07. Nov. 2018
Karen Strehlow

Karen Strehlow in ihrem Element – vor einer vulkanischen Bombe am Vulkan Merapi in Indonesien.

Dr. Karen Strehlow forscht am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel als Vulkanologin zu magmatischen und hydrothermalen Systemen. Rot glühende Lavaspucker und tödliche Glutwolken – die Geologin brennt für Vulkane und ihre Gefahren.

Was ist der Gegenstand Ihrer Forschung?
Ich bin Vulkanologin und forsche hauptsächlich im Bereich Vulkangefahren. Mich interessieren zum Beispiel das Fließverhalten und die Temperaturen von pyroklastischen Strömen, d.h. heißen "Glutwolken" aus vulkanischer Asche, Gasen und größeren Gesteinsfragmenten, die mit großer Geschwindigkeit die Vulkanhänge hinabfließen und dabei alles in ihrem Weg vernichten können. Eine von vielen Methoden, die wir nutzen, sind Drohnen, mit denen wir Vulkane genauer und aus sicherer Entfernung beobachten können.

Warum haben Sie diesen Fokus gewählt?
Mich faszinieren die – immer noch zum großen Teil nicht erschlossenen – physikalischen Prozesse während explosiver Vulkaneruptionen. Diese hochkomplexen Phänomene besser zu verstehen, ist eine herausfordernde Aufgabe für meinen Forschungsbereich. Ein essentielles Ergebnis unserer Forschung sind außerdem Gefahrenabschätzungen und -vorhersagen, die der lokalen Bevölkerung und Behörden bei der Risikominimierung helfen können. Und nicht zuletzt bringt mich die Geländearbeit für meine Forschung immer wieder in besondere Gebiete dieser Erde. Vulkane sind einfach wunderschön!

Auch Ausfahrten gehören zu Jörg Bialas Arbeit, wie hier als Fahrttleiter der Expedition SO214 NEMESYS (2010) vor Neuseelands Küste.

Karen Strehlow und ihr Kollege Philipp Brandl beim Beschreiben der Bohrkerne an Bord der JOIDES Resolution bei einer Expedition zu einem submarinen Vulkan im Sommer 2018.

Bild: Crawford/IODP
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Karen Strehlow und ihr Kollege Philipp Brandl beim Beschreiben der Bohrkerne an Bord der JOIDES Resolution bei einer Expedition zu einem submarinen Vulkan im Sommer 2018.

Bild: Crawford/IODP

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?
Die meiste Zeit verbringe ich wie die meisten Menschen an meinem Schreibtisch vor einem Computer. Dort werte ich Daten aus, rechne Computersimulationen, schreibe meine wissenschaftlichen Artikel sowie Artikel, die für die breite Öffentlichkeit vorgesehen sind, und verbringe eine erstaunliche Zeit damit, Emails zu beantworten... Tage im Gelände sind in vielerlei Hinsicht spannender. Wir beproben und kartieren vulkanische Ablagerungen und führen Messungen an aktiven Vulkanen durch – und zwar an Land wie auch unter Wasser!

Was fasziniert Sie am meisten an Ihrer Arbeit?
Ich habe leider noch nicht viele Eruptionen beobachten dürfen, aber jede noch so kleine Explosion z.B. am Stromboli (Italien) oder dem Sakurajima (Japan) war ein Highlight für sich. Diese unglaublichen Naturkräfte sind faszinierend und wunderschön. Außerdem liebe ich die Rätsel, die uns Vulkane immer wieder aufgeben. Jedes Mal, wenn wir eine Ablagerung oder eine Gesteinsformation nicht verstehen, ist meine Faszination geweckt.

In welche Richtung würden Sie Ihre Forschung zukünftig gerne vertiefen?
Während wir in den letzten Jahrzehnten unglaubliche Fortschritte gemacht haben, was das Verständnis, die Überwachung und Vorhersage von Eruptionen an Land angeht, sind Eruptionen unter Wasser, vor allem in großen Wassertiefen, ein viel größeres Mysterium. Submarine Vulkane können – aus offensichtlichen Gründen – viel schwieriger beprobt und beobachtet werden. Meine zukünftige Forschung wird sich zum großen Teil auf submarinen Vulkanismus richten. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung war meine Teilnahme an der IODP Expedition 376 an Bord des Bohrschiffs "JOIDES Resolution" – wir bohrten in den aktiven Brothers Vulkan in über 1000 Meter Wassertiefe.