07. Feb. 2018

Chauncey, unser Hochschulmaskottchen mit seiner Tauchausrüstung, bereitet sich auf sein Tauchabenteuer zum Meeresboden an Bord des Schwerelotes vor.

Wie viele 19-jährige Studierende haben die Möglichkeit, eine wissenschaftliche Expedition an Bord eines Forschungsschiffes zu begleiten und das auch noch mit der Erfahrung eines ersten Auslandsaufenthaltes zu kombinieren? Für mich wurde diese unglaubliche Vorstellung jetzt zur Realität. Mein Name ist JT Durica, ich bin Student an der Coastal Carolina Universität, South Carolina, USA und begleite diese Expedition des Forschungsschiffs Sonne als ein Teil der Sedimentologie- und Geologiegruppe.

Wir sind eine große Gruppe, bestehend aus zehn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus verschiedenen Ländern, deren Disziplinen von Geologie über Sedimentologie bis zu Paläozeanographie reichen. Dabei arbeiten wir mit Geochemikern, Magnetikern und Geophysikern zusammen, um interessante Lokationen zu finden, an denen man Sedimentkerne ziehen kann. Gezogene Sedimentkerne werden von uns an die einzelnen Abteilungen für Probenahmen, Porenwasseranalysen und die Bestimmung weiterer physikalischer Parameter weiter gegeben. In erster Linie arbeiten wir mit vier verschiedenen Beprobungsgeräten: dem Schwerelot, dem Multicorer, dem Großkastengreifer und dem Backengreifer.

Nachdem eine Lokation ausgewählt wurde, das jeweilige Gerät zum Aussetzen bereit ist und die Sonne auf der Station angekommen ist, beginnt das große Getümmel, wobei alle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Hangar auf die Ankunft ihrer nächsten Probe warten. Normalerweise beginnt jede Station mit einem Multicorer, Großkastengreifer oder Backengreifer, um die Bedingungen an der jeweiligen Stelle für ein Schwerelot zu testen und eine Probe von der Sedimentoberfläche zu erhalten. Diese vorangehenden Tests sind sehr interessant, da sie häufig eine Vielfalt von "Schätzen" wie verschiedene Steine, Lebewesen aus der Tiefe und viele Korallen an die Oberfläche befördern. Darum sammeln sich dann alle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, um einen Blick auf die neue Probe zu erlangen.

Nach der Beprobung der Oberfläche wird nach Möglichkeit ein Schwerelot, ein Rohr das bis zu 15 Meter in den Meeresboden eindringen kann, gezogen. Unsere Gruppe ist dafür verantwortlich, den Kern in einen Meter lange Segmente zu teilen, ihn zu beschriften und ihn der Länge nach in zwei Teile zu schneiden, bevor sie weiter gegeben werden. Sobald alle Messungen und Probenahmen abgeschlossen sind, werden die Kerne detailliert beschrieben und in einem Kühlcontainer eingelagert. Man kann sagen, dass wir viel Zeit damit verbringen, die Kerne von einem Labor ins andere zu transportieren. Auf der anderen Seite habe ich jedoch in den letzten Wochen mehr Tischfußball gespielt, als in meinem ganzen Leben zuvor. Trotz der vielen Aufgaben tagsüber findet unsere Gruppe meist noch einen Moment für ein kurzes Spiel, ob es während einer Transitstrecke zwischen zwei Stationen ist oder der Kern noch ein paar 1000 Meter durch die Wassersäule überwinden muss, bis er an Deck ist.

Dr. Graziella Bozzano (li.) und Dr. Till Hanebuth (re.) sehen sich den Inhalt eines Kastengreifers an, der aus einem Contourit-Kanal am Meeresboden entnommen wurde und zahlreiche Steine enthält.

Dr. Graziella Bozzano (li.) und Dr. Till Hanebuth (re.) sehen sich den Inhalt eines Kastengreifers an, der aus einem Contourit-Kanal am Meeresboden entnommen wurde und zahlreiche Steine enthält.

Bild: AWI
Seitenansicht eines Großkastengreifers mit Korallenfragmenten, der an einem Kaltwasserkorallen-Mound gewonnen wurde.

Seitenansicht eines Großkastengreifers mit Korallenfragmenten, der an einem Kaltwasserkorallen-Mound gewonnen wurde.

Bild: Janina Bösche
Janina Bösche, Grit Warratz, und Brit Kockisch beim Verschließen und Beschriften der einzelnen Kernsegmente, welche im Anschluss gespalten werden.

Janina Bösche, Grit Warratz, und Brit Kockisch beim Verschließen und Beschriften der einzelnen Kernsegmente, welche im Anschluss gespalten werden.

Bild: Natascha Riedinger
Josh Long und JT Durica schauen zu, wie Klaus Dehning, Marco Klann und Stephano Crivellari den Kernfänger eines Schwerelotes entfernen.

Josh Long und JT Durica schauen zu, wie Klaus Dehning, Marco Klann und Stephano Crivellari den Kernfänger eines Schwerelotes entfernen.

Bild: Sabine Kasten
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Dr. Graziella Bozzano (li.) und Dr. Till Hanebuth (re.) sehen sich den Inhalt eines Kastengreifers an, der aus einem Contourit-Kanal am Meeresboden entnommen wurde und zahlreiche Steine enthält.

Bild: AWI

Seitenansicht eines Großkastengreifers mit Korallenfragmenten, der an einem Kaltwasserkorallen-Mound gewonnen wurde.

Bild: Janina Bösche

Janina Bösche, Grit Warratz, und Brit Kockisch beim Verschließen und Beschriften der einzelnen Kernsegmente, welche im Anschluss gespalten werden.

Bild: Natascha Riedinger

Josh Long und JT Durica schauen zu, wie Klaus Dehning, Marco Klann und Stephano Crivellari den Kernfänger eines Schwerelotes entfernen.

Bild: Sabine Kasten

Meine Aufgaben an Bord sind der Transport von Sedimentkernen und verschiedenen Geräten, das Beproben der Kerne, die Reinigung von Materialien und Arbeitsplätzen, sowie das Zuschneiden und Zerteilen der Kerne. Außerdem hatte ich die Chance, bei der Beprobung der Wassersäule mitzuhelfen. Das fand nachts unter dem Mondlicht statt, wobei Schwärme von Fischen und sogar ein Hai angelockt wurden. Auch wenn ich auf den ersten Blick nicht die größte Rolle in der Gruppe spiele, fühlt es sich trotzdem so an, als wäre ich ein wichtiger Teil, dank aller Forscher und Forscherinnen, die mich in ihre Gedankenprozesse, Beobachtungen und Diskussionen einbeziehen.

Neben der bedeutenden wissenschaftlichen Erfahrung ist diese Expedition auch ein kulturelles Erlebnis. Es war zunächst ein Kulturschock für mich, sprachlich nicht alles zu verstehen, da an Bord Deutsch, Englisch, Italienisch, Portugiesisch und Französisch gesprochen wird. Alles, von den Mahlzeiten bis zu den Gesprächen am Tisch, hat mir neue Eindrücke vermittelt, die ich nirgendwo sonst hätte so bekommen können. Trotz der vielen verschiedenen Menschen mit den diversesten Hintergründen kommen wir hier als Gruppe zusammen, mit einem gemeinsamen Ziel, einem besseren wissenschaftlichen Verständnis unserer Umwelt. Auch wenn das hier nicht meine erste Expedition an Bord eines Forschungsschiffes ist, ist es eine der lehrreichsten und denkwürdigsten Erfahrungen, die ich bisher hatte.