01. Apr. 2020
Mike Cheadle (Wyoming University, links) und Daniele Brunelli (Universität Modena, rechts) beim Übertragen von Strukturdaten vom Aufschluss auf jene orientierte Proben, die mit dem Bremer ROV "Quest" (Remotely Operated Vehicle) genommen wurden. Dazu ist es notwendig, das Video des entsprechenden Tauchganges genau zu analysieren.

Mike Cheadle (Wyoming University, links) und Daniele Brunelli (Universität Modena, rechts) beim Übertragen von Strukturdaten vom Aufschluss auf jene orientierte Proben, die mit dem Bremer ROV "Quest" (Remotely Operated Vehicle) genommen wurden. Dazu ist es notwendig, das Video des entsprechenden Tauchganges genau zu analysieren.

Wochenbericht Nr. 4: Abbruch und Aufbruch

Nach der Entscheidung, Expedition SO273 wegen der SARS-COVID19 Pandemie vorzeitig zu beenden, wurden keine weiteren wissenschaftlichen Stationen gefahren, so dass die Kartierungsarbeiten, sowie die Probenahme mittels ROV und Dredge als abgeschlossen anzusehen sind. So wurden in der zurückliegenden Woche vor allem die bereits genommenen Proben bearbeitet: die Gesteinsbeschreibungen wurden zu Ende gebracht; alle Proben wurden fotografiert; in "Sampling Parties" erfolgte die Zuordnung der Proben (oder Teile davon) zu den unterschiedlichen Arbeitsgruppen; Verpackung der Proben und Etikettierung unter Anwendung von IGSN Proben-Nummern. IGSN steht dabei für "International Geo Sample Number", ein alphanumerischer Code, der eine eindeutige Identifizierung von geologischen Proben beinhaltet und eine Verwendung und den Austausch der Proben in unserer internationalen Wissenschaftlergruppe deutlich einfacher macht. Die Registrierung dieser Codes erfolgte vorab in dem "System for Earth Sample Registration" (SESAR).

Besonderes Augenmerk wurde auf die Orientierung solcher Proben gelegt, die eine "Foliation" aufweisen und die mittels Tauchroboter "orientiert" genommen wurden. Unter Foliation versteht man, dass bestimmten Gesteinen, meist über tektonische Prozesse, eine bestimmte Orientierung aufgeprägt wurde (z.B. eine Plattigkeit wie bei Tonschiefern), deren Quantifizierung (sog. Strukturdaten: Richtung der Foliation; Einfallswinkel) nötig ist, um die Entstehung eines Gebirges oder die strukturelle Orientierung einzelner Teile davon zu rekonstruieren. Dazu müssen unbedingt die Strukturdaten sowohl der Gesteine als auch des ganzen Aufschlusses berücksichtigt werden, wobei letzteres über das "heading" und "dipping" des Tauchroboters bereitgestellt wird. Bei der Gesteinscharakterisierung wird diesen Proben dann, über das genaue Analysieren des Tauchvideos, bzw. der hochaufgelösten Einzelaufnahmen, die Orientierung des Aufschlusses übertragen. Damit können dann in der wissenschaftlichen Bearbeitung an Land, unter Anwendung von Licht- oder Elektronenmikroskopen, die Mikrogefüge der Gesteine charakterisiert werden und in Bezug zu den Strukturelementen des Aufschlusses gebracht werden. Diese Ergebnisse werden insbesondere gebraucht, um die Entstehung des "Brunelli-Ridges" durch Transpression in der Eric-Simpson-Fracture Zone erklären zu können.

Im weiteren Verlauf des Transits Richtung Cape Town wurden alle benutzten Labore abgebaut und gereinigt. Das mitgebrachte Equipment sowie die genommenen Proben wurden in dem entsprechenden Container untergebracht. Darüber hinaus wurden bis zum Eintreten in die EEZ (Exclusive Economic Zone) von Südafrika Multibeam-Daten erhoben, die dann, wie in unseren Arbeitsgebieten auch, entsprechend weiterverarbeitet wurden. Diese Arbeit wurde durch ein Team von Watchstandern erledigt, die in 3 Schichten rund um die Uhr arbeiteten und sich überwiegend aus BSc- und MSc- Studierenden der Universitäten Hannover, Erlangen, Münster, Berlin und Bremen zusammensetzten. Am 26.3.2020 wurde mit dem Erreichen der Bucht von Kapstadt und der erfolgten Ausschiffung des südafrikanischen Observers auf See die Expedition beendet.

Wir machen uns große Sorgen über die Situation zu Hause, und wünschen allen Daheimgebliebenen Gelassenheit und vor allem Gesundheit. Vom Transit nach Deutschland, 29. März 2020, 23° S / 9° E

Jürgen Koepke, Fahrtleiter, Institut für Mineralogie, Leibniz Universität Hannover


 Die Wochenberichte der SO273 Expedition finden Sie ebenfalls unter: https://www.geo.uni-hannover.de/de/expedition-marion/