11. Jun. 2018
Katja Matthes (Mitte) auf dem Dach das Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel (GEOMAR), wo sie forscht und lehrt.

Katja Matthes (Mitte) auf dem Dach das Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel (GEOMAR), wo sie forscht und lehrt.

Prof. Dr. Katja Matthes ist studierte Meteorologin. Sie lehrt und forscht in Kiel an der Christian-Albrechts-Universität und am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung, wo sie den Forschungsbereich Ozeanzirkulation und Klimadynamik leitet.

Was ist der Gegenstand Ihrer Forschung?
Ich beschäftigte mich mit natürlicher Klimavariabilität und hier insbesondere mit dem Einfluss der Variabilität der Sonne. Um die menschgemachten Klimaveränderungen genauer zu verstehen und bessere Vorhersagen für zukünftige Klimaschwankungen machen zu können, ist es sehr wichtig, die natürliche Klimavariabilität zu verstehen. Der sogenannte Sonnenfleckenzyklus, der im Rhythmus von etwa 11 Jahren die Variabilität der Sonneneinstrahlung auf der Erde beeinflusst, ist dabei ein wichtiger natürlicher Klimafaktor neben Vulkaneruptionen, die allerdings sehr unregelmäßig auftreten. Ich versuche, den Einfluss der Sonnenvariabilität auf das Klima mit Hilfe von komplexen Klimamodellen und einem Vergleich mit Beobachtungen zu verstehen.

Warum haben Sie diesen Fokus gewählt?
Weil es für mich sehr wichtig ist, einen Beitrag zum menschgemachten Klimawandel zu leisten. Wenn ich zu einem besseren Verständnis natürlicher Klimavariabilität beitragen kann und bestimmte sehr komplexe Zusammenhänge im Klimasystem besser verstehen kann, ergibt das vielleicht ein Puzzleteil, das uns noch fehlt. Denn es sind sehr viele Prozesse und Zusammenhänge noch nicht vollständig verstanden. Außerdem ist es ein sehr interdisziplinäres Thema und man kommt mit sehr vielen verschiedenen Fachgebieten in Kontakt von der Sonnenphysik über die Atmosphärendynamik, -physik und -chemie, der Klimamodellierung hin zur Ozeandynamik und -physik. Es macht mir sehr viel Spaß, die verschiedenen Fachrichtungen zu verbinden und so einen Beitrag zum besseren Verständnis von Klimaschwankungen zu liefern.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?
Sehr durchgetaktet mit Terminen von morgens bis in den späten Nachmittag hinein. Ich habe Vorlesungen, Seminar, Übungen, treffe mich mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, um über wissenschaftliche Projekte und Veröffentlichungen zu sprechen, tausche mich mit nationalen und internationalen Kolleginnen und Kollegen aus, schreibe Anträge für neue Projekte, und so weiter. Da ich in der Klimamodellierung tätig bin, findet der Großteil meiner Arbeit in meinem Büro am Computer statt. Zum Abendessen versuche ich dann immer zu Hause zu sein, wenn ich nicht auf Dienstreise bin oder andere wichtige Abendveranstaltungen habe, um mit meiner Familie gemeinsam zu essen und den Tag Revue passieren zu lassen, mit den Kindern gegebenenfalls noch Hausaufgaben zu machen oder einfach Zeit mit ihnen zu verbringen.

Was fasziniert Sie am meisten an Ihrer Arbeit?
Das Zusammensetzen der verschiedenen Puzzleteile und die systematische Verbesserung der Modelle, die benötigt wird, um den Einfluss der Sonne auf das Klima und damit natürliche Klimavariabilität besser zu verstehen. Außerdem fasziniert mich die Vielfältigkeit meiner Arbeit, die sowohl die Lehre mit Studentinnen und Studenten, als auch die Forschung im Rahmen meiner Arbeitsgruppe mit internationalen Kolleginnen und Kollegen miteinschließt. Ein anderer faszinierender Aspekt meiner Arbeit sind die vielen Reisen, durch die man sehr viele Orte und Menschen kennenlernt. Allerdings klingt das immer besser, als es in Wirklichkeit ist. Denn meistens hat man unterwegs relativ wenig Zeit, sich die Umgebung in Ruhe anzugucken. Ich ziehe es vor, möglichst nicht so lange von zuhause weg zu sein.

In welche Richtung würden Sie Ihre Forschung zukünftig gerne vertiefen?
Ich würde gerne meine Arbeit zur Sonnenvariabilität erweitern und die natürliche Klimavariabilität ganzheitlich betrachten. Dazu müssen die Arbeiten zum Einfluss von Vulkanausbrüchen sowie sogenannte Erkennungsmusterstudien, die die Einflüsse von verschiedenen Faktoren wie z.B. menschgemachte, solare und vulkanische Einflüsse voneinander zu unterscheiden versuchen, kombiniert werden. Genau das ist Thema eines neuen Forschungsantrages, den ich mit europäischen Kolleginnen und Kollegen eingereicht habe und der hoffentlich erfolgreich begutachtet wird.