27. Nov. 2019
Blick über den ehemaligen Truppenübungsplatz Lieberoser Heide in Brandenburg zum Braunkohlekraftwerk Jänschwalde.

Blick über den ehemaligen Truppenübungsplatz Lieberoser Heide in Brandenburg zum Braunkohlekraftwerk Jänschwalde.

Starke Trockenheit ist für Deutschland eine ungewohnte Erfahrung, doch die Verhältnisse der beiden jüngsten Jahre könnten in Zukunft häufiger herrschen. Deutschland wird sich auf Trockenheit einstellen müssen. Auf der Jahrestagung des Helmholtz-Verbundes REKLIM in Berlin zogen Forscher und Praktiker eine Bilanz der beiden trockenen Jahre 2018 und 2019.

"Die Bedeutung von Dürren wird zunehmen", betonte Andreas Marx vom Helmholtzzentrum für Umweltforschung in Leipzig (UFZ) auf der Jahrestagung des Forschungsverbundes Regionale Klimaforschung (Reklim) Ende September in Berlin. Marx koordiniert beim UFZ den Dürremonitor für die Bundesrepublik und hatte ernüchternde Erkenntnisse zu verkünden. 2018 war das größte "Dürreereignis" seit 1951, "und", so Marx, "es hat sich 2019 fortgesetzt". Allerdings war in diesem Jahr Norddeutschland tendenziell stärker betroffen als der Süden.

Waldbrand in Brandenburg, 2003

Waldbrand in Brandenburg, 2003

Bild: Wikimedia Commons/Tilo (CC BY-SA 3.0)
Gesamtbodentrockenheit am 25. November 2019

Gesamtbodentrockenheit am 25. November 2019

Bild: Helmholtz Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Kiefernwald in der Lieberoser Heide.

Kiefernwald in der Lieberoser Heide.

Bild: Wikimedia Commons/J.H. Janßen (CC BY-SA 3.0)
Gesamtbodentrockenheit zu Jahresbeginn 2019

Gesamtbodentrockenheit zu Jahresbeginn 2019

Bild: Helmholtz Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Gesamtbodentrockenheit in der Jahresmitte 2019

Gesamtbodentrockenheit in der Jahresmitte 2019

Bild: Helmholtz Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Gesamtbodentrockenheit zu Beginn des Augusts 2019

Gesamtbodentrockenheit zu Beginn des Augusts 2019

Bild: Helmholtz Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
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Waldbrand in Brandenburg, 2003

Bild: Wikimedia Commons/Tilo

Gesamtbodentrockenheit am 25. November 2019

Bild: Helmholtz Zentrum für Umweltforschung (UFZ)

Kiefernwald in der Lieberoser Heide.

Bild: Wikimedia Commons/J.H. Janßen

Gesamtbodentrockenheit zu Jahresbeginn 2019

Bild: Helmholtz Zentrum für Umweltforschung (UFZ)

Gesamtbodentrockenheit in der Jahresmitte 2019

Bild: Helmholtz Zentrum für Umweltforschung (UFZ)

Gesamtbodentrockenheit zu Beginn des Augusts 2019

Bild: Helmholtz Zentrum für Umweltforschung (UFZ)

Die Folgen sind selbst jetzt, mitten in der Regensaison, noch deutlich zu messen. Auf der aktuellen Dürrekarte des UFZ war selbst Ende November noch für nahezu das gesamte Gebiet der fünf östlichen Bundesländer, aber auch zum Beispiel in Niederbayern eine mehr oder weniger schwere Dürre eingetragen. Die Karte dokumentiert für den gesamten Boden bis in 1,80 Meter Tiefe, wie stark die Bodenfeuchte vom langjährigen Mittel abweicht. Offenbar reichten die Regenfälle des Winters 2018/19 nicht aus, um die Wasserreserven des Bodens wieder aufzufüllen. Ob das in diesem Winter gelingt, bleibt abzuwarten. "Dafür bräuchten wir ein Winterhalbjahr mit überdurchschnittlichem Regen", so Marx.

Landwirtschaft verzeichnete Schwächen bei vielen Kulturen

Auf vielen Sektoren sind die Auswirkungen zu spüren. "Die Trockenheit von 2018 hat sich durchgeschleift", konstatierte Claas Nendel vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung auf der Reklim-Konferenz. In der Landwirtschaft böte sich regional und je nach Kultur ein differenziertes Bild. So seien die Ernteerträge beim Weizen zwar besser als 2018 gewesen, hätten aber dennoch rund ein Drittel unter dem jährlichen Mittel gelegen. Beim Raps gingen sie sogar noch einmal zurück, die Lücke zum langjährigen Mittel betrug hier 41 Prozent. Bei Obst und Wein sei dagegen der Ertrag sehr gut, wegen der Trockenheit seien sogar Krankheiten und Schädlinge weniger stark gewesen als üblich.

In der Zukunft wird das Wetter unberechenbarer werden, heftige Regen und starke Dürren können sich abwechseln, dazu ist auch noch mit häufigeren Spätfrösten zu rechnen. "Die Landwirte müssen Risikovorsorge betreiben", forderte Nendel. Dazu zählen zum Beispiel Verbesserungen in der Fruchtfolge und Investitionen in künstliche Bewässerung. Solche Anlagen sind noch viel zu selten in Deutschland, doch Kulturen wie Kartoffeln, Zuckerrüben oder Mais würden davon profitieren.

Brandrisiko 2019 kaum geringer als im Vorjahr

Auch die Wälder bekamen die Folgen der Dürren zu spüren. Die Waldbrandgefahr im ohnehin feuergefährdeten Brandenburg war 2019 kaum geringer als 2018. 1351 Hektar Wald haben in diesem Jahr in Flammen gestanden, berichtete Frank Kliem, der Vizepräsident des Landesfeuerwehrverbandes, auf der Reklim-Tagung. Das waren nur 300 Hektar weniger als im wesentlich stärkeren Dürrejahr 2018. Nahezu 90 Prozent der verbrannten Fläche entfiel auf die neun größten Waldbrände. Kliem bemängelte vor allem, dass in den Wäldern die Brandlast sehr hoch sei, weil die Sturmschäden weiterhin nicht aufgearbeitet worden seien. Insbesondere der Waldbrand auf dem Truppenübungsplatz bei Jüterbog machte ein weiteres Problem der Feuerwehr deutlich. Häufig muss sie die Brandbekämpfung einstellen, weil Munition und Munitionsreste in den ehemaligen Truppenübungsplätzen hochzugehen drohen. Kliem mahnte eine bessere Kampfmittelbeseitigung an.

Eine langfristige Änderung der brandenburgischen Wälder brachte Katrin Möller vom Landeskompetenzzentrum Forst in Eberswalde ins Spiel. 70 Prozent der brandenburgischen Wälder bestehen aus Kiefern, und deren Aussichten in einem trockeneren und wärmeren Klima sind nicht gut. Das Landeskompetenzzentrum experimentiert daher mit verschiedenen Baumarten, die in den Wäldern angesiedelt werden könnten. Das Problem: Diese Versuche dauern lange. Bis sich herausstellt, wie gut eine Baumart oder eine Artengemeinschaft von Bäumen mit den künftigen Bedingungen zurechtkommt, können viele Jahre vergehen. Bis dahin werden Bundesländer wie Brandenburg mit ihren Waldbrandproblemen zu kämpfen haben.