24. Sep. 2018

Strömungsmesser werden kalibriert. Dies kann nicht auf dem Schiff gemacht werden, da der viele Stahl den Kompass der Strömungsmesser zu sehr beeinflusst. Im Hintergrund liegt die Akademik Tryoshnikov an der Eisscholle verteut.

Nach einer weiteren Reihe von CTD-Messungen (siehe Log #3) haben die Eisarbeiten begonnen. Im Eis bewegt sich die Tryoshnikov ganz anders als im offenen Wasser. Das sanfte Schaukeln ist einem Rucken, Vibrieren und Rumpeln gewichen.

Dünnes Eis lässt das Schiff vibrieren, während es durch die Schollen hindurch pflügt. Dickeres Eis jagt ein Rucken durch das Schiff und bremst es merklich ab. Wenn das Eis zu stark ist, rutscht die Tryoshnikov einfach wieder runter vom Eis, entweder zu einer Seite oder rückwärts. Dann heißt es Schwung holen und noch einmal anfahren. Oder den Kurs leicht ändern und die stärkste Stelle umfahren.

Um die Entwicklung des Meereises zu untersuchen, bringen wir eine Reihe von Messsystemen auf dem Eis aus. Dazu suchen wir zunächst eine passende Eischolle. Noch vor wenigen Jahren gab es überwiegend dicke Eisschollen, die mehrere Jahre alt waren. Durch den Klimawandel schmilzt jeden Sommer jedoch sehr viel Eis. So gibt es im darauffolgenden Sommer nur das Eis, welches im Winter neu gebildet wird. Die Arktis ist momentan vielerorts von diesem neuen, einjährigen Eis bedeckt. Am liebsten würden wir genau diese Eisschollen beproben.

Um eine solche Scholle zu finden haben wir mehrere Eisbeobachter. Sie schauen sich Satellitenbilder vom Eis an. Haben sie eine erfolgsversprechende Region gefunden, fahren wir mit dem Schiff dort hin. Unterwegs schauen wir zusätzlich Radarbilder an. Einer von uns steht zusammen mit dem Eisbeobachter oben auf der Brücke und beobachtet das Radarbild und die Umgebung. Ist eine passende Scholle gefunden, wird es spannend. Die Tryoshnikov muss dann an der Scholle anlegen, ohne sie kaputt zu machen. Gar nicht so einfach mit einem so großen Eisbrecher. Die einjährigen Eisschollen sind relativ dünn und so ist es umso schwerer dort anzulegen. Die ausgesuchten Eisschollen sind immer ein Kompromiss aus Sicherheit, wissenschaftlichem Interesse, und technischer Machbarkeit.

Während die Mannschafft das Kunststück vollführt, die 134 Meter lange Tryoshnikov an einer Eischolle anzulegen, ziehen wir Überlebensanzüge an und treffen letzte Vorbereitungen. Dann geht es los. Mit einer Art Korb aus einem Netz und einer Bodenplatte werden wir aufs Eis gesetzt. Zunächst überprüfen wir, zusammen mit dem Eisbeobachter, ob die Scholle wirklich sicher ist. Dann suchen wir passende Stellen aus und bohren Löcher in das Eis. In die Löcher werden verschiedene Messgeräte eingebaut. Zum einen stellen wir eine Wetterstation auf. Sie zeichnet den Wind, die Windrichtung, die Temperatur und den Druck der Luft auf. Ein Schneedickenmessgerät wird auch aufgestellt. Es besteht aus vier kleinen Schallquellen. Sie senden ein akustisches Signal zum Boden und messen die Reflexion. Wird die Schneeschickt dicker, ist der Weg für das Signal kürzer. Genau das registriert die Sonde. Zusätzlich wird auch hier die Lufttemperatur gemessen.

Durch das Loch im Eis schimmert es blau. Es ist mehrere Meter tief. Gleich werden wir ein sechs Meter langes Gestell mit Geräten einbauen.

Durch das Loch im Eis schimmert es blau. Es ist mehrere Meter tief. Gleich werden wir ein sechs Meter langes Gestell mit Geräten einbauen.

Bild: Sandra Tippenhauer
Aufbau der Messanlage für biologische und physikalische Prozesse im und unter dem Eis. Im Hintergrund rechts die schon aufgebaute Wetterstation und das Schneedickenmessgerät.

Aufbau der Messanlage für biologische und physikalische Prozesse im und unter dem Eis. Im Hintergrund rechts die schon aufgebaute Wetterstation und das Schneedickenmessgerät.

Bild: Carina Engicht
Drei Leute halten das sechs Meter lange Gestell, während einer von uns zwei Rohrteile zusammen schraubt.

Drei Leute halten das sechs Meter lange Gestell, während einer von uns zwei Rohrteile zusammen schraubt.

Bild: Sandra Tippenhauer
Durch den Eisnebel hat sich eine Eischicht über das Schneedickenmessgerät gelegt. Diese müssen wir erst noch vorsichtig entfernen, bevor wir das Gerät ausbringen.

Durch den Eisnebel hat sich eine Eischicht über das Schneedickenmessgerät gelegt. Diese müssen wir erst noch vorsichtig entfernen, bevor wir das Gerät ausbringen.

Bild: Sandra Tippenhauer
Durch den Eisnebel hat sich eine Eischicht über das ganze Schiff gelegt. Hier ein eingefrorener Spanngurt.

Durch den Eisnebel hat sich eine Eischicht über das ganze Schiff gelegt. Hier ein eingefrorener Spanngurt.

Bild: Sandra Tippenhauer
Die Sonne kommt langsam durch Wolken und Nebel. Der Stock, der auf Höhe des Horizonts durch das Bild ragt, wird genutzt um die Dicke von Eischollen abzuschätzen, wenn sie gebrochen wurden und sich drehen.

Die Sonne kommt langsam durch Wolken und Nebel. Der Stock, der auf Höhe des Horizonts durch das Bild ragt, wird genutzt um die Dicke von Eischollen abzuschätzen, wenn sie gebrochen wurden und sich drehen.

Bild: Sandra Tippenhauer
Ein Regenbogen im Eisnebel.

Ein Regenbogen im Eisnebel.

Bild: Sandra Tippenhauer
1 / 7

Durch das Loch im Eis schimmert es blau. Es ist mehrere Meter tief. Gleich werden wir ein sechs Meter langes Gestell mit Geräten einbauen.

Bild: Sandra Tippenhauer

Aufbau der Messanlage für biologische und physikalische Prozesse im und unter dem Eis. Im Hintergrund rechts die schon aufgebaute Wetterstation und das Schneedickenmessgerät.

Bild: Carina Engicht

Drei Leute halten das sechs Meter lange Gestell, während einer von uns zwei Rohrteile zusammen schraubt.

Bild: Sandra Tippenhauer

Durch den Eisnebel hat sich eine Eischicht über das Schneedickenmessgerät gelegt. Diese müssen wir erst noch vorsichtig entfernen, bevor wir das Gerät ausbringen.

Bild: Sandra Tippenhauer

Durch den Eisnebel hat sich eine Eischicht über das ganze Schiff gelegt. Hier ein eingefrorener Spanngurt.

Bild: Sandra Tippenhauer

Die Sonne kommt langsam durch Wolken und Nebel. Der Stock, der auf Höhe des Horizonts durch das Bild ragt, wird genutzt um die Dicke von Eischollen abzuschätzen, wenn sie gebrochen wurden und sich drehen.

Bild: Sandra Tippenhauer

Ein Regenbogen im Eisnebel.

Bild: Sandra Tippenhauer

Dann bauen wir ein Metallgerüst mit Lichtsensoren auf. Sie messen die Sonneneinstrahlung auf dem Eis - und auch, wie viel Licht unter dem Eis ankommt. Zusätzlich wird der Teil des Lichts bestimmt, der vom Eis wieder reflektiert wird. Um gleichzeitig die Struktur und Dicke des Eises zu messen, hängen wir eine Kette aus sehr kleinen Temperatursensoren durch das Eis. Diese Kette hat gleichzeitig eine Art Heizung. Sie wird von Zeit zu Zeit kurz angeschaltet um dann zu messen wie schnell die Umgebung wieder abkühlt. Daraus kann man viel über das Eiswachstum lernen. Geschmolzen wird das Eis davon nicht.

Das größte Gestell, welches wir ausgebracht haben, ist eine Konstruktion aus einem langen Rohr mit verschiedenen Geräten. In verschiedenen Tiefen sind biologische und physikalische Sensoren im Eis und im Wasser darunter angebracht. Hiermit wollen wir untersuchen, welchen Einfluss Temperatur und Salzgehalt auf das Wachstum von Kleinstlebewesen haben. Die gesammelten Daten von allen Geräten werden per Satellit übertagen. Manche Geräte tragen auch eine Kamera. Auf dem Meereisportal können die Daten und Bilder angeschaut werden. Soweit erst einmal zu den aufgebauten Geräten. Zusätzlich vermessen wir die Schnee- und Eisdicke und nehmen Proben. Dazu später mehr.

Während der Arbeit auf dem Eis müssen wir aufpassen, dass uns kein Eisbär zu nahe kommt. Dafür haben wir eine Eisbärenwache auf der Brücke. Sollte sich ein Eisbär nähern, gehen wir sofort zurück auf das Schiff. Zur Sicherheit ist trotzdem immer ein Jäger mit auf dem Eis. Im allergrößten Notfall soll er einen Bärenangriff abwehren, falls wir es nicht schnell genug auf das Schiff schaffen. Die oberste Priorität ist aber immer, niemanden zu verletzten - weder uns noch einen Bären. Unsere Messgeräte würden wir im Notfall zurück lassen.

Viele Grüße
eure Sandra

Für planeterde berichtet von Bord der Akademik Tryoshnikov Dr. Sandra Tippenhauer vom Alfred-Wegener-Institut