22. Okt. 2018
Jörg Bialas

Jörg Bialas vor bathymetrischen Vermessung: Die Arbeit am Computer macht einen großen Teil der Forschung aus.

Dr. Jörg Bialas beschäftigt sich als Geophysiker am GEOMAR Kiel mit dem vielleicht Grundlegendsten der Ozeane – dem Meeresgrund. Marine seismische Untersuchungen führten ihn zunächst zur Plattentektonik, während er heute kleinskaliger forscht.

Was ist der Gegenstand Ihrer Forschung?
Ich bin Geophysiker und habe mich in dem Bereich mariner seismischer Untersuchungen spezialisiert. Begonnen habe ich meine Forschungen mit Untersuchungen zu plattentektonischen Prozessen am pazifischen Kontinentalrand von Mittelamerika. Unter anderem ging es darum Unterschiede in der Erdbebenaktivität anhand der Strukturen von ozeanischer und kontinentaler Platte zu erklären. Hieraus hat sich mein aktuelles Interesse für viel kleinskaligere Gas- und Fluidbewegungen im marinen Sediment entwickelt. Gas kann zu einem Feststoff, Hydrat, ausfrieren und erheblichen Einfluss auf die physikalischen Eigenschaften des Kontinentalhanges haben. Möglicherweise kann dieses Gashydrat auch zur Energieversorgung genutzt werden. Bis dahin muss aber noch viel über die Verteilung und Entstehung des Hydrates gelernt werden.

Warum haben Sie diesen Fokus gewählt?
Plattentektonische Prozesse bestimmen die Entwicklung der Erdkruste und damit auch das Lebensumfeld, in dem wir uns bewegen. Dieses zu verstehen, ist eine spannende Aufgabe. Das gilt nicht nur für kontinentale und geologische Zeiträume umspannende Prozesse, sondern auch für kleinere und angewandtere Ansätze, wie z.B. die Untersuchung von Gashydraten. Dazu kommt noch mein Interesse neue Messtechniken zu entwickeln und an Bord von Forschungsschiffen zu erproben. Dies deckt sich sehr gut mit den Ansprüchen sehr hochauflösender Vermessungen, die für Untersuchungen der Fluidbewegungen im Sediment notwendig sind.

Auch Ausfahrten gehören zu Jörg Bialas Arbeit, wie hier als Fahrttleiter der Expedition SO214 NEMESYS (2010) vor Neuseelands Küste.

Auch Ausfahrten gehören zu Jörg Bialas Arbeit, wie hier als Fahrttleiter der Expedition SO214 NEMESYS (2010) vor Neuseelands Küste.

Bild: Stefan Nestler
Theorie und Praxis: Während der Expedition SO226 CHATHAM (2013) wir der seismische Streamer zu Wasser gebracht.

Theorie und Praxis: Während der Expedition SO226 CHATHAM (2013) wir der seismische Streamer zu Wasser gebracht.

Bild: Bryan Davy
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Auch Ausfahrten gehören zu Jörg Bialas Arbeit, wie hier als Fahrttleiter der Expedition SO214 NEMESYS (2010) vor Neuseelands Küste.

Bild: Stefan Nestler

Theorie und Praxis: Während der Expedition SO226 CHATHAM (2013) wir der seismische Streamer zu Wasser gebracht.

Bild: Bryan Davy

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?
Der typische Arbeitsalltag ist durch viel Arbeit am Computer geprägt: Wissenschaftliche Artikel anderer Kollegen lesen und damit das eigene Verständnis und die eigenen Forschungsarbeiten zu vergleichen und zu verbessern; die Daten der durchgeführten Messungen aufbereiten, auswerten und interpretieren; Berichte und Publikationen zu den Forschungsergebnissen schreiben. Aus diesen Ergebnissen ergeben sich nicht nur Antworten, sondern auch neue Fragestellungen, die zu neuen Forschungsprojekten ausgearbeitet werden. Dann heißt es Forschungsanträge schreiben und die Einsätze auf Forschungsschiffen vorzubereiten. Dazu arbeite ich eng mit den Technikern zusammen, um Geräte vorzubereiten und diese dann in den meist vierwöchigen Expeditionen für neue Vermessungen einzusetzen.

Was fasziniert Sie am meisten an Ihrer Arbeit?
Das Faszinierende an dieser Arbeit ist die Chance unsere Erde besser zu verstehen. Dann können wir zunehmend besser sagen, in welchen Bereichen man sich auf ein höheres Risiko an Naturgefahren einstellen muss. Zum anderen haben wir aber vielleicht auch die Chance neue Rohstoffquellen für eine sauberere Energiegewinnung zu finden. Das alles in einem Wechsel zwischen Büro und Arbeit auf einem Forschungsschiff mit vielen Kollegen zusammen macht diese Aufgabe sehr spannend.

In welche Richtung würden Sie Ihre Forschung zukünftig gerne vertiefen?
Wir können mit den Ergebnissen unserer Arbeit viele Fragen zu den Gashydraten beantworten, wo wir sie finden, wie sie an einem Kontinentalhang verteilt sind. Wir stellen aber immer wieder fest, dass uns viele Detailparameter über physikalische Bedingungen im Untergrund zu wenig bekannt sind. Vom großen globalen Überblick arbeiten wir uns immer mehr in die kleinen Details voran und müssen dazu viel mehr mit anderen Disziplinen zusammenarbeiten. Diese Kooperation und verbesserte Messtechniken möchte ich gerne weiter entwickeln.