28. Sep. 2018
Arbeiten auf dem Eis.

Arbeiten auf dem Eis: Auspacken der Kisten und Vorbereiten der Geräte und Eisbohrer.

Sonne, Eis und blauer Himmel. Endlich! Die Expedition TRANSDRIFT XXIV neigt sich bald dem Ende zu, da lüftet der ewige Nebel endlich sein schweres Gewand. Doch der blaue Himmel, der sich Sandra Tippenhauer und der restlichen Besatzung zeigt, ist ein nächtlicher... Die Uhren laufen verkehrt herum an Bord der Tryoshnikov.

Es ist 19:30 Uhr. Wir sind gerade aufgestanden, um mit dem Abendessen in den Tag zu starten. Die Sonne geht gerade auf. Wie kommt das?

Wir sind auf 81 Grad Nord und 164 Grad Ost. Unsere Schiffszeit haben wir jedoch nicht umgestellt, seit wir aus Archangelsk losgefahren sind. Das hat zur Folge, dass die Sonne gegen 19 Uhr aufgeht, die ganze Nacht scheint und gegen 12 Uhr mittags wieder untergeht. Für die Arbeiten auf dem Eis brauchen wir Tageslicht. Daher ist unser Tagesrhythmus gerade verkehrtherum. Wir stehen abends auf, arbeiten die ganze Nacht und gehen nach dem Frühstück wieder schlafen. Man merkt dies eigentlich nur an den Essenszeiten. Für alles andere spielt die Uhrzeit ohnehin keine Rolle.

Diese verschobenen Zeiten kommen dadurch zustande, dass wir uns in der Zeitzone von Tokio oder sogar Sydney befinden, aber die Uhrzeit von Moskau eingestellt haben. Wir hätten die Uhren auf dem Schiff auch umstellen können, sodass die Schiffszeit der entsprechenden Zeitzone entspricht. Da wir aber 9 Zeitzonen durchfahren haben, hätten wir die Uhr sehr oft umstellen müssen. Dies ist ziemlich aufwändig, da alle Abläufe auf dem Schiff dann verschoben würden. So kommt es also, dass wir abends mit dem Sonnenaufgang anfangen zu arbeiten.

Um die Messgeräte im Eis zu befestigen, wird ein Loch gebohrt.

Um die Messgeräte im Eis zu befestigen, wird ein Loch gebohrt.

Bild: Carina Engicht
Eisbärenwache auf der Brücke.

Eisbärenwache auf der Brücke.

Bild: Benjamin Rabe
Die Kette aus sehr kleinen Temperatursensoren (weiß) durch das Eis hängt an einem weißen Gestell. An dem Metallgestell sind die Strahlungssensoren angebracht.

Die Kette aus sehr kleinen Temperatursensoren (weiß) durch das Eis hängt an einem weißen Gestell. An dem Metallgestell sind die Strahlungssensoren angebracht.

Bild: Benjamin Rabe
Vorbereiten der Arbeiten, um Eiskerne zu ziehen. Das rote Rohr mit dem orangenen Gewinde wird benutzt, um die Kerne zu ziehen.

Vorbereiten der Arbeiten, um Eiskerne zu ziehen. Das rote Rohr mit dem orangenen Gewinde wird benutzt, um die Kerne zu ziehen.

Bild: Benjamin Rabe
Eiskern geborgen: Hier liegt der Eiskern aus dem Rohr auf Eis.

Eiskern geborgen: Hier liegt der Eiskern aus dem Rohr auf Eis.

Bild: Benjamin Rabe
Der A-Rahmen, den wir für die Verankerungsarbeiten verwenden. Er ist überzogen von einer dicken Eisschicht.

Der A-Rahmen, den wir für die Verankerungsarbeiten verwenden. Er ist überzogen von einer dicken Eisschicht.

Bild: Sandra Tippenhauer
Die Sonne schimmert durch ein mit Eis und Eiskristallen besetztes Gitter.

Die Sonne schimmert durch ein mit Eis und Eiskristallen besetztes Gitter.

Bild: Sandra Tippenhauer
Eines der Kleinstlebewesen, genauer gesagt ein Ruderfußkrebs, die wir im Eis gefunden haben.

Eines der Kleinstlebewesen, genauer gesagt ein Ruderfußkrebs, die wir im Eis gefunden haben.

Bild: Vasily Povazhnyy
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Um die Messgeräte im Eis zu befestigen, wird ein Loch gebohrt.

Bild: Carina Engicht

Eisbärenwache auf der Brücke.

Bild: Benjamin Rabe

Die Kette aus sehr kleinen Temperatursensoren (weiß) durch das Eis hängt an einem weißen Gestell. An dem Metallgestell sind die Strahlungssensoren angebracht.

Bild: Benjamin Rabe

Vorbereiten der Arbeiten, um Eiskerne zu ziehen. Das rote Rohr mit dem orangenen Gewinde wird benutzt, um die Kerne zu ziehen.

Bild: Benjamin Rabe

Eiskern geborgen: Hier liegt der Eiskern aus dem Rohr auf Eis.

Bild: Benjamin Rabe

Der A-Rahmen, den wir für die Verankerungsarbeiten verwenden. Er ist überzogen von einer dicken Eisschicht.

Bild: Sandra Tippenhauer

Die Sonne schimmert durch ein mit Eis und Eiskristallen besetztes Gitter.

Bild: Sandra Tippenhauer

Eines der Kleinstlebewesen, genauer gesagt ein Ruderfußkrebs, die wir im Eis gefunden haben.

Bild: Vasily Povazhnyy

Die aufgehende Sonne taucht die Eislandschaft um uns herum in schimmerndes Rot. Die Tage zuvor hatten wir Nebel, während es gleichzeitig gefroren hat. Dieser Eisnebel hat das Schiff an vielen Stellen mit einer zentimeterdicken Eisschicht überzogen. Und überall hängen Eiszapfen. Auf dieser Eisschicht haben sich nun Eiskristalle angesetzt. Es sieht toll aus!
In diesem Schnee und Eisparadies starten wir um 21 Uhr abends auf die ausgesuchte Eisscholle (siehe Log #5).

Vom Helikopterdeck hinüber zu schweben und diese Landschaft aus 35 Meter Höhe zu betrachten, ist atemberaubend. Die Eisscholle auf der wir die nächsten 8 Stunden arbeiten werden, ist ungefähr 120 Meter lang und 100 Meter breit. Es gibt einige ehemalige Schmelztümpel die wieder zugefroren sind. Wir testen vorsichtig die Stabilität des Eises und stellen Flaggen auf. Die Flaggen zeigen an, an welchen Stellen wir uns besser nicht aufhalten. Einzubrechen wäre sehr gefährlich. Jeder von uns trägt eine Wurfleine, die er im Notfall zu jemand anderem hinüber werfen könnte.

Warm eingepackt machen wir uns an die Arbeit. Geräte transportieren, Löcher bohren, aufbauen. An manchen Stellen nehmen wir auch Schnee- und Eisproben. Dazu schrauben wir ein Rohr mit Gewinde in das Eis. Das Eis in der Mitte des Rohres wird so ausgeschnitten, nach oben herausgezogen und in Kisten verpackt. Später werden verschiedene Untersuchungen gemacht. Es wird zum Beispiel gemessen, wie viel Salz, Nährstoffe, Kleinstlebewesen oder Spurenelemente im Eis enthalten sind. Wir interessieren uns beispielsweise für die Artenzusammensetzung der Kleinstlebewesen (Kopepoden: harpacticoid) oder die Verteilung der Spurenelemente.

Während eine Reihe von Eiskernen gezogen werden, vermessen wir außerdem die Eis- und Schneedicke der gesamten Scholle. Dazu wird ein Gerät auf einem Schlitten über die Scholle gezogen. Mit Hilfe eines Magnetfeldes wird die Eisdicke bestimmt. Eine Person geht vor dem Schlitten her und misst die Schneedicke.

Insgesamt haben wir acht Eisstationen durchgeführt. Nach sechs intensiven Tagen fahren wir nun wieder nach Süden. Es geht weiter mit einer Linie aus CTD- (wie in Log #3 beschrieben) und Turbulenzmessungen.

Viele Grüße,
eure Sandra

Für planeterde berichtet von Bord der Akademik Tryoshnikov Dr. Sandra Tippenhauer vom Alfred-Wegener-Institut.