26. Nov. 2018
Damian L. Arévalo-Martínez

Damian Arévalo-Martínez während der Fahrt M90 an Bord des FS Meteor neben einem System für kontinuierliche Messungen von CO2, N2O und CO im Oberflächenwasser.

Dr. Damian L. Arévalo-Martínez arbeitet als Postdoc am GEOMAR in Kiel. Sein Forschungsgebiet ist die Chemische Ozeanographie und was er in den Weltmeeren untersucht, lässt sich mit wenigen Lettern und Ziffern benennen: CO2, N2O und CO.

Was ist der Gegenstand Ihrer Forschung?
Ich beschäftige mich mit der Untersuchung von klimarelevanten Spurengasen im Ozean. Insbesondere erforsche ich die Verteilung, die biologischen Bildungs-Wege und den Gasaustauch von Kohlenstoffdioxid (CO2), Distickstoffdioxid (N2O; sogenanntes "Lachgas") und Kohlenmonoxid (CO). Meine Arbeit umfasst die Entwicklung und den Einsatz von hochauflösenden optischen Messsystemen sowie den Einsatz verschiedener chemischer und biologischer Methoden zur Aufklärung der Prozesse, die für die Quellen und Senken dieser Gase im Ozean verantwortlich sind.

Warum haben Sie diesen Fokus gewählt?
Ich finde es faszinierend, dass Spurengase, welche nur einen winzigen Teil zu der Gesamtzusammensetzung der Atmosphäre beitragen (weniger als 1 Prozent), eine extrem hohe Wirkung auf das Erdsystem haben können. Da der Ozean ein wesentlicher Bestandteil des Erdsystems ist, ist es natürlich entscheidend zu wissen, wo und unter welche Umständen klimarelevante Spurengase produziert werden, welche ozeanographischen Prozesse die Verteilung dieser Gase beeinflussen und letztlich wie groß die Emissionen aus dem Ozean sind. Ich würde sagen, der wichtigste Beitrag meiner Arbeit ist die Verbesserung der Abschätzungen der globalen Emissionen von CO2, N2O und CO aus dem Ozean in die Atmosphäre. Diese können dann wiederum für die Erstellung internationaler Berichte zur Abschätzung der zukünftigen Folgen des globalen Klimawandels (IPCC) genutzt werden.

Das FS Meteor vor einem Sonnenuntergang im tropischen Atlantik: Das Lieblingsforschungsschiff des Ozeanographen, das sich für ihn schon fast wie ein zweites Zuhause anfühlt.

Das FS Meteor vor einem Sonnenuntergang im tropischen Atlantik: Das Lieblingsforschungsschiff des Ozeanographen, das sich für ihn schon fast wie ein zweites Zuhause anfühlt.

Bild: Siren Rühs
Kurze Pause zwischen Probennahmen während der Fahrt PS114 des FS Polarstern im Juli 2018.

Kurze Pause zwischen Probennahmen während der Fahrt PS114 des FS Polarstern im Juli 2018.

Bild: Damian L. Arévalo-Martínez.
Ein Ausblick, den Damian Arévalo-Martínez gerne mal gegen den Schreibtisch tauscht: auf die Ostküste Grönlands vom FS Polarstern aus.

Ein Ausblick, den Damian Arévalo-Martínez gerne mal gegen den Schreibtisch tauscht: auf die Ostküste Grönlands vom FS Polarstern aus.

Bild: Damian L. Arévalo-Martínez
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Das FS Meteor vor einem Sonnenuntergang im tropischen Atlantik: Das Lieblingsforschungsschiff des Ozeanographen, das sich für ihn schon fast wie ein zweites Zuhause anfühlt.

Bild: Siren Rühs

Kurze Pause zwischen Probennahmen während der Fahrt PS114 des FS Polarstern im Juli 2018.

Bild: Damian L. Arévalo-Martínez.

Ein Ausblick, den Damian Arévalo-Martínez gerne mal gegen den Schreibtisch tauscht: auf die Ostküste Grönlands vom FS Polarstern aus.

Bild: Damian L. Arévalo-Martínez

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?
Wie ein typischer Arbeitstag aussieht, kommt darauf an, wo ich gerade bin: Auf See oder auf dem Land. Wenn ich auf See bin (typischerweise auf Forschungsschiffen wie Meteor, Merian oder Polarstern), beginnt der Tag dann, wenn wir an der ersten Messstation ankommen. Normalerweise nehme ich dann Wasserproben und direkt danach messe ich im Schiffslabor Spurengase und andere Parameter. Zusätzlich läuft ein großer Teil meiner Messsysteme für Oberflächenwasser kontinuierlich und autonom. Da reichen dann zwei Kontrollen pro Tag, um sicher zu gehen, dass die wertvollen Messungen auch von hoher Qualität sind. Dafür braucht man aber schon drei bis vier Tage vor der Fahrt, um alle Systeme aufzubauen und in Betrieb zu nehmen. Da es mehrere Messstationen pro Tag gibt und eigentlich immer irgendwo eine helfende Hand gebraucht werden kann, muss man schon aufpassen, dass man dazwischen noch Zeit findet, um Sport zu machen (es gibt auf den meisten Schiffen einen Fitnessraum!), zu schlafen, und natürlich die atemberaubende Aussicht zu genießen! Wenn ich an Land bin, ist meine Arbeit auch sehr vielfältig: Ich verteile meine Zeit neben klassischer Büroarbeit auf Laborexperimente, Teilnahme an Konferenzen oder Workshops, Betreuung von Studenten und natürlich Schreiben von wissenschaftlichen Veröffentlichungen, was mir besonders gefällt.    

Was fasziniert Sie am meisten an Ihrer Arbeit?
Was mich besonders fasziniert und wiederum die größte Motivation für meine Arbeit darstellt,  ist die Tatsache, dass unabhängig davon welches Gebiet wir erforschen, jede Reise neue offene Fragen hinterlässt. Je mehr wir erforschen, desto mehr erkennen wir die enorme Vielfalt und Komplexität der Prozesse, die unser Erdsystem bestimmen. Diese Komplexität zu entschlüsseln erfordert nicht nur Verstand, sondern auch Kuriosität, Geduld, (warum nicht) ein bisschen Disziplin, aber vor allem Leidenschaft. Ich bin sehr froh sagen zu können, dass meine Arbeit mir (immer noch) viel Spaß bringt.   

In welche Richtung würden Sie Ihre Forschung zukünftig gerne vertiefen?
Bisher habe ich meistens in tropischen Gebieten gearbeitet. Seit letztem Jahr habe ich allerdings angefangen den Kreislauf von Spurengasen (hauptsächlich N2O) in den Polargebieten zu erforschen. In Zukunft würde ich meine Arbeit gerne mehr auf diese Gebiete fokussieren, da wir dort immer noch sehr wenig über die Bildungs-Wege und Emissionen von N2O wissen und diese Gebiete besonders sensibel auf Klimaänderung reagieren. Auch ein wichtiger Punkt für meine zukünftige Arbeit ist die Teilnahme an internationalen Initiativen, um ein besser vernetztes globales Netzwerk von N2O-Messungen einzurichten. Ich bin davon überzeugt, dass kontinuierliche Beobachtungszeitserien von Spurengase im Meer ein wichtiges Instrument sein werden, um mögliche Folgen des Klimawandels besser abschätzen zu können.