03. Jul. 2019
Der Übergang zum Eispanzer auf Grönland. Die Klimamodelle dahingehend zu erweitern, dass solch ein Übergang zwischen Eispanzer und Land dynamisch durch die Modelle simuliert wird, ist auch eine Teilaufgabe der Klimamodellentwicklung innerhalb PalMod.

Der Übergang zum Eispanzer auf Grönland. Die Klimamodelle dahingehend zu erweitern, dass solch ein Übergang zwischen Eispanzer und Land dynamisch durch die Modelle simuliert wird, ist auch eine Teilaufgabe der Klimamodellentwicklung innerhalb PalMod.

Der Klimaforscher und Meteorologe Dr. Tim Brücher betreut eines der weltweit größten Projekte in der Paleomodellierung. Als Wissenschaftsmanager dieses Projektes hat er es sich zur Aufgabe gemacht, ein größeres Verständnis für die Klimaforschung zu schaffen.

Was ist der Gegenstand Ihrer Forschung?
Als Wissenschaftsmanager bin ich nicht mehr direkt als Forscher tätig, sondern koordiniere den Rahmen um Großforschungsprojekte, damit diese effektiv durchgeführt werden können. Derzeit betreue ich ein Projekt, dass sich als Aufgabe gesetzt hat, ein erweitertes Verständnis der Klimageschichte über die letzten 130.000 Jahre zu schaffen und diese Episode mit verbesserten Erdsystemmodellen zu simulieren. Alle wesentlichen Prozesse, die die Klimavariabilität bestimmen, müssen in diesen Modellen enthalten sein. Dazu gehört auch die dynamische Modellierung der Eisschilde oder hydrostatische Anhebung der Lithosphaere nach dem Abschmelzen der Eispanzer aus Eiszeiten – Prozesse, die in den bisherigen Klimamodellen wenig berücksichtigt sind.

Mit etwa 50 durch das interdisziplinäre Projekt finanzierten Wissenschaftlern und einem Konsortium von knapp 130 Kolleginnen und Kollegen betreue ich derzeit eines der weltweit größten Projekte in der Paleomodellierung. Dabei bin ich zentraler Ansprechpartner zu Fragen zum Projekt(-fortschritt), auch seitens der Projektförderung. Im Bereich des Projektmanagements prüfe ich, ob alle Partner im Projekt zum Gesamtziel beitragen und den Zeitplan einhalten können, organisiere den Austausch zwischen den Projektpartnern und bilde – sofern notwendig – den Kontakt zu anderen Forschungsprojekten oder Partnern. Sollte mal etwas nicht wie geplant klappen – und das passiert in der Forschung schnell – dann müssen Handlungsstrategien geschaffen werden, um gegenzusteuern. Auch gehört die Organisation von regelmäßigen Treffen, Workshops und Konferenzen zu meinen Aufgaben.

Warum haben Sie diesen Fokus gewählt?
Die Klimaforschung hat mich seit Beginn meines Meteorologiestudiums interessiert. Thematisch fasziniert mich der Zeitabschnitt des letzten Glazials sehr, da auf dieser Zeitskala so viele Komponenten des Erdsystems miteinander wechselwirken. Den Antworten auf die eigentlichen wissenschaftlichen Fragen nicht (mehr) selbst hinterherzujagen, sondern zu managen, dass alle zu einem grossen Gesamtziel beitragen, ist eine tolle Herausforderung. So bin ich eng in der Wissenschaft eingebunden und kann aus einer "Vogelperspektive" unterstützend dazu beitragen, dass das Team der knapp 130 Kolleginnen und Kollegen innerhalb des Forschungsprojekts optimal funktioniert und die Zusammenarbeit der Kolleginnen und Kollegen bestens steuern.

Der Klimaforscher und Meteorologe Dr. Tim Brücher forschte bisher in den Bereichen Ozeanzirkulation, Klimadynamik und maritime Meteorologie.

Der Klimaforscher und Meteorologe Dr. Tim Brücher forschte bisher in den Bereichen Ozeanzirkulation, Klimadynamik und maritime Meteorologie.

Bild: Privat, Tim Brücher
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Der Klimaforscher und Meteorologe Dr. Tim Brücher forschte bisher in den Bereichen Ozeanzirkulation, Klimadynamik und maritime Meteorologie.

Bild: Privat, Tim Brücher

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?
Während zu Beginn meiner wissenschaftlichen Karriere der Zugang Supercomputer zwecks Modellsimulationen im Vordergrund stand, sind aktuell Email und Telefon das wesentliche Element meiner Arbeit. Daneben die Textverarbeitung und die Software zur Erstellung von Präsentationen. Die Tage sind sehr unterschiedlich und je nach Projektstatus stehen Treffen der Arbeitsgruppen oder die Organisation von einer Konferenz im Vordergrund. Durch die vielen Partner und die Vorstellung des Forschungsprojekts auf nationalen und internationalen Kongressen erfordert meine Arbeit eine hohe Reisebereitschaft. So bin ich etwa alle zwei Wochen dienstlich unterwegs. Auch die Möglichkeiten des Home-Office und die flexiblen Arbeitszeiten können genutzt werden, um einmal von zu Hause aus den koordinierenden Aufgaben nachzugehen und ggf. zwischendurch die Kinder zu betreuen. Unabdingbar ist dennoch eine gute Erreichbarkeit und so checke ich auch in den späten Abendstunden i.d.R. noch einmal meine Emails und beantworte – sofern notwendig – Anliegen des Forschungsteams. Denn ein schnelles Feedback meinerseits erleichtert die Arbeit der Kolleginnen und Kollegen und fördert den schnellen, unkomplizierten Austausch im Projekt. Sollte neben dem Pflichtprogramm zum Projekt Zeit und Ruhe zur eigenen Forschung bestehen, dann kehre ich zu den "alten" Tools meiner Arbeit zurück und forsche an der Komponente Feuer in unserem Erdsystem.

Was fasziniert Sie am meisten an Ihrer Arbeit? 
Das wissenschaftliche Umfeld innerhalb der Erdsystemwissenschaften ist immer noch das wesentliche Element, das mich antreibt. Auch wenn ich aktuell nur indirekt an den Forschungsergebnissen beteiligt bin, ist der wissenschaftliche Austausch mit dem Projektteam der Teil meiner Arbeit, der mir die meiste Freude bringt. Die Möglichkeit, durch koordinierende Tätigkeiten das Netzwerk zu unterstützen und Raum für die Forschungsarbeiten zu schaffen kann sehr motivierend sein, wenn nach einiger Zeit tolle Manuskripte mit spannenden Forschungsergebnissen publiziert werden.

In welche Richtung würden Sie Ihre Forschung zukünftig gerne vertiefen? 
Persönlich interessiert mich die Variabilität der natürlichen Feueraktivität sehr. Feuer benötigt eine gewisse Trockenheit zur Ausbreitung. Aber auch Pflanzen / Bäume müssen als Brennstoff zuvor gewachsen sein und benötigen Regen. Zusätzlich bedarf es einer natürlichen Entzündung des Feuers. Diese komplexe Verzahnung von Biosphäre und Atmosphäre und der Vergleich von Modellen und Daten ist meiner Meinung nach sehr spannend, insbesondere wenn man sich den Effekt regionaler Einflüsse anschaut, also die Variabilität des Feuers in Raum und Zeit. Dieser Kopplung und dem Verständnis auf Zeitskalen von Warm- und Kaltphasen würde ich gerne weiter untersuchen.