04. Sep. 2018

Erfolgreiche Bergung: Auftriebskugeln (oben) und Strömungsmesser (unten) kommen an Bord.

Seit unserem letzten Bericht sind wir weiter Richtung Nordost gedampft. Unterwegs hatten wir einen wunderbaren Blick auf Novaya Zemlya und haben sogar ein paar Wale gesehen, während wir uns und das Schiff auf den bevorstehenden Marathon vorbereiteten. Die Akademik Tryoshnikov ist ein sogenannter Versorger, gebaut um die Crew von Polarforschungsstationen auszutauschen und mit Proviant, schweren Geräten, Fahrzeugen und Ersatzteilen zu versorgen. Sie wird auch als Forschungsschiff genutzt und verfügt neben vier Laboren und vier Laborcontainern auch über verschiedene Messgeräte, die wir für unsere Forschungsarbeiten nutzen. Spezielle Ausrüstung, die wir für Verankerungsarbeiten benötigen, haben wir mitgebracht.

Dazu gehört auch der kleine A-Rahmen auf dem Helikopterdeck am Heck des Schiffes. Dieser wurde von unseren amerikanischen Kollegen zusammen mit der Crew der Akademik Tryoshnikov bereits in Kirkenes montiert. Um später die Verankerung mit diesem A-Rahmen aus dem Wasser an Deck zu ziehen, haben wir einen sogenannten "Block" an dem A-Rahmen montiert. Hier war es noch relativ warm. Als wir dann zwei Tage später, nördlich von Severnaya Zemlya, mit den Arbeiten begonnen haben, war es schon deutlich kälter.

Zuallererst haben wir eine Menge Verankerungen geborgen. Wie im letzten Bericht schon kurz beschrieben, besteht eine Verankerung aus einem langen Seil, an dem verschiedene Messegeräte angebracht sind. Ein schweres Gewicht hält das Seil am Boden, während Auftriebskörper das Seil nach oben ziehen. Auftriebskörper bestehen aus luftleeren Glaskugeln oder anderem Material, welches leichter ist als Wasser. Daher würden sie aufschwimmen, wenn das schwere Gewicht sie nicht unter Wasser halten würde. So entsteht eine Perlenschnur aus Messgeräten, die senkrecht im Wasser steht.

Die Messgeräte sind in verschiedenen Tiefen angebracht und messen unter anderem den Druck (und damit die Wassertiefe), die Temperatur, den Salzgehalt und die Strömung. Ganz unten, nahe dem Gewicht am Boden, befinden sich die Auslöser. Von ihnen haben wir im letzten Bericht schon geschrieben. Sie sorgen dafür, dass wir die Geräte wiederbekommen, indem sie einen Haken öffnen und das Seil vom Gewicht lösen. Dann tragen die Auftriebskörper das Seil mit allen Messgeräten langsam an die Oberfläche. Das Gewicht bleibt am Boden stehen. Es besteht aus alten Eisenbahnrädern aus Eisen. Da Eisen ein natürlicher Bestandteil des Meerwassers ist, kann der Ankerstein am Boden stehen bleiben, ganz langsam rosten und sich auflösen, ohne den Ozean zu verschmutzen.

Die aufgeschwommenen Messgeräte werden nach und nach an Bord geholt. Dazu wird ein Ende des Seils an einer Winde befestigt und über das Heck des Schiffs langsam nach oben gezogen. Bei jedem Messgerät muss die Winde angehalten und das Seil gesichert werden. Erst dann kann das Messgerät vom Seil abgebaut werden. Danach wird das Seil weiter eingeholt, bis zum nächsten Gerät. So arbeiten wir uns von Gerät zu Gerät.

Blast Wal

Blast eines Wals.

Bild: Simon Hummel
Fluke eines Wals beim Abtauchen.

Fluke eines Wals beim Abtauchen.

Bild: Simon Hummel
bevorstehenden Verankerungsarbeiten. Im Hintergrund ist der A-Rahmen mit dem frisch montierten Block zu sehen.

Besprechung der bevorstehenden Verankerungsarbeiten. Im Hintergrund ist der A-Rahmen mit dem frisch montierten Block zu sehen.

Bild: Moira O'Malley
Das obere Ende der Verankerung hängt kopfüber am Seil: Acht Auftriebskugeln und zwischen ihnen ein Gerät, welches misst wie dick das Eis über der Verankerung ist.

Das obere Ende der Verankerung hängt kopfüber am Seil: Acht Auftriebskugeln und zwischen ihnen ein Gerät, welches misst wie dick das Eis über der Verankerung ist.

Bild: Simon Hummel
Blick auf Novaya Zemlya

Blick auf Novaya Zemlya.

Bild: Simon Hummel
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Blast eines Wals.

Bild: Simon Hummel

Fluke eines Wals beim Abtauchen.

Bild: Simon Hummel

Besprechung der bevorstehenden Verankerungsarbeiten. Im Hintergrund ist der A-Rahmen mit dem frisch montierten Block zu sehen.

Bild: Moira O'Malley

Das obere Ende der Verankerung hängt kopfüber am Seil: Acht Auftriebskugeln und zwischen ihnen ein Gerät, welches misst wie dick das Eis über der Verankerung ist.

Bild: Simon Hummel

Blick auf Novaya Zemlya.

Bild: Simon Hummel

Morgens um 7:30 Uhr begannen wir mit der ersten Verankerung. Schon nach 4,5 Stunden hatten wir 2300 Meter Seil und 22 Messgeräte an Bord. Nun kamen erst einmal andere Forschungsgeräte zum Einsatz (über die wir später berichten werden), sodass wir ein paar Stunden Zeit hatten, uns zu erholen. Für das Verankerungsteam ging es um 19:45 Uhr weiter mit der zweiten Verankerung. Leider regnete es in Strömen. Dennoch hatten wir nach vier Stunden alles an Bord. Nachdem alle Geräte gesichert waren, bereiteten wir alles für die dritte Verankerung vor, hängten unsere Sachen, so gut es ging, zum Trocknen und gingen schlafen. Als wir um 5:30 Uhr mit der dritten Verankerung anfingen, hatte es zum Glück aufgehört zu regnen. Dafür hatte der Wind zugenommen. Nachdem das Seil endlich an der Winde befestigt war, fingen wir an, es langsam an Bord zu ziehen. Durch den starken Wind war sehr viel Spannung auf dem Seil und die Arbeiten waren deutlich schwerer als bei den beiden vorherigen Verankerungen. Immer wieder mussten wir uns Tricks überlegen, um das Seil abzuspannen und die Geräte abbauen zu können. Ziemlich durchgefroren schafften wir es schließlich pünktlich zum Mittagessen um 11:30 Uhr und genossen wieder eine Erholungspause.

Für die vierte Verankerung fuhren wir ein paar Stunden nach Norden. Um 00:00 Uhr Moskauer Zeit begannen wir, mit den Auslösern zu kommunizieren und auszumessen, wo genau die Verankerung war. Gerade als wir die genaue Position ausgerechnet hatten und die Auslöser auslösen wollten, zog dichter Nebel auf. Nach einer kurzen Beratung mit der Besatzung und der Expeditionsleitung beschlossen wir, dass der Nebel zu dicht war, um die Verankerung an der Meeresoberfläche finden zu können. Ein anderes Gerät wurde vorgezogen, ein Netz für biologische Studien, und wir warteten. Als das Netz abgeschlossen war, hatte der Nebel sich leider immer noch nicht verzogen. Ein weiteres Gerät wurde vorgezogen und wir gingen wieder ins Bett. Inzwischen war es 3:00 Uhr. Zum Frühstück um 7:30 Uhr standen wir wieder auf. Um 8:00 Uhr ging es dann auch tatsächlich los. Der Nebel war immer noch da, aber wir mussten es riskieren. Uns lief die Zeit davon.

Erfreulicherweise funktionierte es wirklich gut, die Verankerung punktgenau neben dem Schiff hochkommen zu lassen. Dies war dem genauen Ausmessen der Position zu verdanken. Das Ausmessen funktioniert folgendermaßen: Man hat eine ungefähre Position der Verankerung. Dann fährt man mit dem Schiff um die Verankerung herum und misst an drei verschiedenen Orten mit einem akustischen Signal die Entfernung zur Verankerung. Aus den drei Entfernungen kann man dann die genaue Position ausrechnen.

Die Verankerung schwamm also wenige Meter neben dem Schiff, wir befestigten ein Seil daran und zogen dann, wie zuvor auch, alles nach und nach an Deck. Wie immer im Nebel. Genau so ging es mit den drei verbliebenen Verankerungen weiter. Bei der vorletzten hatten wir sogar etwas Sonne. Innerhalb von vier Tagen haben wir insgesamt sieben Verankerungen vollständig an Bord gebracht. Kein Gerät ist verloren gegangen. Ein voller Erfolg!

Dies war nur möglich durch die gute Vorbereitung und Zusammenarbeit im internationalen Team, unter der Leitung unserer Technikerin und des Technikers aus Großbritannien. Nun geht es weiter mit Stationsarbeiten. Darüber werden wir im nächsten Log berichten.

Viele Grüße von Bord,

eure Sandra

Für planeterde berichtet von Bord der Akademik Tryoshnikov Dr. Sandra Tippenhauer vom Alfred-Wegener-Institut.