12. Okt. 2018
Polarlichter und Vollmond in der letzten Forschungsnacht.

Polarlichter und Vollmond in der letzten Forschungsnacht.

Eine spannende und erfolgreiche Expedition liegt hinter der Besatzung der Akademik Tryoshnikov. Den Nebel der Laptewsee haben sie mittlerweile hinter sich gelassen und alle kehren mit wichtigen neuen Erkenntnissen zurück in den Heimathafen – und einem deutlichen Verlangen nach Vitaminen.

Wir sind wieder zuhause und das bedeutet, wir können endlich wieder etwas Frisches essen. Nach so langer Zeit auf See gibt es neben Kartoffeln, Nudeln, Reis und Fleisch irgendwann nur noch Krautsalate. Die Freude über frisches Gemüse und sogar Obst ist daher groß! Genauso groß wie die Freude über den erfolgreichen Abschluss unserer Reise.

In den vergangenen sechs Wochen haben wir insgesamt 137 Stationen durchgeführt. Dabei haben wir Messungen mit der CTD durchgeführt, biologische und chemische Wasser- und Netzproben genommen und Turbulenz gemessen. Außerdem haben wir meteorologische und ozeanographische Messstationen auf dem Eis installiert, 14 Verankerungen geborgen und eine Verankerung ausgesetzt.

Bei jeder der CTD-Messungen haben wir mit einer Hochleistungskamera auch die Verteilung von Zooplankton und Partikeln im Wasser untersucht. Dazu wurden 20 Bilder pro Sekunde aufgezeichnet. Mit diesen Bildern können wir zum Beispiel den Transport von Kohlen- und Stickstoff von den sibirischen Schelfmeeren in die Tiefsee untersuchen. Dies ist eine wichtige Komponente des arktischen Kohlenstoffkreislaufes.

Mit den gesammelten Daten werden wir in den kommenden Jahren viel über die biologischen, chemischen und physikalischen Prozesse in der östlichen Arktis lernen. Die Verankerungen zum Beispiel, die wir zu Beginn der Reise aufgenommen haben, waren für drei Jahre im Wasser. Sie standen nördlich von Severnaya Zemlya in einer Reihe und haben die Strömung, die Temperatur und den Salzgehalt der Region aufgezeichnet. Hier strömt relativ warmes und salziges Wasser nördlich an Severnaya Zemlya vorbei in Richtung der Laptewsee. Dieses Wasser kommt ursprünglich aus dem Atlantik. Es ist durch die Framstraße in das Nordpolarmeer geströmt und fließt in etwa 200 bis 250 Meter Tiefe entlang des Kontinentalhanges. Diese Strömung nennt sich Arktischer Randstrom, da sie am Rande des Nordpolarmeeres, entgegen des Uhrzeigersinns, die Arktis umströmt.

Karte des Arbeitsgebietes des Projektes CATS.

Karte des Arbeitsgebietes des Projektes CATS.

Bild: Erstellt von Markus Janout. Bearbeitet von Sandra Tippenhauer.
Das Bild aus 200 Meter Wassertiefe zeigt eine wenige Millimeter lange Meduse.

Das Bild aus 200 Meter Wassertiefe zeigt eine wenige Millimeter lange Meduse.

Bild: Andreas Rogge
Die Akademik Tryoshnikov vor der Station Cape Baranov.

Die Akademik Tryoshnikov vor der Station Cape Baranov.

Bild: Vasily Povazhnyy
1 / 3

Karte des Arbeitsgebietes des Projektes CATS.

Bild: Erstellt von Markus Janout. Bearbeitet von Sandra Tippenhauer.

Das Bild aus 200 Meter Wassertiefe zeigt eine wenige Millimeter lange Meduse.

Bild: Andreas Rogge

Die Akademik Tryoshnikov vor der Station Cape Baranov.

Bild: Vasily Povazhnyy

In der Laptewsee trifft das relativ warme und salzige Wasser aus dem Randstrom auf eine andere Wassermasse, also auf Wasser mit anderen Eigenschaften. In dieser Region münden drei der zehn größten Flüsse der Erde in das Meer. Ob und Yenisey leiten große Mengen an Süßwasser in die Karasee während die Lena direkt in die Laptewsee fließt. Das Süßwasser aus Ob und Yenisey mischt sich mit dem Meerwasser in der Karasee. Das dann relativ salzarme Wasser strömt durch die Vilkitsky Straße in die Laptewsee.

Das Wasser aus dem Arktischen Randstrom mischt sich mit dem Wasser aus der Karasee und der Lena und kühlt sich ab, je weiter es nach Osten fließt. Dieser Mischprozess und das Abkühlen sind wichtig für den weiteren Verlauf der Strömung, für die Eisbildung, für die Lebewesen und für die Ablagerungen von Sediment am Boden. Sollte das warme Wasser aus 200 Meter Tiefe durch starke Vermischung näher an die Oberfläche kommen, hätte dies große Auswirkungen auf die Eisbedeckung in der Arktis. Alle diese Prozesse wollen wir mit den gesammelten Daten besser verstehen.

Einen Großteil der Reise haben wir im Nebel verbracht, unterbrochen von wenigen sehr schönen Sonnentagen. Ein paar Stürme haben uns zwischenzeitlich die Arbeit etwas erschwert, aber unterbrechen mussten wir die Arbeit nur einmal. Für einige Stunden durften wir nicht nach draußen an Deck gehen, weil die Verletzungsgefahr zu groß war. Aber die Akademik Tryoshnikov lag auch bei starkem Wind immer noch vergleichsweise ruhig in den Wellen. Am letzten Tag hat sich dies schlagartig geändert. Wir hatten Rückenwind und sind in das Weiße Meer vor Archangelsk eingelaufen. Dort fing die Tryoshnikov an so stark von einer Seite auf die andere zu rollen, wie in den letzten sechs Wochen nicht. Gegen Ende der Reise hatte es sich mal wieder gelohnt all unser Hab und Gut, vom Messgerät bis zur Zahnbürste, sicher verstaut zu haben.

Inzwischen sind die meisten Expeditionsteilnehmer wieder zuhause und genießen den sonnigen Herbst. Die Tryoshnikov fährt weiter bis nach Kiel. Dort können wir dann in zwei Wochen die Container mit unseren Geräte und Proben in Empfang nehmen.

Wir hoffen, dass wir mit unseren Berichten einen Einblick in unsere Arbeit und Forschung geben konnten. Wer unsere Arbeiten im östlichen Teil der Arktis weiter verfolgen möchte, ist eingeladen auf der Projektseite Transdrift vorbei zu schauen.

Weitere Informationen auch zu anderen Forschungsfragen können auf den Seiten des Alfred-Wegener-Instituts und des GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel gefunden werden.

Damit ein letztes mal viele Grüße,
eure Sandra

Für planeterde berichtet von Bord der Akademik Tryoshnikov Dr. Sandra Tippenhauer vom Alfred-Wegener-Institut.