04. Okt. 2018

Sommerregen lassen in Berlin schnell die Kanalisation überlaufen.

Waldbrände waren in diesem Jahr die große Gefahr im deutschen Nordosten, im vergangenen Jahr waren es Starkregen und Stürme. Der Klimawandel scheint für die Bundesländer Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern vielfältige Herausforderungen zu bringen. Auf der Konferenz des Helmholtz-Forschungsverbundes zu regionalen Klimaveränderungen (REKLIM) stand daher das Wasser in den sandigen und flachen Regionen des deutschen Nordostens im Fokus.

Das Jahr 2018 war hart in Deutschlands Osten. "Im Weltkulturerbe Potsdam sieht es ganz furchtbar aus", klagte Ulrike Gutheil, Staatssekretärin im Brandenburgischen Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur, auf der REKLIM-Tagung in Potsdam. Im Fokus der Veranstaltung stand diesmal das Wasserproblem im Nordosten des Landes. Die Parks der Potsdamer Schlösser stehen dabei exemplarisch für den gesamten Raum. 2018 war für sie der heißeste Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen, die Verluste unter den Bäumen werden erst langsam deutlich.

Das Jahr 2017 dagegen war durch sintflutartige Starkregen und Orkane geprägt. Die Bilanz in den Parks von Potsdam ist erschreckend: "Durch das Sturmtief Xavier im Oktober haben wir allein in Sanssouci 1000 Bäume verloren", berichtete Michael Rohde, Gartendirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, auf der REKLIM-Tagung. Hinzu kam der Dauerregen am 29. und 30. Juni 2017. "Dabei ging die Hälfte eines normalen Jahresniederschlags innerhalb von 48 Stunden nieder", so Rohde.

Parks stehen vor schwieriger Anpassung

Die Parks im Raum Berlin und mit ihnen wohl auch die restlichen Wälder der Region stehen offenbar vor einer schwierigen Anpassungsphase. Nicht nur Hitze- und Trockenperioden und dann wieder sintflutartige Regenfälle machen ihnen wie dem Rest Nordostdeutschlands zu schaffen. "Schädlinge wandern ein, seit drei oder vier Jahren gibt es zum Beispiel keine Buchsbäume mehr und auch der Erhalt der Rosskastanien ist unglaublich schwierig", so Rohde. Beide Arten zählen zu den prägenden Pflanzen in den Gärten, sind aber stark durch Buchsbaumzünsler beziehungsweise Miniermotte bedroht. Die Gartenverwaltung versucht mit Alternativgewächsen etwa bestimmten Stechpalmenarten gegenzusteuern. Für trockenere Zeiten versucht man vorzusorgen, indem die Rasenflächen zum Teil in Wiesen umgewandelt werden, die besser mit stark wechselndem Wasserangebot klarkommen. "Außerdem wollen wir das Wasser wieder stärker im Park lassen, anstatt es abzuführen", so Rohde.

Blick in den Landschaftspark Muskau.

Blick in den Landschaftspark Muskau.

Bild: A. Kumieszka/CC BY-SA 3.0
Luftaufnahme des Potsdamer Schlossparks.

Luftaufnahme des Potsdamer Schlossparks.

Bild: Wolfgang Pehlemann/CC BY-SA 3.0
Die Lieberoser Wüste wurde durch Manöver geschaffen. In Zukunft könnte es aber in Brandenburg öfter so aussehen.

Die Lieberoser Wüste wurde durch Manöver geschaffen. In Zukunft könnte es aber in Brandenburg öfter so aussehen.

Bild: J-H Janßen/CC BY-SA 2.0
Sommerregen lassen in Berlin schnell die Kanalisation überlaufen.

Sommerregen lassen in Berlin schnell die Kanalisation überlaufen.

Bild: Dirk Ingo Franke/CC BY-SA 4.0
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Blick in den Landschaftspark Muskau.

Bild: A. Kumieszka/CC BY-SA 3.0

Luftaufnahme des Potsdamer Schlossparks.

Bild: Wolfgang Pehlemann/CC BY-SA 3.0

Die Lieberoser Wüste wurde durch Manöver geschaffen. In Zukunft könnte es aber in Brandenburg öfter so aussehen.

Bild: J-H Janßen/CC BY-SA 2.0

Sommerregen lassen in Berlin schnell die Kanalisation überlaufen.

Bild: Dirk Ingo Franke/CC BY-SA 4.0

Kanalisation an der Belastungsgrenze

Dieses Ziel verfolgen auch die Berliner Wasserbetriebe. "Berlin boomt und wächst ungemein", betonte Carin Sieker, Leiterin Strategie im Bereich Abwasserentsorgung der BWB, auf der REKLIM-Tagung. Dadurch werden immer mehr Flächen in der Stadt mit Beton und Asphalt versiegelt. Zwischen 2011 und 2016 habe die versiegelte Fläche um drei Prozent zugenommen, so Sieker, in Berlin-Mitte seien es sogar acht Prozent gewesen. Von versiegelten Flächen aber fließt das Regenwasser direkt in die Kanalisation, anstatt im Boden zu versickern. Kommt dann noch der Klimawandel hinzu, der in der Region zu häufigeren Starkregen führt, verschärft der Berliner Boom die Lage der Stadtentwässerungsbetriebe deutlich. Der Starkregen vom Juni 2017 war ein Augenöffner. Innerhalb von 24 Stunden regneten 150 Liter auf jeden Berliner Quadratmeter herab, und die Kanalisation lief nach kürzester Zeit über. "Man hat erkannt, wie wenig Berlin für Extremereignisse gewappnet ist", so Sieker.

Doch auch im Normalbetrieb gelangt die Abwasserinfrastruktur inzwischen an ihre Grenzen. Zurzeit schon laufen an 30 bis 60 Tagen im Jahr Kanäle über. Es ist absehbar, was in Zukunft passieren wird. "Drei Prozent mehr Fläche, die ans Kanalnetz angeschlossen wird, bedeutet neun Prozent mehr Überlauf", verdeutlichte Sieker auf der REKLIM-Tagung. Daher stecken auch die BWB in einem Anpassungsprozess. Neubaugebiete sollen nach Möglichkeit nicht mehr ihr Regenwasser in die Kanalisation ableiten, sondern vor Ort anderweitig abführen, etwa durch Versickern. Hinzu soll künftig jedes Jahr ein Prozent der angeschlossenen Flächen abgekoppelt werden. Das bedeutet, dass ihr Regenwasser nicht mehr ins Kanalnetz geleitet wird, sondern vor Ort versickert wird. "Das ist viel nachhaltiger", so die BWB-Managerin. Allerdings scheint es in Berlin betriebswirtschaftlich nicht günstiger zu sein. 1,80 Euro pro Quadratmeter und Jahr kostet die Abwassereinleitung in der Hauptstadt.

Potsdam braucht mehr Trinkwasser

Im benachbarten Potsdam sorgt man sich dagegen eher um die trockene Seite des Klimawandels im deutschen Nordosten. Die Stadt wächst prozentual gesehen noch stärker als Berlin und hat heute bereits die Prognosen für 2035 erreicht, die Anfang der 90er Jahre aufgestellt wurden. Daher läuft die brandenburgische Landeshauptstadt auf Probleme mit der Trinkwasserversorgung zu. Bereits jetzt nutze Potsdam seine Wasserrechte zu 89 Prozent aus, berichtete Karsten Zühlke, beim örtlichen Versorger EWP für das Wassermanagement zuständig. Zum Vergleich: Der bundesdeutsche Durchschnitt liegt bei 64 Prozent. Die EWP hat sich daher zum Ziel gesetzt, die Nutzung auf höchstens 80 Prozent zu begrenzen. 2035 werden rund 220.000 Menschen in der Stadt wohnen und voraussichtlich knapp 37.000 Kubikmeter Trinkwasser am Tag verbrauchen. Zurzeit reichen die Wasserrechte aber nur für 41.000 Kubikmeter, eine für Zühlke und seinen Arbeitgeber zu knappe Marge. Daher ist die Landeshauptstadt auf der Suche nach weiteren Wasserrechten.