22. Mai. 2018
Heidrun Kopp Geomar

Prof. Dr. Heidrun Kopp vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel (GEOMAR).

Prof. Dr. Heidrun Kopp lehrt Marine Geodäsie an der Christian-Albrechts-Universität und am GEOMAR in Kiel. Dort leitet sie den Forschungsbereich Dynamik des Ozeanbodens. Sie ist designierte Präsidentin der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft.

Was ist der Gegenstand Ihrer Forschung?
Meine Forschung untersucht tektonische Prozesse am Meeresboden und innerhalb der ozeanischen Kruste. Hierbei geht es vor allem um Erdbeben entlang von aktiven Plattengrenzen, denn diese Beben sind die stärksten, die auf dem Planeten erzeugt werden. Dazu gehen wir neue Wege in der Erdbebenforschung, indem wir Deformationen des Meeresbodens messen, vor allem in Regionen, in denen Erdbeben auftreten.

Warum haben Sie diesen Fokus gewählt?
Geodynamische Prozesse sind extrem spannend, vor allem auch, weil wir sehr viel noch nicht verstanden haben. Zudem haben Ereignisse wie Erdbeben, Tsunamis oder Hangrutschungen einen direkten Einfluss auf die Bevölkerung – und dies nicht nur in der betroffenen Region, sondern teilweise global, wie uns z. B. die Reaktorkatastrophe von Fukushima gezeigt hat.

Auf abenteuerlicher Expedition als Fahrtleiterin der MSM71: Absetzen eines Tiefsee-Seismometers in der Ligurischen See.

Auf abenteuerlicher Expedition als Fahrtleiterin der MSM71: Absetzen eines Tiefsee-Seismometers in der Ligurischen See.

Bild: H. Kopp/GEOMAR.
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Auf abenteuerlicher Expedition als Fahrtleiterin der MSM71: Absetzen eines Tiefsee-Seismometers in der Ligurischen See.

Bild: H. Kopp/GEOMAR.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?
Einem typischen Arbeitstag geht zunächst einmal ein quirliger Morgen voraus – aber das ist ganz normal in Familien mit Schulkindern. Und es hat auch Vorteile: Denn dadurch bin ich früh im Büro und kann die Ruhe dort nutzen, um entweder schon einige Dinge zu erledigen oder um in Ruhe über unsere Forschungsansätze oder Zwischenergebnisse nachzudenken. Dabei kommen oft die besten Ideen, die ich im Laufe des Tages dann mit den Kolleginnen und Kollegen weiter diskutieren kann. Der Tag endet dann meist, wie er begonnen hat: quirlig. Aber dies ist ein perfekter Ausgleich zur Forschung!

Was fasziniert Sie am meisten an Ihrer Arbeit?
Die Antwort auf diese Frage ist einfach: Die größte Faszination ist nach wie vor, wenn wir auf See neue Daten akquirieren, häufig genug in Gebieten, die sehr weit "ab vom Schuss" sind und über die oft noch nicht viel bekannt ist. Das ist für mich nach wie vor Abenteuer pur!

In welche Richtung würden Sie Ihre Forschung zukünftig gerne vertiefen?
Ich habe mich erst vor wenigen Jahren auf ein neues Forschungsfeld begeben, in dem wir versuchen, geodätische Ansätze, wie sie mit GPS-Daten an Land erfolgreich eingesetzt wurden, auf den Meeresboden zu übertragen. Dieses neue Feld birgt noch so viele ungelöste Fragen und Hürden, dass mir mit Sicherheit in den kommenden Jahren nicht langweilig wird.