20. Jun. 2018
Verena Förster bei der Bohrkernpräparation während einer Bohrkampagne in LacCore in Minneapolis (USA). Die Oberfläche der Kernhälfte muss vorsichtig präpariert werden, bevor die Kernhälften gescannt und geloggt werden können.

Verena Förster bei der Bohrkernpräparation während einer Bohrkampagne in LacCore in Minneapolis (USA). Die Oberfläche der Kernhälfte muss vorsichtig präpariert werden, bevor die Kernhälften gescannt und geloggt werden können.

Dr. Verena Förster studierte Geographie auf Lehramt und arbeitet seitdem in der Geographiedidaktik, derzeit an der Universität Köln. Außerdem untersucht sie die Zusammenhänge von Klimaschwankungen und unserer Evolutionsgeschichte.

Was ist der Gegenstand Ihrer Forschung?
Mein Forschungsgegenstand sind Paläoumwelt-Rekonstruktionen anhand von lakustrinen Bohrkernen aus dem Südäthiopischen Rift. Mit meinen Kollegen versuche ich anhand verschiedener Indikatoren in diesen Sedimentkernen die Klimaschwankungen und Umweltveränderungen der letzten 550.000 Jahre in einer der Ursprungsregionen des modernen Menschen zu entschlüsseln und deren Antriebsmechanismen zu verstehen. Dabei schaue ich mir insbesondere die Mineralzusammensetzung und die Variationen der Elemente entlang des Bohrkerns an und nutze das zum Verständnis der Feucht-Trocken-Zyklen in Ostafrika, denn die unterschiedlichen Schwankungen zwischen Feucht- und Trockenphasen könnten großen Einfluss sowohl auf die Evolution als auch auf die Verbreitung des Menschen gehabt haben.

Warum haben Sie diesen Fokus gewählt?
Weil es das Spannendste ist, was ich mir vorstellen kann: Einen Bohrkern zu öffnen, der eine halbe Millionen Jahre umfasst und daraus Klimageschichte zu "lesen"! Niemand weiß vorher genau, was wir finden und welche Klimaproxies in diesem Material erhalten geblieben sind oder welche Ereignisse in der Vergangenheit wir aus dem Material entschlüsseln werden.

Verena Förster im Feldlabor im Gelände in Chew Bahir (Südäthiopien) direkt neben der Bohrlokation, wo sie den aus 280 Meter Tiefe gezogenen Sedimentkern beschreibt, vermisst, verpackt und mit den Bohringenieuren über die Wahl der Bohrwerkzeuge diskutiert.

Verena Förster im Feldlabor im Gelände in Chew Bahir (Südäthiopien) direkt neben der Bohrlokation, wo sie den aus 280 Meter Tiefe gezogenen Sedimentkern beschreibt, vermisst, verpackt und mit den Bohringenieuren über die Wahl der Bohrwerkzeuge diskutiert.

Bild: Prof. Dr. Annett Junginger/Uni Tübingen
Das Chew Bahir Team bei Extraktion des Liners aus dem Bohrgerät.

Das Chew Bahir Team bei Extraktion des Liners aus dem Bohrgerät.

Bild: Prof. Dr. Frank Schäbitz/Uni Köln
Erste Rasterelektronenmikroskop-Aufnahmen bei fast 3000-facher Vergrößerung zeigen Analzim Deltoidalikositetraeder in den Proben aus dem Chew-Bahir-Kern. Das deutet auf hohe Salinität und sehr hohe pH-Werte zur Zeit der Ablagerung hin.

Erste Rasterelektronenmikroskop-Aufnahmen bei fast 3000-facher Vergrößerung zeigen Analzim Deltoidalikositetraeder in den Proben aus dem Chew-Bahir-Kern. Das deutet auf hohe Salinität und sehr hohe pH-Werte zur Zeit der Ablagerung hin.

Bild: Dr. Christina Günter (Uni Potsdam)/Dr. Verena Förster (Uni Köln)
Bei der Tiefbohrung in Chew Bahir mit Bohringenieur Steven Cole auf dem Weg von der Drillsite zum Feldlabor, um anhand der ersten Zwischenergebnisse aus dem Feldlabor den nächsten Bohrfortschritt und die Wahl des Bohrwerkzeugs zu besprechen.

Bei der Tiefbohrung in Chew Bahir mit Bohringenieur Steven Cole auf dem Weg von der Drillsite zum Feldlabor, um anhand der ersten Zwischenergebnisse aus dem Feldlabor den nächsten Bohrfortschritt und die Wahl des Bohrwerkzeugs zu besprechen.

Bild: Prof. Dr. Annett Junginger/Uni Tübingen
1 / 4

Verena Förster im Feldlabor im Gelände in Chew Bahir (Südäthiopien) direkt neben der Bohrlokation, wo sie den aus 280 Meter Tiefe gezogenen Sedimentkern beschreibt, vermisst, verpackt und mit den Bohringenieuren über die Wahl der Bohrwerkzeuge diskutiert.

Bild: Prof. Dr. Annett Junginger/Uni Tübingen

Das Chew Bahir Team bei Extraktion des Liners aus dem Bohrgerät.

Bild: Prof. Dr. Frank Schäbitz/Uni Köln

Erste Rasterelektronenmikroskop-Aufnahmen bei fast 3000-facher Vergrößerung zeigen Analzim Deltoidalikositetraeder in den Proben aus dem Chew-Bahir-Kern. Das deutet auf hohe Salinität und sehr hohe pH-Werte zur Zeit der Ablagerung hin.

Bild: Dr. Christina Günter (Uni Potsdam)/Dr. Verena Förster (Uni Köln)

Bei der Tiefbohrung in Chew Bahir mit Bohringenieur Steven Cole auf dem Weg von der Drillsite zum Feldlabor, um anhand der ersten Zwischenergebnisse aus dem Feldlabor den nächsten Bohrfortschritt und die Wahl des Bohrwerkzeugs zu besprechen.

Bild: Prof. Dr. Annett Junginger/Uni Tübingen

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?
Das Allerbeste an meiner Arbeit ist, dass eigentlich fast jeder Arbeitstag ganz anders aussieht! Einerseits haben wir die Phasen, die wir im Gelände verbringen, also in meinem Fall mitten im Afrikanischen Grabenbruch. Das bedeutet meistens Zelten in der freien Natur und oft auch Nachtschichten, aber dafür eben auch Abenteuer und Reisen, beeindruckende Landschaften und internationale Kooperationen mit unseren Kolleginnen und Kollegen und den Leuten vor Ort. Dann verbringe ich natürlich viele Tage im Labor in Deutschland, um die Proben zu messen und Ergebnisse zu produzieren, die wir dann wiederum am Computer auswerten. Das bedeutet dann überwiegend lange Tage am Schreibtisch, beim Auswerten und Interpretieren der Ergebnisse, bei intensiver Literaturrecherche, aber auch beim Schreiben von wissenschaftlichen Artikeln. In den letzten Monaten war ich auf einigen Konferenzen in den USA, Afrika und Europa unterwegs, um unsere ersten Ergebnisse zu präsentieren und meine kürzlich erschienene Publikation mit den anderen Fachleuten zu diskutieren. Dazwischen lehre ich Grundlagen der physischen Geographie an der Universität und betreue Arbeiten unserer Studentinnen und Studenten.

Was fasziniert Sie am meisten an Ihrer Arbeit?
Für mich sind die wunderschönen symmetrischen Muster und Formen der Minerale und Mikrofossilien im Mikrometer-Bereich das Faszinierendste an meiner Arbeit. Am Rasterelektronenmikroskop sieht man unter mehr als 3000-facher Vergrösserung wie Analzim beispielsweise zu Deltoidalikositetraedern kristallisiert, wobei Kieselalgen (Diatomeen) aus den tiefen Seephasen regelmässige runde Formen und Muster zeigen. Und jedes dieser kleinen Kunstwerke erzählt mir etwas über die hydrochemische Zusammensetzung des Paläosees vor vielen tausend Jahren und damit etwas über das Klima der Vergangenheit.