11. Apr. 2019
Waldbrände in Südschweden, Sommer 2018.

Waldbrände in Südschweden, Sommer 2018.

Zum zweiten Mal hat das Erdbeobachtungsprogramm der EU, Copernicus, einen Klimastatusbericht herausgegeben. Eingeflossen sind Klima- und Wetterdaten vieler, nicht nur europäischer Satelliten, Bodenstationen und Modellrechnungen. Der Bericht wurde jetzt auf der Jahrestagung der Europäischen Geowissenschaftlichen Union in Wien vorgestellt. Er diagnostiziert als prägendes Element des Klimas 2018 eine besonders lang andauernde, ausgeprägte und vor allem eine rekordverdächtig große Fläche umfassende Hitzewelle.

Der Sommer 2018 war für Europa der wärmste seit 1950. Um 1,3 Grad lagen die Temperaturen in Juni, Juli und August über dem langjährigen Durchschnitt, in Mitteleuropa sogar um 2,5 Grad. "Wir hatten eine lange warme und trockene Periode, die in Mitteleuropa schon im April begann und sich ab Juni auf Großbritannien, Nordfrankreich und Skandinavien ausdehnte und bis in den Herbst, in manchen Regionen sogar bis zum Jahresende anhielt", berichtete Freja Vamborg, Klimaforscherin für die Copernicus Klimawandeldienste (C3S) der EU-Kommission auf der Jahrestagung der Europäischen Geowissenschaftlichen Union in Wien. Vamborg stellte dort den "Europäischen Klimastatusbericht 2018" vor, den C3S seit zwei Jahren im Auftrag der Kommission herausgibt.

Blick auf ein vertrocknetes Feld bei Kaarst am Niederrhein im Sommer 2018.

Waldbrände in Südschweden, Sommer 2018.

Bild: Wikimedia/mimikry11/CC BY-SA 3.0
Hitzewelle in Skandinavien, Juli 2018.

Hitzewelle in Skandinavien, Juli 2018.

Bild: NASA/CC0
Der Mittelrhein bei Oberwesel im Oktober 2018.

Der Mittelrhein bei Oberwesel im Oktober 2018.

Bild: Wikimedia/Marion Halft/CC BY-SA 4.0
Detailfoto von Waldbränden in Schweden, Sommer 2018.

Detailfoto von Waldbränden in Schweden, Sommer 2018.

Bild: Copernicus Climate Change Services
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Waldbrände in Südschweden, Sommer 2018.

Bild: Wikimedia/mimikry11/CC BY-SA 3.0

Hitzewelle in Skandinavien, Juli 2018.

Bild: NASA/CC0

Der Mittelrhein bei Oberwesel im Oktober 2018.

Bild: Wikimedia/Marion Halft/CC BY-SA 4.0

Detailfoto von Waldbränden in Schweden, Sommer 2018.

Bild: Copernicus Climate Change Services

Danach waren Frühjahr und Sommer in Mitteleuropa auch noch besonders trocken, regional blieb der Regen zwischen April und Oktober um mehr als ein Fünftel unter dem langjährigen Durchschnitt. In Deutschland brachten die Bauern die wohl schlechteste Ernte der jüngeren Vergangenheit ein. Von knapp 36 Millionen Tonnen Getreide, gut 11 Millionen Tonnen weniger als im Durchschnitt der vorangegangenen fünf Jahre, berichtete der Deutsche Bauernverband schon Ende August 2018. "Im Nordseeraum war besonders im Juni die Waldbrandgefahr ausgesprochen hoch, die schwedischen Behörden berichteten vom höchsten Risiko seit Beginn der Aufzeichnungen", so Vamborg. In dem skandinavischen Land war aber nicht nur die Gefahr sehr hoch, die Zahl der tatsächlichen Waldbrände erreichte auch Rekordhöhen.

Warm und feucht im Mittelmeerraum

Das genaue Gegenteil zeigte sich im Mittelmeerraum. Dort waren Frühjahr und Sommer 2018  so feucht wie schon lange nicht mehr. Auf der Iberischen Halbinsel war es einer der beiden nassesten Sommer seit 1950, im Südosten der EU reichte es immerhin für einen Platz unter den feuchtesten sechs seit 1950. Die Temperaturen waren allerdings auch hier deutlich über dem Durchschnitt. "Sie fallen in den langjährigen Trend. Wenn wir uns die Zeitreihe seit 1970 ansehen, können wir eine Erwärmung für Europa nicht leugnen", so C3S-Chef Jean-Noël Thépaut. In Europa waren im vergangenen Jahr nur die Monate Februar und März kälter als der langjährige Durchschnitt, alle anderen zehn Monate lagen darüber. Ein Blick auf 2017 zeigt allerdings auch, dass das nicht immer so sein muss. "2017 war ziemlich kalt, die Temperaturen dürften tatsächlich unter dem Durchschnitt gelegen haben, aber das ist alles Teil der natürlichen Schwankung", so Thépaut.

Die Ursache der Sommerhitze über Europa ist relativ eindeutig: Ein Hochdruckgebiet hatte sich über der Nordhälfte des Kontinents festgesetzt und dort für Wärme und Trockenheit gesorgt, während es die feuchten Winde vom Atlantik in den Mittelmeerraum lenkte. "Eine solche Blockade ist ein normales Wetterphänomen, das es immer wieder gibt", so Jean-Noël Thépaut, "aber wenn sie bei ohnehin schon erhöhten Temperaturen auftritt, ist das Resultat spektakulär."

Dürre umfasste rekordverdächtig große Gebiete

Der Blick in die Wetterstatistiken der vergangenen Jahre zeigt zwar auch, dass es so schwere Dürren wie 2018 schon vorher gegeben hat. Doch 2018 unterschied sich in einem entscheidenden Punkt. "1976 gab es eine ähnlich langandauernde Dürre, die auch im Frühling begann, doch 2018 war ein größeres Gebiet betroffen", so Freja Vamborg. Dass Hitzewellen so große Areale erfassen und so lange andauern, ist ein neues Phänomen, berichtete Martha Vogel, Klimaforscherin an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich auf der EGU-Jahrestagung. "22 Prozent der dichtbesiedelten und landwirtschaftlich wichtigen Regionen der Nordhalbkugel waren gleichzeitig von den Hitzewellen des Sommers betroffen, das entspricht einer Fläche von ungefähr 5,2 Millionen Quadratkilometern", so Vogel in Wien. Zum Vergleich: Die Europäische Union hat derzeit eine Fläche von 4,4 Millionen Quadratkilometern.

Betroffen waren Staaten auf allen Kontinenten der Nordhalbkugel, von Kanada bis nach Südkorea und Japan. Die erste großflächige Hitzewelle sei 2010 in den Daten aufgetaucht, so Vogel, dann erneut 2012 und im vergangenen Jahr wieder. In ihren Simulationen zeichnet sich ab, dass dieses Phänomen mit fortschreitendem Klimawandel immer häufiger auftreten und immer größere Flächen treffen wird. Vogel warnt: "Wenn wir verschiedene Regionen haben, in denen gleichzeitig Ernteausfälle stattfinden würden, kann das dramatische Konsequenzen haben."