25. Mär. 2020
Karibischer Sandstrand auf Guadeloupe

Karibischer Sandstrand auf Guadeloupe

Der Treibhausgasausstoß der Menschheit lässt die Meeresspiegel steigen und führt zu mehr und stärkeren Stürmen. Noch wird bei beiden Faktoren heftig über das Ausmaß diskutiert, doch die Konsequenzen fallen selbst bei moderaten Annahmen erheblich aus. Eine Arbeitsgruppe am Forschungszentrum der Europäischen Union im italienischen Ispra hat den Schwund von Sandstränden in Zeiten des Klimawandels untersucht.

Sollte die Menschheit ihre Treibhausgasemissionen nicht nennenswert drosseln, sind bis zum Ende des Jahrhunderts fast die Hälfte der Sandstrände gefährdet. Vor allem steigende Meeresspiegel, aber auch eine höhere Zahl von Stürmen mit insgesamt größerer Kraft sind für das Ende der Strände verantwortlich. Am stärksten trifft es Staaten in den Tropen, darunter Gambia, Surinam und die Komoren, wo der Tourismus eine große Rolle für die jeweilige Wirtschaft spielt. Die längsten Strandabschnitte gehen gleichwohl an anderer Stelle verloren: Australien, Kanada, Chile, Mexiko, China und die USA verlieren jeweils mehr als 5000 Kilometer Strand, in Australien allein sind es 15.000 Kilometer und damit fast die Hälfte der Sandstrände, über die der fünfte Kontinent derzeit noch verfügt.

Dünen sind ein wichtiges Schutzsystem der deutschen Nordseeinsel Amrum.

Dünen sind ein wichtiges Schutzsystem der deutschen Nordseeinsel Amrum.

Bild: Holger Kroker
Strand auf Norderney mit Bunen zur Erosionsminderung.

Strand auf Norderney mit Bunen zur Erosionsminderung.

Bild: Wikimedia Commons/Jürgen Hamann (CC BY-SA 3.0)
Breiter Sandstrand an der italienischen Adriaküste bei Comacchio.

Breiter Sandstrand an der italienischen Adriaküste bei Comacchio.

Bild: Wikimedia Commons/Wilfried Krause (CC BY-SA 3.0)
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Dünen sind ein wichtiges Schutzsystem der deutschen Nordseeinsel Amrum.

Bild: Holger Kroker (CC BY-SA 3.0)

Strand auf Norderney mit Bunen zur Erosionsminderung.

Bild: Wikimedia Commons/Jürgen Hamann (CC BY-SA 3.0)

Breiter Sandstrand an der italienischen Adriaküste bei Comacchio.

Bild: Wikimedia Commons/Wilfried Krause (CC BY-SA 3.0)

Ein Forscherteam der EU-Forschungsstelle in Ispra hat diese drastischen Zahlen in "Nature Climate Change" veröffentlicht. Die Forscher hatten zunächst anhand von drei Millionen Bildern der Landsat-Erdbeobachtungssatelliten für sämtliche Küsten der Welt die Veränderungen zwischen 1984 und 2015 bestimmt. An zwei Millionen Punkten der Küsten betrachteten die Forscher auf einer Strecke senkrecht zum Küstenverlauf, wie sich innerhalb des 30-Jahreszeitraums die jeweilige Stelle bewegte, die im Laufe eines Jahres nicht vom Meerwasser erreicht wird. Bei den meisten Punkte wanderte diese Stelle landeinwärts und zeigte einen Landverlust an, nur an ganz wenigen Stellen kam es zu natürlichen Landgewinnen.

Diese Datenbank benutzten die Forscher unter Leitung von Michalis Vousdoukas in einem zweiten Schritt, um die künftige Entwicklung bis zum Jahr 2050 und bis zum Jahr 2100 zu simulieren. Sie gingen dabei vom pessimistischen und vom mittleren Klimaszenario des Weltklimarates aus. Die Entwicklung, in der die Menschheit den menschengemachten Temperaturanstieg auf zwei Grad oder weniger bis zum Jahrhundertende begrenzen kann, ließen die Forscher außer Acht. Die Welt sei meilenweit davon entfernt, sagte Vousdoukas gegenüber der Presse.

Selbst wenn die Treibhausgasemissionen gebremst werden können und bis zum Jahrhundertende nur noch um weniger als 250 ppm auf dann 650 ppm steigen, droht ein Verlust von rund einem Drittel der weltweiten Strände im Lauf dieses Jahrhunderts. Die Forscher gehen davon aus, dass die meisten Strände tatsächlich spurlos verschwinden, weil die betreffenden Küstengebiete so dicht besiedelt sind, dass eine einfache Verlagerung des Strandes weiter ins Landesinnere nicht möglich ist. Für die betroffenen Gebiete droht damit nicht nur der Verlust von wichtigen Touristenmagneten und Erholungsgebieten. Sandstrände und Dünen sind auch wichtige Schutzräume, die die dichtbesiedelten Gebiete dahinter gegen das Meer sichern. Nicht zufällig nennt die Arbeitsgruppe die holländische Nordseeküste als Positivbeispiel. Die Niederlande haben eines der besten Küstenschutzprogramme der Welt. Die direkt angrenzende deutsche Nordseeküste dagegen wird als ein Beispiel angeführt, wo sich die Erosion durch Stürme verstärken wird.