10. Jan. 2020
Erste Sicherheitsübung an Bord der JR – ausgestattet mit Helm, Sicherheitsweste und festen Schuhen.

Erste Sicherheitsübung an Bord der JR – ausgestattet mit Helm, Sicherheitsweste und festen Schuhen.

Ein Schiff, 30 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus zwölf Nationen mit einem gemeinsamen Ziel: Südpazifik!

Am 6. Januar stechen wir mit der JOIDES Resolution ("JR") in See mit Kurs gen Süden. Aus tropischen Gefilden in Fidschi machen wir uns auf die Reise zum Campbell Plateau, 176 Kilometer südlich der Auckland Island gelegen (52°S), wofür wir 35 Breitengrade durchqueren werden. Dafür sind neun Tage Transit-Zeit angesetzt worden. Doch diese Zeit wird nicht zum Kaffeetrinken und Sonnen genutzt. Um uns auf die großen wissenschaftlichen Herausforderungen dieser Expedition in aller Sorgfalt und Gründlichkeit vorzubereiten, werden wir über die kommenden Tage geschult. Um in die "Welt der JOIDES Resolution" einzutauchen, hören wir anfangs Vorträge, die uns mit den Dimensionen dieses schwimmenden Labors vertraut machen werden.

Die JR ist seit 1985 im Einsatz wissenschaftlicher Bohrfahrten auf den Meeren unseres Planeten unterwegs. Auf 143 Meter Schiffslänge und sieben Decks verteilen sich Lagerräume, Maschinenraum, Labore, Brücke, Aufenthalts- und Computerraum, ein Kino, Kabinen, Kombüse, ein kleines "Krankenhaus", Bibliothek und das wohl auffälligste Merkmal: Der 61.5 Meter hohe Bohrturm. Um uns in diesem Labyrinth zurechtzufinden, führt uns die Crew durch das Schiff. Dabei bekommen wir Tipps, wie wir unser Leben auf der JR am besten gestalten, sodass es angenehme vier Wochen auf See werden. Fragen wie "Wann gibt es Essen?", "Wie trenne ich meinen Müll an Bord?", "Wen rufe wir an, wenn die Toilette verstopft ist?", "Wie und wo kann ich Emails abrufen, und wie halte ich Kontakt mit der Außenwelt, während wir an Bord sind?", werden beantwortet. Für Außenstehende mögen diese Fragen banal wirken, an Bord sind sie essentiell. Noch dazu ist es für viele der Wissenschaftler*innen die erste Expeditionsfahrt auf der JR und daher eine völlig neue Welt.

Auf dem Schulungsplan steht auch das Thema Sicherheit. An Bord der JR gilt das Motto "Safety First"! Der Kapitän und der erste Offizier eröffnen, dass es wöchentlich Sicherheitstrainings gibt, in denen Feueralarm und Notfälle simuliert werden. Wir lernen, wie wir uns im Fall eines Notfalls kleiden, wo sich Schwimmwesten und Überlebensanzüge, Notausgänge und Notfallsammelplätze befinden. Und dann klingelt direkt am Dienstag, 7. Januar, der Alarm. Alle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler müssen sich am richtigen Rettungsboot einfinden – mit Helm, Sicherheitsbrille und geschlossenen Schuhen ausgestattet. Dabei dürfen wir uns auch mal in die Rettungsboote von innen ansehen (nichts für Klaustrophobiker*innen)

Blick von der Brücke.

Bild: Ursula Röhl, MARUM

Vom Lagerplatz wird das Bohrgestänge – ein Rohr nach dem anderen – über eine Rampe Richtung Bohrturm gezogen.

Bild: Ursula Röhl, MARUM

Das Kernstück der JR, der Bohrturm, ist 61,5 Meter hoch.

Bild: Ursula Röhl, MARUM

Von dieser Kabine aus wird der Bohrvorgang gesteuert.

Bild: https://www.marum.de/Entdecken/Logbuch-IODP-Exp-378.html

Labyrinth des Bohrgestänges: Aneinandergelegt hat die JR 8.000 Meter an Bohrgestänge dabei!

Bild: https://www.marum.de/Entdecken/Logbuch-IODP-Exp-378.html

Für jede Bohrtechnik gibt es spezielle Bohrköpfe, mit denen in den Ozeanboden gebohrt wird.

Bild: https://www.marum.de/Entdecken/Logbuch-IODP-Exp-378.html

Bevor es losgeht, muss jeder seinen Sicherheitsanzug testen – auch Swaantje Brzelinski.

Bild: Simon George, IODP
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Blick von der Brücke.

Bild: Ursula Röhl, MARUM

Vom Lagerplatz wird das Bohrgestänge – ein Rohr nach dem anderen – über eine Rampe Richtung Bohrturm gezogen.

Bild: Ursula Röhl, MARUM

Das Kernstück der JR, der Bohrturm, ist 61,5 Meter hoch.

Bild: Ursula Röhl, MARUM

Von dieser Kabine aus wird der Bohrvorgang gesteuert.

Bild: https://www.marum.de/Entdecken/Logbuch-IODP-Exp-378.html

Labyrinth des Bohrgestänges: Aneinandergelegt hat die JR 8.000 Meter an Bohrgestänge dabei!

Bild: https://www.marum.de/Entdecken/Logbuch-IODP-Exp-378.html

Für jede Bohrtechnik gibt es spezielle Bohrköpfe, mit denen in den Ozeanboden gebohrt wird.

Bild: https://www.marum.de/Entdecken/Logbuch-IODP-Exp-378.html

Bevor es losgeht, muss jeder seinen Sicherheitsanzug testen – auch Swaantje Brzelinski.

Bild: Simon George, IODP

Die JR als "schwimmendes Labor" zu bezeichnen, rührt nicht von irgendwo her: An Bord befinden sich um die acht verschiedenen Labore, in denen unter anderem eine Menge Chemikalien gelagert werden und beeindruckende wissenschaftliche Gerätschaften stehen. Da darf natürlich eine Aufklärung über das Risiko bei der Arbeit mit Chemikalien und Sicherheitsrisiken in Punkto Strahlung nicht fehlen.

Dann nimmt uns Drilling Operation Superintendent Kevin Grigar auf eine Tour mit, die uns an die Orte und Anlagen auf dem Schiff führt, die diese Ausfahrt und unsere Forschung überhaupt ermöglichen. Erster Stopp ist die Brücke: Wir erhalten Einblick in die faszinierende Welt des Kapitäns und seiner Unteroffiziere. Sie steuern die JR Tag und Nacht in Richtung Süden zum Campbell Plateau südlich von Neuseeland. Nicht nur die Anzahl an Radaren, Steuerelementen und weiteren bunt-leuchtenden Knöpfen beeindruckt, sondern auch die spektakuläre Aussicht. (Foto).

Von der Brücke machen wir uns auf in Richtung Heck. Wir machen Halt am ersten von zwei Lagerplätzen der Bohrstangen und Kevin erklärt, wie diese in Richtung Bohrturm über eine Rampe heraufgezogen werden. Anschließend kommen wir am magischen Ort dieses Schiffes an: dem Bohrturm. Zwar dürfen wir nicht auf den Turm heraufsteigen - dafür sind die Mechaniker an Bord speziell trainiert und tragen Sicherheitsequipment, um Stürze zu vermeiden. Aber unten drunter zu stehen und in den 61.5 Meter (zum Vergleich: das ist eine Höhe von etwa acht Einfamilienhäusern) hohen Bohrturm hinaufzuschauen, ist genauso spektakulär.

Kevin zeigt uns die Kabine, von der aus die Gerätschaften des Bohrturms aus gesteuert und kontrolliert werden, unter anderem die Last, die der Bohrturm aushält. Ein wenig erinnert diese Kabine an die eines Kranführers, nur viel größer und spektakulärer. Anschließend bewegen wir uns ein Stockwerk tiefer, mit Blick auf ein Labyrinth aus unzähligen Bohrstangen: Hier lagern weitere sage und schlage 8.000 Meter Bohrgestänge.

Weiter geht es zu Bubba Attryde (Core Tech/Toolpusher) und Mark Robinson (Offshore Installation Manager), die uns die verschiedenen Bohrtechniken und die dafür nötigen Bohrköpfe vorführen. Auf den ersten Blick erscheinen diese wie unfassbar massive, metallene Monsterköpfe, mit lustigen Knöpfen auf den Rotoren. Doch diesen um die 35.000 US-Dollar teuren Bohrköpfen verdanken wir im Endeffekt unzählig erfolgreich erbohrte Kerne des internationalen Ozeanbohrprogramms (IODP). Essentiell dabei ist natürlich die langjährige Erfahrung und Expertise der Driller! Unsere Tour endet im Maschinenraum. Brummende und ratternde Geräusche vibrieren in unseren Ohren, etwas abgemildert durch vorher zur Verfügung gestellten Hörschutz. Hier wird uns noch einmal die Dimension der JR vor Augen (und Ohren) geführt, was für ein massives und großes Schiff!

Völlig baff und beeindruckt beenden wir unsere Tour und bleiben gespannt auf die Abenteuer, die uns im kommenden Monat erwarten.

Ahoi von der JR!

Swaantje Brzelinski, Doktorandin am Institut für Geowissenschaften der Universität Heidelberg


Die Logbuch-Einträge der IODP Expedition 378 finden Sie ebenfalls unter: https://www.marum.de/Entdecken/Logbuch-IODP-Exp-378.html