09. Aug. 2019
Das Bale-Gebirge in der äthiopischen Region Oromia.

Das Bale-Gebirge in der äthiopischen Region Oromia.

Bereits vor etwa 40.000 Jahren haben Menschen dauerhaft im Hochgebirge und in Gletschernähe gelebt. Das legen Analysen von Besiedlungsspuren aus dem Bale-Gebirge im nordostafrikanischen Äthiopien nahe, die unter Leitung von Dr. Ralf Vogelsang vom Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität zu Köln entstanden sind. Die Ergebnisse wurden jetzt in "Science" unter dem Titel "Middle Stone Age foragers resided in high elevations of the glaciated Bale Mountains, Ethiopia" veröffentlicht. Erstautor der Studie ist Dr. Götz Ossendorf vom Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität zu Köln.


Die Gipfel des Bale-Gebirges sind bis zu 4.300 Meter hoch. In diesen Höhen ist der Mensch nicht nur einer geringeren Sauerstoffkonzentration, sondern auch einer stärkeren UV-Belastung und Kälte ausgesetzt. Das Kölner Forschungsteam untersucht vor Ort in Äthiopien, warum das unwirtliche Hochgebirge und das afroalpine Ökosystem überhaupt besiedelt wurden, wann dies begann und mit welchen Strategien Menschen dort überleben konnten.
Die Wissenschaftler führten etwa 700 Meter unterhalb des Gletschers in dem Felsüberhang "Fincha Habera" Ausgrabungen durch und stießen dabei auf vielfältige archäologische Hinterlassenschaften wie steinzeitliche Knochen- und Holzkohlenreste oder scharfkantiges Steinwerkzeug aus Obsidian (Vulkanglas). "Basierend auf den radiometrischen Datierungen verschiedenster archäologischer Materialien handelt es sich bei dieser Fundstelle um die früheste längerfristig genutzte Wohnstätte einer Hochgebirgsregion, die uns bisher weltweit bekannt ist", sagt Dr. Götz Ossendorf.
Ernährt haben sich die Siedler vor 40.000 Jahren hauptsächlich von großen Ratten (sog. Riesenmaulwurfsratten), die am offenen Feuer gegrillt wurden. Dazu entwickelten sie die Strategie, den Felsüberhang als Basislager zu nutzen, für die Jagd der Ratten, für Schmelzwasser und für die Beschaffung des begehrten Obsidian-Rohmaterials aber Aufstiege zum etwas höher gelegenen Gletscher zu unternehmen.
"Für uns geben diese Siedlungsspuren und ihre Untersuchung einen außergewöhnlichen Einblick, was für ein enormes Anpassungspotenzial der Mensch hatte, um sich körperlich, aber auch kulturell-strategisch auf seinen Lebensraum einzustellen", fügt Ossendorf hinzu.

Der Postdoktorand Ossendorf und der Doktorand Minassie Girma arbeiten in dem von Ralf Vogelsang geleiteten Kölner Teilprojekt "Die früheste Erschließung von Hochgebirgsräumen durch den Menschen – Erschaffung einer alpinen Kulturlandschaft in den Tropen" in der Forschungsgruppe 2358 "The Mountain Exile Hypothesis". Die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Forschungsgruppe besteht seit 2016 und wurde von der Universität Marburg initiiert, wo auch die Sprecherschaft liegt.
"The Mountain Exile Hypothesis" untersucht interdisziplinär die Beziehungen zwischen Mensch und Umwelt dieser afrikanischen Hochgebirgsregion. So haben an der gegenwärtigen Studie Bodenkundler der Universität Halle-Wittenberg menschliche Spuren biogeochemisch identifiziert oder Gletscherspezialisten der Universität Bern die damaligen Umweltbedingungen beleuchtet.


Quelle: Universität zu Köln