20. Aug. 2018
Eine Dreizehenmöwe macht eine Pause auf dem Rettungsboot.

Eine Dreizehenmöwe macht eine Pause auf dem Rettungsboot.

Die ersten Tage auf der Akademik Tryoshnikov hat die bunte Besatzung bereits hinter sich und alle freuen sich auf eine erfolgreiche Expedition, über ihr schwimmendes Zuhause und die langersehnte Kälte nördlich des 66. Breitengrades. Sandra Tippenhauer und ihre Kolleginnen und Kollegen geben ein paar erste Einblicke.

Wir sind gut in Archangelsk und auf der Tryoshnikov angekommen. Ein Teil unseres Teams ist bereits in Kirkenes eingestiegen und von dort mit der Tryoshnikov nach Archangelsk gefahren. Durch einen Sturm und umfangreiche Grenzformalitäten hatte sich die Abfahrt etwas verzögert. Inzwischen haben aber alle ihre Kammern bezogen und wir sind dabei die Container auszuräumen, die Labore einzurichten und die Geräte vorzubereiten. Endlich wird es auch kälter draußen. Auf so einem Eisbrecher kann es nämlich ganz schön warm werden, wenn die Umgebung zu warm ist.

Im Folgenden schildert Miriam Hansen von der Universität Kiel, wie sie die letzten Tage erlebt hat:
"Nach der Verzögerung, welche die Spannung und Anspannung lediglich steigerte, wurde unsere Forschungstruppe zum Hafen von Archangelsk gebracht. Nach einer zügigen Passkontrolle ging es auf‘s Schiff. Mein großer Koffer und ich verließen als letztes den festen Hafenboden und hievten uns gemeinsam die Gangway hinauf. Keine zehn Minuten später klappte sie hoch, die Leinen wurden gelöst und wir entfernten uns langsam und stetig von der Pier. Warm eingepackt stand ich an der Reling und blickte in die beinah schwarze Nacht. Die grellen Lichter des Hafens, die bunten Kräne und Schiffe wurden kleiner und versanken mehr und mehr im Mantel der Nacht, während wir vom Lotsen die Flussmündung hinaus bis auf‘s offene Meer begleitet wurden. In diesem Moment begriff ich, dass die Akademik Tryoshnikov und das uns umgebene Meer für die nächsten Wochen mein Zuhause sein würden. Für mich als Neuling auf einem Forschungsschiff war dies ein unglaubliches und überwältigendes Gefühl.

Jakob Belter beim Kisten-Schleppen vom Container in die Labore.

Jakob Belter beim Kisten-Schleppen vom Container in die Labore.

Bild: Dr. Heidemarie Kassens
Expeditionsleiterin Dr. Heidemarie Kassens bei der Sicherheitsübung mit Schwimmweste und warmer Mütze.

Expeditionsleiterin Dr. Heidemarie Kassens bei der Sicherheitsübung mit Schwimmweste und warmer Mütze.

Bild: Simon Hummel
Expeditionsleiter Dr. Benjamin Rabe und Kollegin Carina Engicht überprüfen die Container.

Expeditionsleiter Dr. Benjamin Rabe und Kollegin Carina Engicht überprüfen die Container.

Bild: Dr. Heidemarie Kassens
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Jakob Belter beim Kisten-Schleppen vom Container in die Labore.

Bild: Dr. Heidemarie Kassens

Expeditionsleiterin Dr. Heidemarie Kassens bei der Sicherheitsübung mit Schwimmweste und warmer Mütze.

Bild: Simon Hummel

Expeditionsleiter Dr. Benjamin Rabe und Kollegin Carina Engicht überprüfen die Container.

Bild: Dr. Heidemarie Kassens

Anschließend ging es zum ersten Mal auf die Kabine. Sie gleicht einer auf zehn Quadratmeter geschrumpften gemütlichen "Ein-Raum-Wohnung", die ich mit meiner Kammergenossin Nicole bewohne. Neben einem Stockbett gibt es reichlich Stauraum, ein eigenes Badezimmer, sowie Schreibtisch und Sofa. Zum Wäschetrocknen spannten wir direkt ein kreativ verflochtenes Netz aus Nylon unter die Decke der Kammer. Binnen eines Tages gewöhnte ich mich an das sanfte gleichmäßige Schaukeln des Schiffes und lerne mittlerweile eine Art „Schiffsalltag“ kennen. Er beginnt mit einem pünktlichen Frühstück um 7.30 Uhr. Eine Sicherheitsübung, angeleitet von einem Besatzungsmitglied, schulte unsere gesamte Gruppe in den grundlegenden Schritten im Falle eines Alarms an Bord. Dabei ging es darum, zügig warme Kleidung, festes Schuhwerk sowie Schwimmweste anzuziehen, das Oberdeck zu erreichen und dann geordnet die Rettungsboote zu besteigen. Nun freue ich mich auf die anstehende Arbeit in der Arktis und bin gespannt auf viele neue Erlebnisse."

Mittlerweile haben wir den Polarkreis bei 66 Grad Nord überschritten und dampfen in Richtung Nordost zu unserer ersten Station. Dort werden wir versuchen, eine Verankerung aufzunehmen, die 2013 ausgelegt wurde. Eine Verankerung besteht aus einem langen Seil, an dem verschiedene Messgeräte angebracht sind. (Mehr dazu in einem der folgenden Beiträge.) Das Seil ist mit einem schweren Gewicht am Meeresboden verankert. Auf der letzten Expedition im Jahr 2015 hatte die Aufnahme leider nicht funktioniert. Das Gerät, welches die Verankerung mit dem Gewicht am Meeresboden verbindet, wollte einfach nicht reagieren. Es heißt "Auslöser". Wir können über Schallwellen im Wasser ein Signal übertragen, welches dem Auslöser sagt, dass er sich öffnen soll. Wenn der Auslöser seinen Haken öffnet, löst sich das Seil von dem Gewicht am Boden und schwimmt auf. Wenn die Messgeräte dann an der Meeresoberfläche sind, können wir sie mit einem Kran auf‘s Schiff holen. Bei dem letzten Versuch hatte sich der Auslöser wie gesagt leider nicht geöffnet, dieses Jahr wollen wir es wieder versuchen. Drückt uns die Daumen!

Viele Grüße,
eure Sandra

Für planeterde berichtet von Bord der Akademik Tryoshnikov Dr. Sandra Tippenhauer vom Alfred-Wegener-Institut.