27. Sep. 2018
Andrea Koschinsky

Andrea Koschinsky genießt die berufliche Abwechslung – hier als Expeditionsleiterin auf dem FS Sonne.

Prof. Dr. Andrea Koschinsky lehrt seit 2005 an der Jacobs University in Bremen Geowissenschaften. Ihr Forschungsschwerpunkt auf marinen Spurenmetallen und Mineralien führt die Geochemikerin regelmäßig aus Hörsaal und Büro raus auf See.

Was ist der Gegenstand Ihrer Forschung?
Meine Forschung dreht sich um Spurenmetalle in der Meeresumwelt. Dabei beinhalten die Spurenmetalle sowohl lebenswichtige Spurenstoffe wie Eisen, als auch Metalle, die als Rohstoffe von Interesse sind, wie z.B. seltene Erden, Kupfer und Nickel. Auch die Bereiche der Meeresumwelt, für die ich mich interessiere, sind vielfältig; sie reichen von Flussmündungen über den offenen Ozean bis hinab zum Tiefseeboden, wo sich in den großen Sedimentbecken reiche Manganknollenvorkommen finden oder an den Nahtstellen der ozeanischen Platten heiße Quellen aus dem Untergrund sprudeln.  Das Material, das wir auf Spurenmetalle untersuchen, beinhaltet Meerwasser und Lösungen aus den heißen Quellen, Sedimente, marine Erze und auch biologisches Material wie z.B. Muschelschalen und -gewebe.

Warum haben Sie diesen Fokus gewählt?
Dieser Fokus erlaubt mir die Verknüpfung meiner langjährigen Expertise, der Geochemie von Spurenmetallen, mit vielfältigen interdisziplinären Themen in der marinen Forschung. Die Zusammenarbeit mit Mikrobiologen, Biologen, Ozeanographen und Rohstoffgeologen macht mir als Chemikerin sehr viel Spaß und hilft mir, meine Forschung in einen größeren Kontext einzubringen. Beim Thema marine Rohstoffe und zukünftiger Meeresbergbau arbeite ich sogar eng mit Sozial-, Politik- und Wirtschaftswissenschaftlern zusammen, was am Anfang eine ganz neue, aber spannende Erfahrung war, die inzwischen sogar in einer gemeinsamen Publikation gemündet hat.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?
Einen typischen Arbeitstag gibt es bei mir eigentlich nicht, jeder ist individuell und hängt ab von den jeweiligen Terminen und Veranstaltungen, die in meinem Kalender stehen. Während des laufenden Semesters habe ich in der Regel an mehreren Tagen in der Woche eine oder mehrere Vorlesungen. Die Teilnahme an diversen Veranstaltungen auf dem Campus der Jacobs University, wie z.B. Faculty Meetings, oder außerhalb des Campus, z.B. für Projekt-Workshops, Gremien-Sitzungen, öffentliche Vorträge oder Konferenzen steht ebenfalls regelmäßig auf der Agenda. Abgesehen davon nimmt die Arbeit am Computer mit dem Schreiben von Anträgen für Forschungsprojekte oder Manuskripten und das Beantworten von E-Mails einen sehr großen Teil meiner Arbeitszeit ein. Praktische Arbeit im Labor mache ich selbst schon lange nicht mehr, dafür bleibt leider keine Zeit, aber durch regelmäßige Treffen mit meinen Mitarbeitern halte ich mich über die Forschungsaktivitäten und PhD-Projekte auf dem Laufenden.

Was fasziniert Sie am meisten an Ihrer Arbeit?
Die Teilnahme an marinen Forschungsexpeditionen, die ich mir versuche in regelmäßigen Abständen zu ermöglichen, ist immer etwas ganz Besonderes, da hier der enge Austausch mit den anderen Wissenschaftlern an Bord und die Fokussierung auf das eine laufende Projekt einen ganz intensiven Blick auf eine wissenschaftliche Fragestellung erlauben. Jeder Tag an Bord ist spannend und bringt neue Proben und Erkenntnisse.
Im Bereich der Lehre ist es für mich immer wieder eine tolle Erfahrung, jungen Menschen etwas mit auf den Weg geben und sie für bestimmte Themen begeistern zu können. Ich freue mich immer sehr darüber, dass viele Studenten auch lange nach ihrem Abschluss mit uns in Kontakt bleiben und davon berichten, wie wir ihren beruflichen Weg mit bereitet haben und welche Erfahrungen und Erkenntnisse sie mitnehmen konnten.

In welche Richtung würden Sie Ihre Forschung zukünftig gerne vertiefen?
Neben meiner Grundlagenforschung zum Stoffkreislauf von Spurenmetallen in marinen Systemen möchte ich in Zukunft verstärkt auch den Einfluss des Menschen auf diese Prozesse einbeziehen. Durch unseren stetig steigenden Bedarf an Rohstoffen, unsere industriellen und landwirtschaftlichen Einträge von Spurenstoffen in die Umwelt, durch veränderte Landnutzung wie z.B. die Abholzung von Waldflächen für die Schaffung von Agrarflächen, und durch den Klimawandel wird nicht nur der Kohlenstoff-Haushalt, sondern auch der Kreislauf von Spurenmetallen maßgeblich in kurzen Zeitskalen verändert. Die möglichen Auswirkungen auf die Lebewelt, von den Mikroorganismen bis hin zu den Menschen, sind eine sehr komplexe Thematik, zu der ich gerne mehr beitragen möchte. Meine kürzlich zu Ende gegangene M147-Expedition in der Amazonas-Mündung war bereits ein Weg in diese Richtung, denn die enormen Veränderungen in der Amazonas-Region werden auch erhebliche Auswirkungen auf die Stoffströme und die biologische Aktivität in den küstennahen Bereichen im Atlantik haben.