzschornsteinen nur so wimmelt, gibt es nicht. Das zeigt uns, dass hier in jedem Fall viel weniger Nährstoffe vorhanden sind, als in Feldern mit aktiven "schwarzen Rauchern".

Nachdem ROPOS das Areal umfahren hat, ist klar: Hier handelt es sich augenscheinlich um ein Hydrothermalfeld am Ende seines Lebenszyklus. Mit 40 Metern Durchmesser ist es fast so groß wie ein halbes Fußballfeld und im Vergleich zu anderen, bisher im deutschen Lizenzgebiet entdeckten, Feldern auch eher klein. Allerdings taucht dort ein bis dato gänzlich unbekanntes, phantastisches Lebewesen vor uns auf wie von einem anderen Stern. Und als wir die Proben an Bord der SONNE aus dem ROPOS bergen, ist die Überraschung riesig. Doch davon berichte ich in meinem nächsten Blog.

 

Viele Grüße von Bord der SONNE!

Bettina Landsmann