08. Apr. 2019
Patania II

Patania II, der auf ein Viertel der geplanten Größe verkleinerte Versuchskollektor für Manganknollen, den die belgische Firma DEME-GSR gebaut hat.

Im deutsch-belgischen Manganknollen-Lizenzgebiet ist der erste umfassende Ernteversuch gescheitert. Ende März gab das belgische Bergbautechnikunternehmen DEME bekannt, dass das Kabel, an dem die Versuchserntemaschine Patania II bis in mehr als 4000 Meter hinabgelassen werden sollte, irreparabel beschädigt sei und damit der Einsatz des 25-Tonnen-Gerätes abgeblasen werden müsse. Das umfangreiche wissenschaftliche Beobachtungsprojekt "Mining Impact 2" musste daraufhin umgestellt werden.

Mit dem überraschenden Ernterausfall hat das aufwendige wissenschaftliche Begleit- und Beobachtungsprojekt "Mining Impact 2" seine Grundlage verloren. Neben dem von DEME gecharterten Schiff mit dem Versuchsgerät an Bord war auch das deutsche Forschungsschiff "Sonne" in die belgischen und deutschen Lizenzgebiete in der Clarion-Clipperton-Zone des Zentralpazifiks gefahren, um erstmalig die Umwelteinwirkungen von Tiefseebergbau zu untersuchen. "Wir werden jetzt unseren Alternativplan umsetzen. Als Meereswissenschaftler sind wir es gewohnt, auf unseren Expeditionen spontan auf neue Umstände zu reagieren", meldete sich der Projektleiter Matthias Haeckel von Bord der "Sonne".

Die Lizenzgebiete für Manganknollen in der sogenannten Clarion-Clipperton-Zone des Zentralpazifiks.

Die Lizenzgebiete für Manganknollen in der sogenannten Clarion-Clipperton-Zone des Zentralpazifiks.

Bild: ISA
Das deutsche Forschungsschiff Sonne, hier vor Zentralchile, sollte im Pazifik den Ernteversuch an Manganknollen wissenschaftlich begleiten.

Das deutsche Forschungsschiff Sonne, hier vor Nordchile, sollte im Pazifik den Ernteversuch an Manganknollen wissenschaftlich begleiten.

Bild: Geomar/Jan Steffen/CC BY-SA 4.0
Das autonome Unterwasserfahrzeug

Das autonome Unterwasserfahrzeug "Abyss" vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel (Geomar).

Bild: Geomar/AUV-Team/CC BY-SA 4.0
Aufnahme aus mehr als 4000 Metern Wassertiefe: Manganknollen auf dem Meeresboden der Clarion-Clipperton-Zone.

Aufnahme aus mehr als 4000 Metern Wassertiefe: Manganknollen auf dem Meeresboden der Clarion-Clipperton-Zone.

Bild: BGR
Der Tiefseetauchroboter ROV Kiel 6000 vom Geomar.

Der Tiefseetauchroboter ROV Kiel 6000 vom Geomar.

Bild: Geomar/ROV-Team/CC BY-SA 4.0
Kastengreiferprobe vom Tiefseeboden der Clarion-Clipperton-Zone mit Manganknollen.

Kastengreiferprobe vom Tiefseeboden der Clarion-Clipperton-Zone mit Manganknollen.

Bild: BGR
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Die Lizenzgebiete für Manganknollen in der sogenannten Clarion-Clipperton-Zone des Zentralpazifiks.

Bild: ISA

Das deutsche Forschungsschiff Sonne, hier vor Nordchile, sollte im Pazifik den Ernteversuch an Manganknollen wissenschaftlich begleiten.

Bild: Geomar/Jan Steffen/CC BY-SA 4.0

Das autonome Unterwasserfahrzeug "Abyss" vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel (Geomar).

Bild: Geomar/AUV-Team/CC BY-SA 4.0

Aufnahme aus mehr als 4000 Metern Wassertiefe: Manganknollen auf dem Meeresboden der Clarion-Clipperton-Zone.

Bild: BGR

Der Tiefseetauchroboter ROV Kiel 6000 vom Geomar.

Bild: Geomar/ROV-Team/CC BY-SA 4.0

Kastengreiferprobe vom Tiefseeboden der Clarion-Clipperton-Zone mit Manganknollen.

Bild: BGR
 

"Mining Impact 2" sollte die Folgen des Tiefseebergbaus auf Manganknollen im Zentralpazifik so umfassend wie möglich untersuchen, sowohl kurz- als auch langfristig. Zu diesem Zweck war das modernste deutsche Forschungsschiff bis zur Reling mit technischem Gerät beladen worden. "ROV Kiel 6000" und "Abyss", die beiden Tauchroboter des Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel, waren an Bord, die während des Ernteversuchs hätten eingesetzt werden sollen. Mehrere Bodenstationen mit diversen Instrumenten sollten in der Abstromzone des Versuchs abgesetzt werden, um die langfristigen Folgen zu protokollieren. Hinzu kommen diverse kleinere Geräte, die ebenfalls in die Beobachtungen einbezogen werden sollten.

Alternativprogramm aufgestellt

Insgesamt drei Monate, von Mitte Februar bis Mitte Mai, waren für das ehrgeizige Projekt eingeplant. Im ersten Fahrabschnitt, der Ende März abgeschlossen wurde, standen Bestandsaufnahme und Vorbereitung auf dem Programm. Der zweite Fahrtabschnitt, der am vergangenen Montag begann, sollte die "heiße" Phase darstellen, mit dem Ernteversuch selbst und der entsprechenden Beobachtung. Stattdessen haben die Wissenschaftler um Matthias Haeckel jetzt ein Ausweichprogramm zusammengestellt. "Wichtige wissenschaftliche Fragen zu den Auswirkungen von Tiefseebergbau gibt es zum Beispiel in Bezug auf Konnektivität von Arten, räumlichen und zeitlichen Variabilitäten in der Tiefsee und vieles mehr", so Haeckel von Bord der "Sonne", "im Moment ist zum Beispiel ein großer Wasserwirbel auf dem Weg in die Clarion-Clipperton-Zone, den wir nun nutzen werden, die mögliche Resuspension von abgelagerten Sedimentwolken, eine der Auswirkungen des Tiefseebergbaus zu untersuchen. Hierzu haben wir wegen des geplanten Monitorings eine Vielzahl verschiedener Sensoren dabei."

Wissenschaftler aus insgesamt 32 Nationen sind an dem Projekt beteiligt, das eines der Paradepferde der paneuropäischen Meeresforschungsinitiative JPI Oceans ist. Für das Gesamtprojekt "Mining Impact" wurden 22,9 Millionen Euro aus zahlreichen nationalen Fördertöpfen bereitgestellt, 13,2 Millionen davon für das erste Teilprojekt. Wie es mit dem Ernteversuch weitergeht, ist derzeit völlig offen. "Wir sind mit DEME-GSR in Kontakt und werden nach unserer jetzigen Fahrt Gespräche führen, wann der Test durchgeführt werden kann und wie wir parallel vor Ort sein können", so Haeckel. Fest steht schon, dass die "Sonne" in der nächsten Zeit nicht zur Verfügung stehen wird, weil sie im Sommer in den Indischen Ozean fahren wird. Auch andere europäische Forschungsschiffe dürften nicht auf Abruf verfügbar sein. Ähnliches wird auch für die Tauchroboter gelten.

Ohnehin hält sich DEME bedeckt, was den weiteren Einsatz von Patania II angeht. Es gäbe erst weitere Informationen, wenn ein neuer Einsatzzeitplan abgestimmt sei, heißt es in der Pressemitteilung des Unternehmens. Es ist noch nicht einmal wirklich klar, was den Defekt im Kabel verursacht hat. Sicher ist nur, dass der Versuchskollektor während "Mining Impact 2" zum ersten Mal wirklich in die Tiefsee hinabgelassen wurde. Die Einsatztests zuvor hatten in einem norwegischen Fjord stattgefunden. Geschätzte Meerestiefe dort: weniger als 1000 Meter.