17. Mai. 2019
Dorfbewohner aus der Nähe von Beira warten nach dem Zyklon Idaiauf Versorgung durch das Hilfswerk der US-Regierung USAID.

Dorfbewohner aus der Nähe von Beira warten nach dem Zyklon Idaiauf Versorgung durch das Hilfswerk der US-Regierung USAID.

In dieser Woche fand in Genf die Globale Plattform zur Verringerung des Katastrophenrisikos statt. Die Konferenz wird von UN-Organisationen alle zwei Jahre veranstaltet, um den weltweiten Standard im Katastrophenschutz zu diskutieren. In diesem Jahr standen die Lehren aus der gerade beendeten Sturmsaison im Indischen Ozean im Mittelpunkt.

Die jüngste Zyklon-Saison im südwestlichen Indischen Ozean war für den Süden Afrikas eine der verheerendsten und schadenträchtigsten seit Beginn der Aufzeichnungen. Mosambik war besonders betroffen, denn gleich zwei schwere Stürme gingen hier an Land und zerstörten weite Gebiete. Die Hafenstadt Beira im Zentrum der 2500 Kilometer langen Küste wurde Mitte März durch den Zyklon Idai zu 90 Prozent zerstört. Nach derzeitigen Angaben starben 607 Menschen allein in Mosambik, weitere 400 wurden in den angrenzenden Staaten Simbabwe und Malawi getötet. Rund einen Monat später traf der Sturm Kenneth - einer der stärksten Zyklone im südwestlichen Indischen Ozean - den Norden des Landes, der solche Unwetter bislang nicht kannte.

"Eine ganze Reihe von Faktoren hat zu der Tragödie in Mosambik geführt, die starken Winde haben in Beira die Häuser, in denen die Menschen Schutz suchten, abgedeckt, und die gewaltigen Regenfälle haben dann die Zerstörung vollendet", berichtet Claire Nullis von der Weltmeteorologieorganisation WMO. In der Stadt fiel nach WMO-Angaben die Regenmenge etlicher Monate innerhalb von wenigen Tagen. Verschärfend für das afrikanische Entwicklungsland war überdies, dass einen Monat nach Idai der Zyklon Kenneth durchzog. "Dass gleich zwei Stürme in einer Saison in Mosambik an Land gingen, hat es bisher ebenfalls noch nicht gegeben", so Claire Nullis. In der Folge stürzte das bitterarme Land in eine humanitäre Katastrophe.

Nhangau, ein Dorf bei Beira, nachdem der Zyklon Idai am 4. April durchzog.

Nhangau, ein Dorf bei Beira, nachdem der Zyklon Idai am 4. April durchzog.

Bild: US MoD/Africom
Schäden, die der Zyklon Fani Anfang Mai 2019 im indischen Bundesstaat Odisha anrichtete.

Schäden, die der Zyklon Fani Anfang Mai 2019 im indischen Bundesstaat Odisha anrichtete.

Bild: Wikimedia/Bikash Ohja (CC BY-SA 4.0)
Der Zyklon Idai geht am 14. März 2019 in Mosambik an Land.

Der Zyklon Idai geht am 14. März 2019 in Mosambik an Land.

Bild: NASA
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Nhangau, ein Dorf bei Beira, nachdem der Zyklon Idai am 4. April durchzog.

Bild: US MoD/Africom

Schäden, die der Zyklon Fani Anfang Mai 2019 im indischen Bundesstaat Odisha anrichtete.

Bild: Wikimedia/Bikash Ohja (CC BY-SA 4.0)

Der Zyklon Idai geht am 14. März 2019 in Mosambik an Land.

Bild: NASA

Schutzmaßnahmen in Mosambik reichten nicht aus

Für die Bewohner von Beira war die Katastrophe um so bitterer, als Staat und Stadt im Rahmen der bescheidenen Möglichkeiten eines Entwicklungslandes für Sturm- und Flutschutz gesorgt hatten. "Unglücklicherweise haben diese Schutzbauten nicht ausgereicht, und die internationale Gemeinschaft muss jetzt sehr genau und kritisch analysieren, wie wir das in der Zukunft ändern können", so Nullis. Denn dass Entwicklungsländer wie Mosambik mit der Ertüchtigung überfordert sind, ist allen Beteiligten klar. "Mosambik und Beira haben für ihre Verhältnisse viel investiert", würdigt die WMO-Expertin, "aber es war nicht genug, um der Sturmflut, dem intensiven Regen und der daraus resultierenden Überflutung standzuhalten."

Eine Lehre aus der Sturmsaison in Mosambik ist, dass der Klimawandel sich bei Intensität und Zahl der Stürme bereits bemerkbar macht, so dass es nicht mehr ausreicht, sich bei der Auslegung der Bauten auf Erfahrungsdaten zu stützen. "Wir können uns noch nicht einmal auf die aktuellen Daten verlassen, sondern wir müssen weit in die Zukunft blicken", so Claire Nullis. Damit kommt Klimasimulationen eine Schlüsselrolle bei der Planung der Schutzbauten zu, schließlich sollen Deiche und Mauern für Jahrzehnte schützen.

Information der Bevölkerung ist entscheidend

Eine weitere Schlussfolgerung aus der aktuellen Sturmsaison ist, dass die Vorbereitung der Menschen auf den und ihre rechtzeitige Information im Katastrophenfall von ungeheurer Wichtigkeit ist. "Es ist völlig egal, wie toll unsere Satelliten sind, wie umfangreich unsere Datenströme, wie gut unsere Vorhersagen. Wenn die Kommunikation bis zum allerletzten Betroffenen nicht funktioniert, ist das alles völlig umsonst", so Nullis. Die als Problem der letzten Meile bekannte Herausforderung war in Mosambik besonders hoch. In Beira brach die Stromversorgung zusammen, sobald Zyklon Idai an Land kam. Ohne Elektrizität fielen weite Teile des Informationssystems aus, die Warnungen des nationalen Wetterdienstes erreichten ihre Adressaten nicht mehr.

Im Norden des Landes sah man, wie wichtig das Training der Bevölkerung im Katastrophenfall ist. Die Menschen in der Küstenstadt Pemba und ihrer Umgebung glaubten dem Wetterdienst einfach nicht, dass der stärkste Zyklon der Geschichte Mosambiks Kurs auf ihre Stadt genommen hatte. "Die Menschen haben die Warnungen nicht ernst genug genommen", so Claire Nullis, "sie verweigerten sich der Evakuierung, weil sie sich die Gewalt des Sturmes nicht vorstellen konnten." So grenzt es an ein Wunder, dass die offizielle Opferzahl in Pemba nur bei 46 liegt.

Musterbeispiele Indien und Bangladesch

Als Musterbeispiel für die Vorbereitung auf tropische Wirbelstürme galten auf der Genfer Tagung dagegen Indien und Bangladesch. Beide Staaten hatten im 20. Jahrhundert unter einer Reihe von verheerenden Zyklonen zu leiden, die Zehntausende von Opfern forderten. Anfang Mai traf der Zyklon Fani den indischen Bundesstaat Odisha und zog dann weiter nach Bangladesch. Die materiellen Schäden waren weiterhin hoch, doch insgesamt starben nur 89 Menschen.

"Die Behörden haben alles richtig gemacht", betonte Claire Nullis. Die Warnungen waren präzise und erreichten über die verschiedensten Kanäle, eingeschlossen die sozialen Medien, tatsächlich nahezu die gesamte Bevölkerung. In Odisha konnten die Behörden auf diese Weise innerhalb kürzester Zeit 1,5 Millionen Menschen evakuieren, ohne dass es zu katastrophalen Zuständen kam. In Bangladesch, eines der ärmsten Länder der Erde, rühmte WMO-Vertreterin Claire Nullis das hervorragende Katastrophenschutz-Training der Bevölkerung. "Man hat aus den Erfahrungen der Vergangenheit gelernt", so Nullis, "das Land ist immer noch überbevölkert und es liegt immer noch nahe am Meeresspiegel, aber die Vorbereitung auf die Naturkatastrophen ist inzwischen exzellent."