28. Jun. 2018
Die Tiefsee- und Polarforscherin Antje Boetius auf dem arktischen Meereis während einer Expedition mit dem FS Polarstern.

Die Tiefsee- und Polarforscherin Antje Boetius während einer Expedition mit dem FS Polarstern.

Prof. Dr. Antje Boetius ist Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts, wo sie die Arbeitsgruppe Tiefsee-Ökologie und -Technologie leitet. Als Professorin für Geomikrobiologie lehrt sie an der Uni Bremen, am MPI für Marine Mikrobiologie und MARUM.

Was ist der Gegenstand Ihrer Forschung?
Ich bin Meeres- und Polarforscherin, mit dem Fokus auf die Tiefsee. Die Methoden, die ich nutze, reichen von Tiefseerobotern, um den Meeresboden zu erkunden, bis hin zu aufwändigen chemischen und biologischen Analysen, um die Vielfalt von Einzellern im Meer zu verstehen und ihre Funktion und wie sie auf die Veränderungen von Klima und andere Umweltfaktoren reagieren.

Warum haben Sie diesen Fokus gewählt?
Die Tiefsee und die eisbedeckten Regionen der Erde sind  gigantische Lebensräume, über die wir viel zu wenig wissen, weil der Mensch dort kaum Zugang hat. In der Erdgeschichte und der Evolution des Lebens spielen sie eine sehr wichtige Rolle. Und gerade die Kleinstlebewesen wie die Bakterien und ihre Bedeutung für Stoffkreisläufe sind noch weitgehend unbekannt. Das heißt, hier bin ich als Forscherin auch noch Entdecker. Was wir in der Tiefsee finden, ist meistens das erste Mal gesehen und untersucht.

Die Arbeit im Labor ist nur kleiner Teil eines sehr abwechslungsreichen Berufsalltags.

Die Arbeit im Labor ist nur kleiner Teil eines sehr abwechslungsreichen Berufsalltags.

Bild: Jan Riephoff
Ein Leben als Entdeckerin: Antje Boetius auf dem arktischen Meereis.

Ein Leben als Entdeckerin: Antje Boetius auf dem arktischen Meereis.

Bild: AWI/Martin Schiller
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Die Arbeit im Labor ist nur kleiner Teil eines sehr abwechslungsreichen Berufsalltags.

Bild: Jan Riephoff

Ein Leben als Entdeckerin: Antje Boetius auf dem arktischen Meereis.

Bild: AWI/Martin Schiller

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?
Glücklicherweise gibt es gar keinen typischen Tag und die Arbeit ist enorm vielfältig, je nachdem ob ich an Bord eines Forschungsschiffes bin, zu einem Kongress reise, internationale Partner zu Besuch habe, oder ob ich an der Universität Vorlesungen gebe, mit Mitarbeitern Meetings mache oder im stillen Kämmerlein Manuskripte schreibe. Ein Großteil der Arbeit hat mit Menschen und Teamarbeit zu tun, ist sehr kreativ, und viel Reisen und die Welt sehen gehören dazu. Das gefällt mir sehr.

Was fasziniert Sie am meisten an Ihrer Arbeit?
Mich fasziniert immer wieder, wie wenig wir eigentlich wissen, darüber wie das Erdsystem und seine Lebensvielfalt funktioniert. Dabei sind wir dabei, mit dem Klimawandel durch CO2-Emissionen ein gigantisches Experiment durchzuführen, bei gleichzeitig dichtester Besiedlung der Erde zu allen Zeiten. Die Erdsystemforschung, die sich auch mit der Rolle von Küsten, Ozeanen und Polarregionen beschäftigt, wird immer wichtiger, um uns Grundlagen und Perspektiven für unsere Zukunftssicherung zu geben. 

In welche Richtung würden Sie Ihre Forschung zukünftig gerne vertiefen?
Seit sechs Monaten bin ich Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts für Polar und Meeresforschung in Bremerhaven. Das bedeutet, dass ich derzeit viel über die großen Fragen in der Forschung nachdenke und mit den Mitarbeitern bespreche: Welchen Beitrag können wir leisten, um zu verstehen, wie der Klimawandel und andere Eingriffe des Menschen Meere und Polarregionen verändern, aber auch wie dieser Wandel die Erde insgesamt und unser Leben künftig beeinflußt. Denn am Ende sind es wir Menschen, die eine Anpassungsstrategie brauchen – sei es an den Meeresspiegel-Anstieg, oder auch an den drohenden Verlust von Lebensräumen und Lebewesen, die uns lieb sind, wie die Korallenriffe oder auch die Meeressäuger, denen die Kombination aus Klimawandel, Umweltverschmutzung und zunehmendem Lärm im Meer zu schaffen macht. Und dann verfolge ich natürlich auch weiterhin grundlegende Forschungsaufgaben zur Frage, wie das Leben in der Tiefsee funktioniert. Denn es gibt einfach noch viel zu entdecken.