13. Jun. 2018
Mussel Mania in Niua North

Mussel Mania in Niua North.

Wie können Muscheln unter unwirtlichsten Bedingungen existieren? Dieser Frage geht das Expeditionsteam in dieser Woche nach. Der dritte Bericht von Bord der Sonne vom Tonga-Inselbogen.

Nachdem wir in dem rund 1200 Meter tiefen Arbeitsgebiet Niua South jede Menge Gesteinsproben und Fluide über 300°C beproben konnten, lautet unser nächstes Arbeitsgebiet Niua North. Dieses liegt in nur circa 700 Meter Wassertiefe, und, wie der Name schon andeutet, etwa zehn Kilometer nördlich vom ersten Arbeitsgebiet Niua South.

Der Hydrothermalismus äußert sich hier ganz anders – nicht in Form von schwarzen Rauchern, sondern eher als weiße Raucher. Die Fluide sind sehr sauer (pH 1.8), sehr schwefelhaltig und gasreich; das Ventfeld wird auch "Hellow Vents" genannt. Während wir in Niua South nur eine einzige Muschel gefunden haben, gibt es in Niua North gleich ein ganzes Feld: Mussel Mania. Die Mikrobiologin Merle Ücker und ihr Kollege Miguel Ángel González Porras vom Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie in Bremen warten schon gespannt auf die ersten Muscheln aus diesem Gebiet.

Miguel Ángel González Porras und Merle Ücker vom Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie in Bremen mit zwei der Bathymodiolus Muscheln im Labor.

Miguel Ángel González Porras und Merle Ücker vom Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie in Bremen mit zwei der Bathymodiolus Muscheln im Labor.

Bild: C. Kleint/Jacobs University
Eine geöffnete Bathymodiolus Muschel, bereit für die Sezierung.

Eine geöffnete Bathymodiolus Muschel, bereit für die Sezierung.

Bild: C. Kleint/Jacobs University
Weißer Raucher in Niua North, Hellow Vents.

Weißer Raucher in Niua North, Hellow Vents.

Bild: MARUM − Zentrum für Marine Umweltwissenschaften/Universität Bremen
Das Feld

Das Feld "Mussel Mania" in Niua North.

Bild: MARUM − Zentrum für Marine Umweltwissenschaften/Universität Bremen
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Miguel Ángel González Porras und Merle Ücker vom Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie in Bremen mit zwei der Bathymodiolus Muscheln im Labor.

Bild: C. Kleint/Jacobs University

Eine geöffnete Bathymodiolus Muschel, bereit für die Sezierung.

Bild: C. Kleint/Jacobs University

Weißer Raucher in Niua North, Hellow Vents.

Bild: MARUM − Zentrum für Marine Umweltwissenschaften/Universität Bremen

Das Feld "Mussel Mania" in Niua North.

Bild: MARUM − Zentrum für Marine Umweltwissenschaften/Universität Bremen

Das Netz, mit dem MARUM-QUEST jede Menge der Bathymodiolus-Muscheln eingesammelt hat, wird in einer Schublade am Tauchfahrzeug ROV (Remotely Operated Vehicle) sicher verstaut. Sobald das MARUM QUEST an Deck kommt, muss es schnell gehen: Um eine Veränderung der Muscheln zu verhindern, werden sie sofort im Labor des Forschungsschiffs Sonne seziert. Das für die Mikrobiologie interessanteste Organ sind die stark ausgeprägten Kiemen, welche bakterielle Symbionten enthalten. Diese Symbionten sind der Grund, warum die Muscheln "da unten" überhaupt überleben können; wo es dunkel ist und eigentlich kein organisches Material als Nahrung zur Verfügung steht. Die Symbionten sind in der Lage, die chemischen Verbindungen aus den hydrothermalen Fluiden als Energie zu nutzen, um Biomasse herzustellen - ein Prozess, der als Chemosynthese bekannt ist. Die Biomasse wird direkt an ihren Wirt weitergeleitet: die Muschel.

Zurück in Bremen werden die Kiemen der Muscheln im Labor weiter untersucht. Durch "Molekularsprache" will das Mikrobiologie-Team verstehen, wie die Symbionten mit den Muscheln interagieren, wie divers die Symbionten sind und welchen Einfluss die Umwelt auf ihre Population hat.