25. Sep. 2018

Die vier POMOR-Studentinnen auf dem Helikopterdeck der Akademik Tryoshnikov.

Bei der Ausfahrt sind auch vier Studierende des Masterstudiengangs für Polar- und Meereswissenschaften POMOR mit dabei, die an Bord der Akademik Tryoshnikov ihr Berufspraktikum durchführen. Im Folgenden berichten die Studierenden über ihre Erfahrungen. Wir möchten im Zusammenhang mit diesem Interview gerne darauf hinweisen, dass sich im Team der Wissenschaftler alle mit “Du” anreden und Englisch gesprochen wird. Wir haben die Antworten für diesen Beitrag übersetzt.

Seit fünf Wochen gehört ihr zum internationalen Team an Bord der Akademik Tryoshnikov. In 12-Stunden-Schichten seid ihr fest eingebunden in die Stationsarbeiten und bis heute habt ihr hunderte von Wasserproben genommen, gefiltert und verpackt. Wird die Arbeit nicht langweilig?
Auch wenn wir jeden Tag die gleiche Arbeit machen, scheint sie nie langweilig zu werden. Es ist toll zu wissen, dass wir die Proben später genauer analysieren können, um herauszufinden was wirklich im Ozean passiert.

Der Stationsbetrieb läuft rund um die Uhr und wir versuchen die Schiffszeit immer so effizient wie möglich zu nutzen. Selbst bei schlechtem Wetter gibt es keine Atempausen, weil es auf der Akademik Tryoshnikov bisher keinen starken Seegang gegeben hat. Auf kleinen Forschungsschiffen kann es auch mal passieren, dass die Forschungsarbeiten aufgrund schlechter Wetterverhältnisse unterbrochen werden müssen. Trotzdem: Wie ist das Leben an Bord und was macht ihr in der Freizeit?
Das Leben an Bord ist extrem lustig. Wir haben Glück und leben alle zusammen in einer großen Kammer. So sind unsere Tage nie langweilig. Übrigens, wir sind wirklich überrascht von dem Komfort auf dem Schiff. Das Essen ist gut und wir genießen es nach harter Arbeit in die Sauna zu gehen.  

Was hat euch bisher besonders beeindruckt?
Die Reise selbst ist ein außergewöhnliches Erlebnis in unserem Leben. Wir waren noch niemals so hoch im Norden, wir haben Eisberge und Meereis gesehen, wir haben einen Sturm überlebt und wir sind auf einer Eisscholle gewesen.

Ein Praktikum auf einer Forschungsstation oder an Bord eines Forschungsschiffes ist fester Bestandteil von POMOR. Habt ihr durch das Praktikum einen Einblick in den Beruf eines Meeres- und Polarforschers bekommen?
Wir sind sehr glücklich die Möglichkeit zu haben, an einer echten Polarexpedition teilzunehmen. Nur hier können wir lernen, wie Forschende arbeiten. Zur Zeit sind die Hälfte aller POMOR-Studierenden auf See und erkunden das Nordpolarmeer. Jeden Tag verlieben wir uns mehr und mehr in die Arktis. Dieses Praktikum hat uns inspiriert, weiter im Bereich der Wissenschaft zu arbeiten.


Hintergrund

Der deutsch-russische Masterstudiengang für Polar- und Meereswissenschaften POMOR ist ein fächerübergreifender englischsprachiger Studiengang. Unter Federführung der Universitäten Hamburg und St. Petersburg wird POMOR durch ein Netzwerk von Universitäten und Forschungseinrichtungen in Deutschland und Russland getragen. Dazu gehören die Universitäten Bremen, Kiel und Potsdam, die Technische Universität Hamburg, das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, das Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), das Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde und das Institut für Arktis- und Antarktisforschung in St. Petersburg (AARI). Gefördert wir POMOR durch die beteiligten Einrichtungen und das deutsche Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

Im 1. und 2. Semester findet das Lehrprogramm an der Staatlichen Universität St. Petersburg und am Otto-Schmidt-Labor für Polar- und Meeresforschung am AARI statt. Das 3. Semester absolvieren die Studierenden an einer der deutschen Partneruniversitäten in Hamburg, Bremen, Kiel oder Potsdam. Alle Studierenden nehmen an mehrwöchigen Expeditionen in die Arktis teil und sind damit direkt in aktuelle Forschungsprojekte eingebunden. Russische und deutsche Dozenten bestreiten das Lehrprogramm und betreuen gemeinsam die Masterarbeiten.

POMOR schließt mit je einem Master of Science der Universitäten Hamburg und St. Petersburg ab. Mehr als zwei Drittel der Absolventinnen und Absolventen haben ein Promotionsstudium im Rahmen der deutsch-russischen Forschungsprojekte aufgenommen. Damit bilden sie zusammen mit den in die Projekte eingebundenen Forschenden ein zukunftweisendes Netzwerk und stärken die Polar- und Meeresforschung beider Länder.

Viele Grüße
Heidi und Sandra

Für planeterde berichten von Bord der Akademik Tryoshnikov Dr. Heidemarie Kassens vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel und Dr. Sandra Tippenhauer vom Alfred-Wegener-Institut