07. Feb. 2020
Die Nachbarinsel Moorea.

Die Nachbarinsel Moorea.

Unsere Expedition stand zunächst unter keinem guten Stern: Erst führten defekte Schiffspropeller 2018 dazu, dass die Expedition um ein Jahr und zwei Monate verschoben wurde. Dann traf pünktlich zu Weihnachten 2019 die nächste Hiobsbotschaft ein, dass der Bohrturm nicht in Wassertiefen über 2.000 Meter bohren könne. Ganz klar schien da irgendwie der Wurm drinzustecken. Und trotz der anfänglichen Schwierigkeiten haben wir die Expedition erfolgreich zu Ende geführt und sind gestern gegen Mittag in Papeete, Tahiti, im Hafen eingelaufen.

Auf einmal sind 34 Tage auf See vergangen – viel schneller, als ich es mir je ausgemalt hätte. Generell sind wir an einem unserer letzten Tage in der Stimmung darauf zurückzuschauen, wie wir uns die Ausfahrt vor der Anreise vorgestellt haben – und wie es nur wirklich war. Diese Frage haben sich viele von uns Wissenschaftlern gestellt. 

Ich persönlich bin mit dem International Ocean Discovery Program (IODP) zum ersten Mal 2016 in Berührung gekommen, als ich auf einer Konferenz einen Vortrag mit Fotos zu einer Ausfahrt mit der JOIDES Resolution (JR) gesehen habe. Als ich dann 2017 meine Promotion in Heidelberg begann, und selbst an Sedimentproben einer IODP Expedition (Exp. 342) anfing zu arbeiten, war ich auf einmal selber Teil dieses beeindruckenden Programms, dass die faszinierende Geschichte der Erde, wie sie in den Sedimenten der Meere und Gesteinen aufgezeichnet ist, erforscht. Und als dann Anfang 2018 die Zusage auf meine Bewerbung, an Expedition 378 teilzunehmen eintraf, war ich schier aus dem Häuschen. 

Ich war stolz wie Oskar, aus einem Topf von vielen Bewerbern*innen ausgewählt worden zu sein. Ich dachte an die vielen Forschern*innen, die schon auf diesem Forschungsschiff mitgefahren sind und deren beeindruckende Veröffentlichungen ich immer wieder bei meinen Literaturrecherchen hervorgeholt hatte. Die Vorfreude stieg stetig, jedoch machten sich gleichzeitig aber auch Aufregung und Ehrfurcht in Angesicht der bevorstehenden Expedition breit. Was würden wohl 12-Stunden-Schichten – an sieben Tagen der Woche, Kabinen ohne Fenster, Sturm und Wellengang im Südpazifik, ein Haufen neuer Leute, die mir erstmal fremd sein werden, mit sich bringen? 

Zwölf Stunden vor Ankunft – die Taue liegen schon bereit.

Bild: Ursula Röhl, MARUM

Land in Sicht – Moorea.

Bild: Ursula Röhl, MARUM

Land in Sicht – Tahiti.

Bild: Ursula Röhl, MARUM

Tahiti.

Bild: Ursula Röhl, MARUM

Letzter Abend an Bord.

Bild: Ursula Röhl, MARUM

Im Kino der JR.

Bild: Ursula Röhl, MARUM

Fast da!

Bild: Ursula Röhl, MARUM

Treffen mit dem Pilotenboot.

Bild: Ursula Röhl, MARUM

JR bei der Einfahrt in den Hafen von Papeete, Tahiti.

Bild: Ursula Röhl, MARUM

Die Gangway von der JR wird heruntergelassen.

Bild: Ursula Röhl, MARUM

Goodbye JR!

Bild: Ursula Röhl, MARUM

Blick von Tahiti auf Moorea.

Bild: Ursula Röhl, MARUM
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Zwölf Stunden vor Ankunft – die Taue liegen schon bereit.

Bild: Ursula Röhl, MARUM

Land in Sicht – Moorea.

Bild: Ursula Röhl, MARUM

Land in Sicht – Tahiti.

Bild: Ursula Röhl, MARUM

Tahiti.

Bild: Ursula Röhl, MARUM

Letzter Abend an Bord.

Bild: Ursula Röhl, MARUM

Im Kino der JR.

Bild: Ursula Röhl, MARUM

Fast da!

Bild: Ursula Röhl, MARUM

Treffen mit dem Pilotenboot.

Bild: Ursula Röhl, MARUM

JR bei der Einfahrt in den Hafen von Papeete, Tahiti.

Bild: Ursula Röhl, MARUM

Die Gangway von der JR wird heruntergelassen.

Bild: Ursula Röhl, MARUM

Goodbye JR!

Bild: Ursula Röhl, MARUM

Blick von Tahiti auf Moorea.

Bild: Ursula Röhl, MARUM

So fragte ich einige meiner Kollegen*innen, wie sie sich die Ausfahrt im Vorhinein ausgemalt haben: „Nach den Debakeln mit der Zeitplanung unserer Expedition bin ich ganz ehrlich gesagt, ganz ohne Erwartungen hergekommen“, erzählen mir sowohl Hojun (Südkorea) als auch Blanca (Spanien). Heather (USA) teilt mir mit, dass sie von ihrem Doktorvater viele Informationen zum Leben an Bord der JR bekommen hat, weswegen sie recht gelassen auf die Expedition geschaut hat. Eleni (Deutschland) hingegen sagt mir, dass sie im Vorhinein viel Respekt vor den Schichten als auch der Menge an Arbeit hatte. 

 Und wie war es nun wirklich? Zusammengefasst: Viel besser als erwartet. Da sind sich alle einig. Heather schwärmt zum Beispiel vom guten Essen (aber nicht vom Kaffee, der ist verbesserungswürdig) und den bequemen Betten. Eleni und Blanca stimmen sich gegenseitig zu, dass das Leben und Arbeiten an Bord der JR super ist. Die Stimmung ist super freundlich und gelassen, die wissenschaftliche Crew harmoniert wunderbar mit den Labortechnikern*innen, was die Arbeit sehr angenehm macht. Hojun fügt hinzu, dass er inspiriert sei von der allgemeinen Atmosphäre unter den Wissenschaftler*innen, und dass wir alle von der gleichen Begeisterung für Tiefseesedimente getrieben sind. Auch sind sich alle einig, dass trotz der anstrengenden Schichten meistens noch ein wenig Zeit bleibt für Freizeit.

In einem Punkt sind sich alle einig: Das Ende der Expedition ist viel zu abrupt. Es fühlt sich an, als wären wir alle gerade mit den Arbeitsabläufen warmgelaufen und hätten uns an das Leben auf hoher See gewöhnt, da ist auch schon wieder alles vorbei. Doch für viele von uns bleibt die Hoffnung bestehen, dass wir es eines Tages mit voll funktionstüchtigem Bohrturm und schnurrenden Propellern an die verbliebenen Lokationen im Südpazifik schaffen werden, um Expedition 378 zu vervollständigen.

Swaantje Brzelinski

5.2.2020


Die Logbuch-Einträge der IODP Expedition 378 finden Sie ebenfalls unter: https://www.marum.de/Entdecken/Logbuch-IODP-Exp-378.html