22. Mai. 2018
Lennart Bach GEOMAR

Dr. Lennart Bach vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozenaforschung Kiel.

Dr. Lennart Bach hat Biologische Ozeanographie studiert und am Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel promoviert, wo er seitdem als Postdoc tätig ist. Auf der Suche nach seinem Forschungsgegenstand durchquert er die Weltmeere.

Was ist der Gegenstand Ihrer Forschung?
In den Strömungen der Weltmeere schweben Myriaden an Organismen – das Plankton. Diese produzieren Sauerstoff den wir atmen, beeinflussen unser Klima und bilden die Lebensgrundlage für alle marinen Lebewesen. Ich versuche zu verstehen, wie die verschiedensten Planktonorganismen miteinander interagieren und wie diese Interaktionen die Kreisläufe von Elementen beeinflussen (z. B. den Kohlenstoffkreislauf). Meine Forschung steht also an der Schnittstelle zwischen Planktonökologie und mariner Biogeochemie.  

Warum haben Sie diesen Fokus gewählt?
Die Ozeane bedecken  ungefähr 70 Prozent der Erdoberfläche und der Aufbau an Biomasse durch pflanzliches Plankton ist in etwa gleich groß wie an Land. Es ist faszinierend zu wissen, dass Veränderungen in der Artenzusammensetzung im Plankton auf mikroskopischer Ebene Auswirkungen auf globale Stoffkreisläufe haben können. Ich habe lange Zeit an einer kleinen Planktonalge geforscht die nur circa 5 Mikrometer (µm) groß ist (1 µm = ein Tausendstel Millimeter). Sie kommt allerdings in so großen Mengen vor, dass ihre Verbreitung an der Meeresoberfläche vom Weltall aus beobachtet werden kann. Die großen Einflüsse der Biologie auf das System Erde begeistern mich immer wieder neu.

Auf der Suche nach einer Schlüsselspezies im Ökosystem Ozean: der Kalkalge.

Auf der Suche nach einer Schlüsselspezies im Ökosystem Ozean: der Kalkalge.

Bild: L. Bach/GEOMAR
Mit Forschungsschiffen wie der Maria S. Merian bricht Lennart Bach zu Expeditionen auf.

Mit Forschungsschiffen wie der Maria S. Merian bricht Lennart Bach zu Expeditionen auf.

Bild: L. Bach/GEOMAR
Lennart Bach in seinem Element: Noch lieber als am heimischen Mikroskop forscht er auf Hoher See.

Lennart Bach in seinem Element: Noch lieber als am heimischen Mikroskop forscht er auf Hoher See.

Bild: L. Bach/GEOMAR
Ein Ausblick, den man selten vom Schreibtisch aus hat.

Ein Ausblick, den man selten vom Schreibtisch aus hat.

Bild: L. Bach/GEOMAR
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Auf der Suche nach einer Schlüsselspezies im Ökosystem Ozean: der Kalkalge.

Bild: L. Bach/GEOMAR

Mit Forschungsschiffen wie der Maria S. Merian bricht Lennart Bach zu Expeditionen auf.

Bild: L. Bach/GEOMAR

Lennart Bach in seinem Element: Noch lieber als am heimischen Mikroskop forscht er auf Hoher See.

Bild: L. Bach/GEOMAR

Ein Ausblick, den man selten vom Schreibtisch aus hat.

Bild: L. Bach/GEOMAR

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?
Das Schöne ist, es gibt keinen typischen Arbeitstag. Forschung ist abwechslungsreich und man kann selten vorraussehen, was der Tag so bringen wird. Vor kurzem kam ich morgens an meinen Schreibtisch im Büro und wollte eigentlich an einem Antrag für ein neues Projekt arbeiten. Vormittags rief mich eine Kollegin an und sagte, wir müssten bis zum nächsten Tag eine hochwertige Mikroskopieaufnahme für eine Publikation produzieren. Wir saßen dann zusammen bis nachts am Mikroskop und sahen Organismen, die wir noch nie zuvor gesehen hatten. 

Was fasziniert Sie am meisten an Ihrer Arbeit?
Forschung bedeutet für mich etwas zu erkunden, was niemand auf der Welt weiß oder versteht. Keiner, nicht einmal Google, kann mir auf meine Frage meine Antwort geben. Wenn man diese "Grenze des Wissens" erreicht und überschreitet, wird man zum Pionier und erkundet unbekanntes Territorium. Immer wieder an der Grenze zu stehen und weiterzukommen ist ein großes Privileg und bereitet viel Freude.

In welche Richtung würden Sie Ihre Forschung zukünftig gerne vertiefen?
Bisher lag mein Schwerpunkt auf experimentellen Studien, bei denen ein bestimmter Umwelteinfluss (z. B. der pH-Wert) in großen Versuchsanlagen manipuliert wurde, um dessen Auswirkung auf Planktongemeinschaften zu untersuchen. Dieser Ansatz wird auch weiterhin eine wichtige Rolle in meinem Forscherleben spielen. Allerdings sind Experimente mit natürlichen Planktongemeinschaften natürlich auch ein Stück weit limitiert, denn die enorme physikalische, chemische und biologische Komplexität lässt sich in einem Experiment nur teilweise simulieren. Deshalb möchte ich in Zukunft verstärkt mit Daten von autonomen Messstationen arbeiten. Diese "Dronen" treiben frei in verschiedenen Tiefen der Ozeane umher und messen jetzt schon wichtige biologische Parameter. In Zukunft werden immer ausgefeiltere Sensoren die planktologische Forschung weiter beschleunigen. Ich denke hier liegt ein Stück weit die Zukunft und es wird unendlich spannend, was wir aus diesen Daten lernen können.