25. Jan. 2018

Chris Jones bei der Arbeit im Geochemielabor.

Die Sonne hat in Buenos Aires abgelegt und die Forschungsarbeiten am Kon­ti­nen­tal­hang vor Ar­gen­ti­ni­en und Uru­gu­ay aufgenommen. Im ersten Beitrag von hoher See berichtet Chris Jones, Student an der Oklahoma State Universität, sowohl von der Geochemie in den Sedimenten vom Ozeanboden als auch von der Chemie zwischen den enthusiastischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus ganz verschiedenen Fachrichtungen.

Hallo, mein Name ist Chris Jones und ich bin Student der Oklahoma State Universität in Stillwater, Oklahoma (USA). Oklahoma ist quasi das Übergangsgebiet von der bewaldeten Region rund um den Mississippi, hin zum Fuß der Rocky Mountains. Der Bundesstaat Oklahoma ist durch verschiedene Landschaften, wie kleine Berge, Hügel, weite Ebenen und bewaldete Flusstäler und Seen gekennzeichnet. Eine Sache fehlt jedoch, nämlich eine Küste. Tatsächlich ist dies nicht nur das erste Mal, dass ich auf einem Forschungsschiff bin, sondern auch auf dem Ozean. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man diese Erfahrung hätte besser machen können als hier. Ich bin Teil der Geochemie-Arbeitsgruppe an Bord und alle haben mich von Anfang an sehr unterstützt und mir dabei geholfen, mich mit dem Leben auf See und bei der Zusammenarbeit im Labor zurecht zu finden.

In der Arbeitswelt ist das Klingeln des Weckers ein allgegenwärtiger Vorbote von Furcht, hier jedoch nicht. Ja klar, ich liebe Schlaf genauso wie jeder andere Student (das steht direkt nach Essen auf meiner Liste), aber hier bedeutet es den Beginn eines neuen Tages auf dem Tiefseeforschungsschiff Sonne. Ich rolle mich zur Bettkante, springe aus dem oberen Stockbett und hüpfe unter die Dusche. Klingt wie ein normaler Tag, richtig? Nun – stell dir vor, du machst das, während du völlig schläfrig Balance halten musst, in einer großen Kiste, die sich ständig bewegt. Sich mal hebt und senkt oder hin und her rollt. Frühstück gibt es ab 07:00 Uhr und besteht häufig aus verschiedenen traditionellen deutschen Gerichten, einer Auswahl an frischem und knackigem Obst und Dingen wie Müsli und Joghurt.

Nach nur einer Woche auf dem Schiff wird mir klar, dass das Leben auf dem Ozean völlig anders ist als das an Land. Mit der Geochemie-Gruppe der Sonne erlebe ich den Ozean beim ersten Mal nicht auf einem Disneyschiff, sondern auf einem großen Forschungsschiff. Hier habe ich das Privileg, zusammen mit netten und talentierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Entwicklung des Argentinien-Beckens zu erforschen.

Ende eines Arbeitstags: der Sonnenuntergang.

Ende eines Arbeitstags: der Sonnenuntergang.

Bild: Chris Jones
Blick ins Geochemielabor auf der Sonne.

Blick ins Geochemielabor auf der Sonne.

Bild: Chris Jones
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Ende eines Arbeitstags: der Sonnenuntergang.

Bild: Chris Jones

Blick ins Geochemielabor auf der Sonne.

Bild: Chris Jones

Der Arbeitstag startet meist mit unserem Gruppenmeeting um 8:15 Uhr. Hier diskutieren wir den Stationsplan für den Tag oder welche Kerne und Messungen wer heute erledigen muss. Klingt das nicht wie ein Rezept für totales Chaos? Der Versuch einen Haufen enthusiastischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sehnsüchtig ihre Proben sammeln wollen, unter einen Hut zu kriegen, könnte wie eine Herausforderung wirken. Dennoch sind alle immer sehr bemüht, zusammen zu arbeiten und den Arbeitsfluss nicht zu stören.

Es folgt ein Arbeitstag, an dem Sedimentkerne aufgeschnitten, Proben gesammelt und extrahiertes Porenwasser analysiert werden. Als Teil der Geochemie-Gruppe erstellen wir Porenwasserprofile von gelöstem Eisen und Sulfid (diese verlaufen gegensätzlich), pH-Wert, Redoxpotential, gelöstem anorganischen Kohlenstoff, Alkalität und verschiedenen Nährstoffen wie Silikat, Ammonium und Phosphat. All diese individuellen Parameter charakterisieren einen Sedimentkern von der geochemischen Seite. Jedoch ist einer der interessantesten Aspekte auf dieser multidisziplinären Fahrt: die Interaktion der verschiedenen Arbeitsgruppen zu sehen und mitzuerleben. Beispielsweise bin ich in unserer Gruppe auf die Messung des Sulfidgehaltes im Porenwasser spezialisiert und habe aus erster Hand gesehen, wie die Anwesenheit von Monosulfid-Mineralen (FeS), die als schwarze schmierige Flächen im Kern auftreten, tatsächlich die Übergangszone von gelöstem Eisen und gelöstem Sulfid ist. Diese Interdisziplinarität und Überschneidung der Expertisen der verschiedenen Arbeitsgruppen ist nur eine von vielen, denn unsere wöchentlichen Wissenschaftsmeetings im Konferenzraum beinhalten häufig einen Diskurs über das Zusammenspiel der vorläufigen Ergebnisse der geochemischen Signale, Mikrobiologie, Sedimentologie und wie diese das Resultat aus Sedimentation am Meeresboden sind. Darüber und über die Struktur des Kontinentalhanges und die Sedimentationsbedingungen erfahren wir durch die Seismik. Die verschiedenen Gruppen (Geochemie, Mikrobiologie, Sedimentologie, Wassersäule, Geophysik) sind alle ein Teil dieser umfassenden Expedition mit dem Ziel, die marine Welt ein bisschen besser kennen zu lernen.

Nun, ich, ein junger Student aus Oklahoma, der noch nie auf einem Schiff war, darf diese wunderbare und erleuchtende Erfahrung für die nächsten Wochen machen und jeden Tag mit einer willkommenen Pause beenden, während die Sonne am Horizont verschwindet. Ich warte allerdings immer noch auf den grünen Blitz!