04. Jul. 2019
Oumuamua ist das erste Objekt, das beim Durchqueren des Sonnensystems beobachtet werden konnte.

Oumuamua ist das erste Objekt, das beim Durchqueren des Sonnensystems beobachtet werden konnte.

Vor zwei Jahren entdeckten Astronomen zum ersten Mal ein interstellares Objekt in unserem Sonnensystem: "Oumuamua" wies ungewöhnliche Merkmale auf, die sich von denen bisher beobachteter Asteroiden und Kometen unterschieden. Es gab Spekulationen, dass Oumuamua ein Alienraumschiff sei. Ein internationales Team von Wissenschaftlern zeigte in einer Studie, die gestern in der renommierten Fachzeitschrift Nature Astronomy veröffentlicht wurde, dass Oumuamua vollkommen natürlichen Ursprungs ist.


Als das PanSTARRS1 Teleskop (Panoramic Survey Telescope and Rapid Response System 1) der Universität von Hawaii zuerst Daten des in unser Sonnensystem driftenden Gesteinsbrockens aufnahm, stellten die Astronomen fest, dass das Objekt sich von allen zuvor beobachteten unterschied. Oumuamua – auf Hawaiianisch so etwas wie "Pfadfinder" – zeigt Eigenschaften sowohl von Asteroiden als auch von Kometen und ähnelt auch in anderen Punkten keinen bisher von den Forschern analysierten Himmelskörpern – was manche Wissenschaftler sogar zu Spekulationen veranlasste, dass es sich dabei um ein außerirdisches Raumschiff handeln könnte.

Das liegt daran, dass ‘Oumuamua das erste Objekt ist, das beim Durchqueren des Sonnensystems beobachtet werden konnte. "Astronominnen und Astronomen haben schon lange gehofft, ein interstellares Objekt zu sehen, das unser Sonnensystem durchkreuzt", erklärt Susanne Pfalzner, Astrophysikerin am Jülich Supercomputing Centre, die bereits vor einigen Monaten zusammen mit ihrer Kollegin Michele Bannister von der Queen’s University Belfast in Nordirland eine Studie über Oumuamua veröffentlicht hat.

Oumuamua hat eine rötliche Farbe, eine Eigenschaft, die er mit vielen Körpern im Sonnensystem teilt. "Ansonsten unterscheidet er sich maßgeblich: Auch wenn man es mit den gesammelten Daten nicht komplett belegen kann, hat der Asteroid wahrscheinlich eine längliche Form und ein auffälliges Bewegungsmuster", so Pfalzner. "Besonders rätselhaft ist seine Laufbahn durch unser Sonnensystem." Es scheint, dass Oumuamua in Richtung dieser Laufbahn beschleunigt – typisch für Kometen. Doch konnten die Astronomen keine der dafür typischen Gasemissionen beobachten.

14 Wissenschaftler aus Europa und den USA arbeiteten zusammen, um die gesammelten Oumuamua-Daten zu analysieren. Matthew Knight von der University of Maryland stellte dafür ein Team von Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Bereichen zusammen. "Dies führte zu der ersten umfassenden Analyse und der derzeit besten Gesamtübersicht über alles, was wir über das Objekt wissen", so Knight. "Wir neigen dazu, zu glauben, dass physikalische Prozesse, die wir hier bei uns beobachten, allgemeingültig sind. Und so ein Objekt wie Oumuamua haben wir bisher noch nicht beobachtet. Es ist ungewöhnlich und schwer zu erklären. Doch das bedeutet nicht, dass es keine natürlichen Phänomene gibt, die sein Verhalten erklären könnten."

Oumuamua gibt noch immer Rätsel auf, doch Susanne Pfalzner, die mithilfe von Computersimulationen die Entstehung von Objekten wie Oumuamua erforscht, denkt nicht, dass dies zu Spekulationen über Außerirdische verleiten sollte: "Es ist nur natürlich, dass Oumuamua ungewöhnliche Eigenschaften hat. Unsere Analyse deutet darauf hin, dass es natürliche Phänomene gibt, die dies erklären könnten“, so Pfalzner. “ Aber natürlich bedeutet das auch, dass noch viel über den Weltraum jenseits unseres Sonnensystems erforscht werden muss."

Susanne Pfalzner und ihre Kollegen haben eine Reihe von Mechanismen in Betracht gezogen, durch die Omuamua seinem Heimatsystem entkommen sein könnte. Eine Möglichkeit wäre, dass der Himmelskörper von einem Gasriesen in einem anderen Sternsystem ausgestoßen wurde. "Nach bestehenden Modellen ist die Oortsche Wolke am äußeren Rand unseres Sonnensystems auf diese Weise durch Bruchstücke des Jupiter entstanden", erklärt Pfalzner. "Manche solcher Objekte könnten der Anziehungskraft ihres Heimatsterns entkommen und so zu interstellaren Reisenden geworden sein."

Die Forscher vermuten, dass Oumuamua nur der erste Besucher aus einem anderen Sonnensystem ist. Ab 2022 wird das Large Synoptic Survey Telescope (LSST) Daten aufzeichnen können und die Wissenschaftler hoffen noch weitere interstellare Objekte entdecken. Erst dann wird sich sagen lassen, ob Oumuamua wirklich so ungewöhnlich ist, wie er jetzt scheint.


Quelle: Forschungszentrum Jülich